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Fernwärme-Preis steigt in Schongau um 73 Prozent

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Von: Elke Robert

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Blick in die Fernwärmeversorgung bei der Schongauer Firma UPM.
Blick in die Fernwärmeversorgung bei der Schongauer Firma UPM. © Hans-Helmut Herold

Die nächste Fernwärme-Abrechnung wird für großes Entsetzen sorgen: Zum 1. Januar stieg der Verkaufspreis um 73 Prozent auf 70 Euro/MWh – der höchste Wert seit zehn Jahren. Zwar fahren die Kunden immer noch besser als mit Öl oder Gas, aber eine weitere Anpassung wird nicht ausgeschlossen.

Schongau – Die Post, die die Fernwärmekunden diesmal zum Jahreswechsel von der Stadt Schongau bekommen haben, hat vermutlich niemand gerne geöffnet: Per dringlicher Anordnung änderte Bürgermeister Falk Sluyterman zum 1. Januar das Preisblatt für die Versorgung mit Fernwärme. Darüber informierte der Schongauer Rathauschef diese Woche im Stadtrat. Die entsprechende Sitzung des Werkausschusses war im Dezember wegen Corona ausgefallen.

Die Erhöhung ist massiv: Der Netto-Verkaufspreis steigt von zuletzt 45 Euro/MWh auf 70 Euro/MWh. Nimmt man den durchschnittlichen Netto-Verkaufspreis von 2021, der 40,46 Euro/MWh betrug, liegt die Erhöhung bei 29,54 Euro/MWh, das sind 73 Prozent. Blickt man zurück auf die Entwicklung der Wärmeverkaufspreise der vergangenen Jahre, lagen diese seit 2014 permanent unter 60 Euro. Am günstigsten war der Fernwärmepreis zuletzt im vierten Quartal 2020 mit einem Nettopreis von 34 Euro/MWh.

Wärmeverlust der Leitungen ist enorm

Stellvertretender Stadtkämmerer Kurt Konrad erläuterte dem Gremium die Hintergründe. Nicht ganz unbedeutend sei der Wärmeverlust des Leitungssystems, der bei etwa 12 500 MWh liegt, erklärte er, wie sich der Wärmeverkaufspreis zusammensetzt. „Auch der muss im neuen Fernwärmepreis mit eingerechnet werden.“ Im Masterplan soll betrachtet werden, wo und wie eventuell am Leitungsnetz gearbeitet werden kann, um den Wärmeverlust der Leitungen zu reduzieren (siehe Kasten).

Und Konrad hatte noch eine weitere Hiobsbotschaft parat: Der Preis sei für das ganze Jahr durchkalkuliert, was aber nicht bedeute, dass er stabil ist. „Es können weitere Preisanhebungen erfolgen“, so Konrad. Bürgermeister Sluyterman bestätigte auf Nachfrage von Ilona Böse (SPD), dass den Preis der Werkausschuss festlegt, und zwar immer vierteljährlich. Eine nächste Anpassung ist dann also zum April möglich.

Stadt verteidigt die Preisanhebung

Schuld sind aber vor allem die hohen Heizöl- und Gaspreise. Konrad verteidigte die Preisanhebung und verdeutlichte, dass im Vergleich zu Preisen der fossilen Energieträger die Kunden der Schongauer Fernwärme noch relativ günstig davonkommen, die Erhöhung auch etwas zeitverzögert ankommt. Am Beispiel eines Einfamilienhauses mit 160 Quadratmetern Wohnfläche gerechnet, bezahle der Kunde mit einem Verbrauch von 2500 Litern Heizöl beim aktuellen Preis von 77 Cent pro Liter knapp 2300 Euro, für die Fernwärme bei vergleichsweise rund 20 MWh Verbrauch und den nun errechneten 70 Euro/MWh aber nur etwa 1680 Euro. Der Fernwärmekunde in Schongau spare in diesem Beispiel 611 Euro im Jahr oder knapp 27 Prozent, sei also immer noch im Vorteil.

