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Die Guppe „Treibhaus“, die lange Jahre Musikgeschichte geschrieben hat: (v.l.) Ali Häringer (Gesang), Wolfgang Pfettrisch (Percussion), Ossi Becke (Schlagzeug), Roger Häutle & Elmar Zaremba (Keyboard) und Robert Rückinger (Bass).

Band-Serie

„Eule“ als Kultstätte für viele Musiker

Schlager, Tanzmusik, Beat, Pop, Swing oder Rock‘n’Roll – alles, was aus den Radios, Jukeboxen oder Musikanlagen tönt, wird auch im Schongauer Land vor allem von der Jugend gerne gehört. Und natürlich von vielen Bands nachgespielt. Eine der bekanntesten Kultstätten für Livemusik ist die Musikkneipe Eulenspiegel.

Schongau – Wenn sich alte Musiker unterhalten, wird´s immer interessant. Die Haudegen der Beat- und Rockmusik haben viel erlebt, wenn sie durch die Lande gezogen sind. Manche Musiker spielen zur gleichen Zeit in verschiedenen Formationen. Oder helfen aus, wenn einer der Kollegen verhindert ist. Man kennt sich – und eine Kneipe, in der so manche Musikerkarriere gestartet wurde. Seit über 35 Jahren gibt es in Schongau den Eulenspiegel, der regelmäßig mit Livebands Gäste anlockt. Gut, in der Kneipe wurde schon in früheren Jahren das Tanzbein geschwungen, als es noch den Namen Café Haaf führte. Aber als „Eule“ wird der beliebte Treffpunkt zur wahren Pilgerstätte. Bis heute. Dank einer unermüdlichen Wirtin Inge Pfettrisch, die seit 1981 der Kneipe ihren Stempel aufdrückt.

Einer der Musiker, der gerne an die Zeit in der „Eule“ denkt, ist der Schongauer Ossi Becke. Seit 27 Jahren lebt er schon in den USA, aber bei Besuchen in der alten Heimat spricht er begeistert von der Zeit, als er im Schongauer Land mit seinem Schlagzeug unterwegs war. Vor wenigen Tagen kam Ossi zu einem Sprung über den Teich nach Schongau. Glasklar, dass er nicht drum herumkommt, sich mit seiner alten Gruppe „Treibhaus“ zu treffen und aus seinem schillernden Musikernähkästchen zu plaudern.

Die Paukenschläge von Ossi beginnen in der Jugendkapelle, wo er mit 13 Jahren die große Trommel schlagen darf. Für den großen Wunsch eines Schlagzeugs aus dem Neckermann-Katalog blättert sein Vater 850 Mark hin, damals eine Stange Geld. Es folgt die erste Band: „Without Name“ wird gegründet, mit Rudi Brennauer (Bass), Heiner Trischberger (Gitarre) und Wilfried Hammond (Gitarre). Ossi übernimmt auch den Gesang. „Nicht weil ich so gut singen konnte, sondern weil die anderen noch schlechter waren“, erinnert er sich. Kurz darauf kommen noch Horst Larisch, Helmut Lindauer (beide Trompete) und Walter Wölfle (Saxophon) dazu.

Zwei weitere Gruppen werden geboren. „Question“ und „Pencis Pie“ stürmen die Bühnen. Irgendwann schließen sie sich zusammen und werden ab 1977 „Treibhaus“. In der Besetzung von Ali Häringer (Gesang), Wolfgang Pfettrisch (Percussion), Roger Häntle, Elmar Zaremba (beide Keyboard) Robert Rückinger (Bass) und Ossi Becke am Schlagzeug soll jetzt alles wie in einem Treibhaus zum Blühen gebracht werden. Das schaffen die Jungs ohne Probleme unter anderem mit ihrem „Treibhaus Boogie“, der je nach Lust und Laune des Publikums auf bis zu 15 Minuten gedehnt werden kann.

Der Zulauf ist enorm 

Ossi erinnert sich an einen Auftritt 1979 in Burggen bei einer Beat-Party. Von der Gemeinde wurde ein Besucherlimit von 330 Personen genehmigt. „Bei genau 642 Gästen mussten wir die Bude zusperren, obwohl draußen noch eine Schlange mit Fans wartete.“

Neben der Gruppe „Treibhaus“ trommelt Ossi parallel bei „The Swingers“, bei der „Kinsauer Blasmusik“ und bei der Gruppe „Uhrwerk“, alles Bands mit verschiedenen Musikrichtungen. Später entsteht aus „Treibhaus“ und „Uhrwerk“ die „Karl-Krause-Kombo“. K-K-K. 1987 hängt Ossi die „Sticks“ an den Nagel. Erst fünf Jahre später fängt er in den USA mit „Red Letter Day“ wieder an und kommt mit „Toy Factory“ 1999 nach Tschechien und Bayern. Letzter Auftritt auf dieser Tour, wie könnte es anders sein, ist zu Ostern in der „Eule“.

Im Laufe der Jahre hat die Schongauer Szene aus einem großen Musikerbecken schöpfen können. Schlager- Tanz- und Beatfreunde der älteren Generation erinnern sich an „The Oldtimers“ mit der rassigen Sängerin Lilo Rix. Oder an die „Melodas“, bei denen Martin Triffo den Bass zupfte. Genau dieser Martin Triffo, der bei einem Flugzeugabsturz einer Do-27 in Altenstadt als einziger überlebt. Die „Kapelle Berchtold“ zieht über 20 Jahre lang musizierend durch die Lande. Autogrammkarten der Gruppen „The Dandler“ oder „The Incrowd“ sind heute absolute Raritäten. Ein Hansi Enzensperger (immer noch Top-Klarinettist) in Schlaghose, dominant hohem Pelzkragen und softig gelegter Haarpracht bringt damals den Puls der Mädels zur Explosion.

