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Wenn die Feuerwehr ausrückt, handelt es sich gelegentlich auch mal um einen Fehlalarm.

Wenn Kameraden umsonst ausrücken

Fehlalarm kostet noch nichts

Schongau - Wenn Brandmeldeanlagen einen Alarm auslösen, müssen die Feuerwehren ausrücken – auch wenn es sich letztendlich nur um einen Fehlalarm handelt. Letzteres kommt mittlerweile immer öfter vor. Und deshalb gibt es im Oberland bereits Feuerwehren, die dem Verursacher des Fehlalarms eine Rechnung ausstellen.

„Es ist schon eine Belastung für unsere Feuerwehrleute, wenn sie nach einer Alarmierung fluchtartig ihren Arbeitsplatz verlassen und zum Einsatz ausrücken, um dann wenig später feststellen zu müssen, dass es sich um einen Fehlalarm handelt“, berichtet der Schongauer Feuerwehr-Kommandant Werner Berchtold.

Rund 20 Mal im Jahr rückt die Schongauer Wehr aus, weil eine Brandmeldeanlage angeschlagen hat, z.B. bei der Firma Hoerbiger, bei der es im vergangenen Jahr insgesamt fünf Fehlalarme gab.

Brandmeldeanlagen werden gewartet - mindestens einmal im Jahr

„Bei Hoerbiger sind alle Werke mit einer Brandmeldeanlage ausgerüstet. Wir haben insgesamt drei Werke in Schongau sowie jeweils ein Werk in Altenstadt und eines in Penzberg“, teilt Unternehmenssprecherin Petra Hunger auf Anfrage mit. Und sie fügt hinzu: „Bei der Wartung und Funktionskontrolle seiner Brandmeldeanlagen hält sich Hoerbiger an die gesetzlichen Vorgaben. Die Anlagen werden mehrmals im Jahr einer Funktionskontrolle unterzogen sowie mindestens einmal im Jahr professionell gewartet.“

In Ebersberg kostet ein Fehlalarm 500 Euro

Was würde Hoerbiger sagen, wenn Fehlalarme in Rechnung gestellt würden, wie z.B. in Ebersberg, wo die Stadt für das Ausrücken der Feuerwehr bei einem Fehlalarm dem Verursacher künftig 500 Euro verlangt? Dazu die Hoerbiger-Sprecherin: „Der Umgang mit den Kosten für die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren im Raum Schongau ist in den Satzungen der zuständigen Kommunen geregelt. Wenn in der Vergangenheit eine Rechnung gestellt wurde, ist diese selbstverständlich von Hoerbiger bezahlt worden.“

Auch bei der Kreissparkasse Schongau gab es vor kurzem einen Alarm, woraufhin die Feuerwehr mit Löschzug und Drehleiter zum vermeintlichen Brandort eilte. Da in dem Bankgebäude das akustische Brandwarnsignal kurzzeitig ausgeschaltet war, haben die Sparkassenmitarbeiter von der Alarmierung gar nichts mitbekommen. Sie waren somit regelrecht überrascht, als plötzlich die Wehrmänner auftauchten und nach einem Feuer Ausschau hielten.

Dampfstrahler löst Rauchmelder aus

Noch ein Beispiel für einen Fehlalarm: Im Familien- und Freizeitbad Plantsch in Schongau setzte das Reinigungspersonal an einem Samstagmorgen einen Dampfstrahler im Saunabereich ein – und löste damit die Rauchmeldeanlage aus. Wieder rückte die Feuerwehr an – natürlich umsonst. Und das ist im Plantsch schon einige Male passiert.

Einerseits sind die Feuerwehrleute froh, wenn kein Brandfall vorliegt, aber wenn sie öfters vergeblich ausrücken, dann spielt der eine oder andere Kamerad vielleicht mit dem Gedanken, ob er beim nächsten Alarm überhaupt noch in die Uniform springen soll, weil’s vermutlich wieder nur ein Fehlalarm ist.

So weit wie in Ebersberg (pro Fehleinsatz und beteiligter Feuerwehr 500 Euro) will man in Schongau allerdings (noch) nicht gehen. Denn FF-Kommandant Werner Berchtold geht davon aus, dass die Brandmeldeanlagen in den großen Betrieben in Schongau vorschriftsmäßig gewartet werden. Den einen oder anderen Fehlalarm müsse man in Kauf nehmen – nach dem Motto: Lieber einmal zuviel ausrücken als einmal zu wenig (mit möglicherweise fatalen Folgen).

In Peiting ist Fehlalarm selten

Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Peiting sind Fehlalarme eher selten. „Wir wurden im vergangen Jahr zu drei Kaminbränden gerufen“, berichtet Kommandant Rudolf Schropp. Es waren Fälle, wo viel Rauch aus dem Kamin aufstiegen ist, und da haben Passanten vorsichtshalber die Feuerwehr alarmiert.

Jeden Fehlalarm gleich in Rechnung zu stellen – so weit würde auch Kreisbrandinspektor Ludwig Fernsemmer nicht gehen. Da müsse man genau abwägen, denn inzwischen gebe es deutlich mehr Brandmeldeanlagen als früher (auch im privaten Bereich).

Wichtig: Wenn jemand für einen Feuerwehreinsatz zur Kasse gebeten werden soll, dann muss dies laut Fernsemmer in der Feuerwehr-Satzung festgelegt sein. Außerdem werde die Rechnung nicht von der Feuerwehr gestellt, sondern von der zuständigen Kommune.

Michael Gretschmann

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