Michael Eberle (CSU) wollte das nicht so stehen lassen, „73 Prozent sind eine massive Erhöhung, das müssen wir den Leuten gut erklären.“ Er gehe davon aus, dass die Firma UPM mit der Fernwärme „keinen großen Reibach macht, sondern diese zum Produktionspreis weitergibt“. Auch der Wärmeverlust des Leitungssystems sei enorm, betrage ein Fünftel des Wärmebezugs, der bei 64 600 MWh liegt. „Das macht mich traurig, das verschwindet einfach, und wir müssen es über den Preis mitverlangen“, so Eberle.

Mit zeitlicher Verzögerung steigt jeweils auch der Fernwärmepreis in Schongau im Vergleich zur Preisentwicklung bei Heizöl und Gas.
Mit zeitlicher Verzögerung steigt jeweils auch der Fernwärmepreis in Schongau im Vergleich zur Preisentwicklung bei Heizöl und Gas. © Diagramm: Stadt Schongau

Preisgestaltung ist vertraglich genau geregelt

Konrad erläuterte, dass die Preisgestaltung vertraglich genau festgeschrieben sei und sich die Berechnungsformel eben auch an den Preisen für die Energieträger Heizöl und Gas orientiere. Und um den Wärmeverlust auszugleichen, habe man im Wirtschaftsplan für das Jahr 2022 den Betrag für den Unterhalt verdoppelt (von 130 000 auf 260 000 Euro). „Die Mängel sind uns bewusst“, so Konrad.

„Da gibt es keine Willkürlichkeiten bei dem Thema“, betonte UWV-Stadtrat Winfried Schaur, Vorstandsmitglied bei UPM. Das Formelwerk sei Teil des Vertrages, das auf Indizes des Marktes beruhe. „Vor rund zehn Jahren ist das zuletzt angepasst worden“, blickte er zurück. Damals habe sich Paul Huber als Vizebürgermeister und als Mathematiker in das Thema hineingefuchst und die Formel als korrekt bestätigt. „Die Abrechnung ist transparent und direkt an den Markt gekoppelt.“

Energiepreise könnten noch weiter steigen

Stefan Konrad (SPD) befürchtete, dass es in Sachen Energiepreise „in nächster Zeit nur eine Richtung geben wird, und die wird nach oben gehen“. Friedrich Zeller (SPD) bestätigte die Kalkulation der Stadtwerke, „viel politischen Spielraum hat man da nicht“. Zwar müsse am Fernwärmenetz vieles neu gemacht werden, aber in der Rechnung seien auch einige Posten nicht enthalten, was bei anderen Heizungsarten zusätzlich anfalle, wie etwa der Kaminkehrer. „Also ein Hoch auf die Fernwärme“, resümierte Sluyterman.

Und das sagt der Technische Leiter der Stadtwerke

Auf SN-Nachfrage bei Florian Hiemer, Technischer Leiter der Stadtwerke Schongau, erklärt dieser, dass die Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisen bei allen Fernwärmenetzbetreibern in den Vertragsklauseln mit festgehalten sei. „Das ist auch mit dem Kommunalen Prüfungsverband so abgestimmt.“ An diese Richtlinien sei man gebunden, um am Markt keine Wettbewerbsverzerrung hervorzurufen. Und natürlich gebe es bei UPM eine ganze Abteilung, die sich nur mit Fernwärme beschäftige – dieser Aufwand müsse entschädigt werden.

Ein Zwischenstand des Masterplans sei im Stadtrat bereits nicht-öffentlich vorgestellt worden, es fehlten aber noch Untersuchungen. Aufgezeigt werden soll, wie leistungsfähig das Netz ist, wo technisch nachgerüstet werden muss und worauf Verluste zurückzuführen seien. Der nächste Werkausschuss ist für Dienstag, 8. Februar, angesetzt. Dann sollen auch die geplanten Unterhaltsmaßnahmen vorgestellt werden.

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