Rüschenhemd und schneeweiße Krawatte

Ebenfalls Seltenheitswert hat die Autogrammkarte von „The Rags“. Richard, Andy und Georg im Rüschchenhemd und schneeweißen Krawatten. Das Gesicht des schlanken Bassisten Georg in der Mitte ähnelt dem des heutigen Bürgermeisters von Apfeldorf Georg Epple. Die Sensation: Er ist es! Epple an der Bassgitarre, dazu schlank und rank – Wahnsinn. Weitere Gruppen sind in der Szene wie „Rock Selig Erben“, „Live Time“ und „The Igl’s“. Mit ihrem Frontman Klaus Kirstein werden sie zur Begleitband für Wolfgang Fiereck. Mit ihm spielen sie den Hit „Resi, i hol di mit meim Traktor ab“ ein. Und heute? Da stehen Jungs wie „Mary Lou“ auf der Bühne und locken wie dazumal die Fans an.

2008 wird ein 50er Musiker-Geburtstag in der „Eule“ groß gefeiert. So mit Häppchen, diversen Getränken und reichlich „unplugged“. Kollegen der Beat-Ära geben sich ein Stelldichein. Und peitschen sich gegenseitig mit alten Geschichten hoch. So stark, dass vier Musiker sich wieder zusammentun, um ihr Glück erneut in Gitarre, Bass und Schlagzeug zu suchen. Robert Rückinger (Bass), Gerhard Kladiva und Ingo Romeike (beide Gitarre) sowie Robert Michl (Schlagzeug) formieren sich neu. Sie werden „Checker & The Bunker Boys“. Der Name ist leicht zu erklären. Geprobt wird bei Landsberg tief unter der Erde in einem alten Bunker. Bis heute sind die Männer auf vielen Bühnen im Umkreis zu hören. Als erfolgreiches Trio. Nur Ingo hat das Team verlassen.

Gehören zusammen wie Pech und Schwefel: Rudi Spitzeder und seine legendären Gibson „Les Paul“ Gitarre.

Und da ist noch einer, um den man einfach nicht drumrumkommt. Rudi Spitzeder, der bunte Hund der legendären Fender „Stratocaster“ und Gibson „Les Paul“ Gitarren. Mit gerade mal neun Jahren beginnt Vollblutmusiker Rudi mit dem klassischen Gitarrenspiel. Sein erstes Bühnenstück ist, wie könnte es für einen Peitinger anders sein, eine Variation von „Glück auf, der Steiger kommt“. Mit zwölf Jahren kratzt Rudi Unmengen an Taschengeld zusammen und leistet sich für 120 Mark eine Höfner-Gitarre. Am alten Jugendheim in Peiting hört er andere Gruppen spielen. Rein darf er nicht, er ist ja erst zwölf Jahre alt. Aber gründet seine erste Band. Zwei Jahre später, gerade 14 geworden, der erste offizielle Auftritt. Mit Georg Eberle (Bass), Günter Weidle (Schlagzeug), Thomas Fischer (Saxophon) spielt Rudi in der Gruppe „Basket’s four“ und verdient exakt 20 Mark.

Georg Eberle beendet kurz später die Karriere der Gruppe. Mit seinem Auto überfährt er beim Zurückstoßen das Saxophon von Thomes. Sax kaputt, kein Geld, Auflösung. 1977 will es der Zufall, dass Rudi, Georg und Günter auf einem Parkplatz den Keyboarder Dr. Wolfgang Wagner kennenlernen. Bis 1980 tritt das Quartett als „The Rubis“ auf. Haben dabei die Sängerin Juliane Werding und Andy Borg begleitet. 1980 ruft der Dienst an der Waffe. Danach wandert Rudi von „Black five“ und „Igl’s“ über „Ready Freddy Go“ und „Fotonovela“ zu „Wiggerl & die Wolperdinger“.

1997 entsteht aus einer Urlaubslaune die Gruppe „Take off“. Elmar Zaremba, Manfred Egner, Peter Orawec und Rudi Spitzeder geben den Ton an. Später ersetzt Alex Müller den Schlagzeuger Orawec. Liveauftritte der Gruppe sind heute noch musikalische Leckerbissen. Zu so einem Schmankerl gehört auch das einmal im Jahr stattfindende „Waldi-Konzert“ im Eulenspiegel. Josef Walter und Tim von der Heyde haben es 2002 aus der Taufe gehoben – am ersten Jahrestag des Todes des legendären DJ Walter Nitsche. Die „All Star Band“, alles Profimusiker, kommt nur zu diesem Event zusammen und sorgt für ein unvergessliches Erlebnis. Michi Waibl (Schlagzeug), Elmar Zaremba (Keyboard), Thomas Hertl (Bass), Tim von der Heyde und Rudi Spitzeder (beide Gitarre) holen dann alles aus ihren Instrumenten heraus. Spätestens da wird jedem bewusst, dass Live in der „Eule“ eben was ganz Besonderes ist.

(Ende der Serie)

Hans-Helmut Herold

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