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Dieses Fresko mit hoher theologischer Aussagekraft, so Künstler Helmut Kästl, verschwand bei der Sanierung des Heiliggeist-Spitals.

Künstler Helmut Kästl

Erinnerung an Heiliggeist-Fresko

Schongau - Die Rettung der Cobi Reiser-Tiermosaike läuft auf Hochtouren, alle acht Werke können gerettet werden. Doch gibt es Beispiele, wie in Schongau Kunst verloren gegangen ist. Zum Beispiel am Heiliggeist-Spital.

Im Jahr 1959 schaffte es ein Fresko des jungen Kunststudenten Helmut Kästl auf das heutige Heiliggeist-Spital. Kästl wurde später bekannt unter anderem als Ehrenpräsident der Münchner Secession sowie durch weltweite Ausstellungen, darunter Pablo Picassos 80. Geburtstag. Schongauern dürften Kästls Glas-Vorhängescheiben in der Aussegnungshalle sowohl des Waldfriedhofes als auch des Stadtfriedhofes ein Begriff sein.

Taube des Heiligen Geistes

Das Fresko am Heiliggeist-Spital befand sich über dem doppeltürigen Eingang an der Längsseite des Gebäudes auf der Achse zum Marienplatz, auf Höhe der Rentamtstraße. „Ich habe mich dabei an das gegebene Quadrat gehalten, wie auf den Bildern zu erkennen ist. Im Schnittpunkt der Diagonalen ist die Taube des Heiligen Geistes zu sehen. Die drei umliegenden Kreise stehen für die Dreifaltigkeit. Farblich ist das Ganze in Blautönen gehalten, das ist die Farbe des Geistes und der göttlichen Offenbarung“, führt der heute 82-Jährige aus. Außerdem waren ein Engel, Symbol der Freude, das brennende Augustinus-Herz, das für die Liebe steht, eine Arche, Zeichen des Vertrauens, zwei Turteltauben, die Sanftmut repräsentieren, ein Lamm, Charakteristikum für Geduld, Palmen und Lilien, die Enthaltsamkeit symbolisieren mitsamt den gebenden Händen Gottes, dazugehörend Fisch und Brot – Allegorie für Milde und Güte – Teil des Kunstwerkes.

„Die verwendeten Symbole haben natürlich alle eine theologische Aussagekraft, die Bedeutungen habe ich mir nicht einfach ausgedacht“, so Kästl. Als Grundlage diente der Brief des Apostels Paulus an die Galater. Diese figürlichen Momente – im Speziellen geht es um die Früchte des Heiligen Geistes – wollte der Kunstschaffende zu einem Zeichen verdichten.

Und das glückte, wie ihm vielfach bestätigt wurde: „Es kamen Leute nach Schongau, nur um sich das anzusehen. Kunstverständige sahen es auf einer Stufe mit einer Doktorarbeit. In der Nachbetrachtung lassen sich eigentlich alle meine späteren Arbeiten darauf zurückführen.“

Mit diesen Aussagen wird klar, was für einen Wert dieses Bildnis für den Künstler hatte – und was es wohl in ihm auslöste, als Ende der 80er Jahre bekannt wurde, dass es im Zuge der Renovierung des Heiliggeist-Spitals zu Beginn der 90er Jahre entfernt wird.

Stadt hatte sich juristisch abgesichert

Dazu Stadtarchivar Franz Grundner: „Die Stadt hat sich bei dem Rückbau rechtlich absichern lassen. Außerdem war ungewiss, ob man das Fresko erhalten kann, falls es abgenommen wird. Das war wohl bei den verwendeten Mineralfarben auf Zementputz nicht möglich.“

Die Stadt hat auch nicht nur zerstört, sondern bei den Umbaumaßnahmen an dem Gebäude in der Karmeliterstraße im Innern Fresken von Zwink und Wassermann wiederentdeckt und diese für 50 000 DM restauriert, gibt Grundner zu bedenken.

Für Kästl ist das Handeln der Stadt Schongau aber dennoch oft nicht nachzuvollziehen. Er möchte für dieses Thema sensibilisieren: „Lassen wir meinen Fall mal außen vor und nehmen als ein Beispiel die Cobi Reiser-Arbeiten. Wieso bemüht man sich als Stadt nicht und nimmt die Integration bestehender Kunst mit in die Ausschreibungen auf?“ Denn wenn alle so rigoros verfahren würden wie die Stadt, „gäbe es ja gar keine überlieferte Kunst aus vergangenen Epochen“, so Kästl.

Franziskus Reich

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