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Ein Helferteam aus Freunden und Familie, das anpackt und zusammenhält. Und mittendrin Raphael mit seinem neuen Freund, dem Husky-Stofftier.

Flohmarkt von Freunden und Bekannten

Große Hilfsbereitschaft für Raphael

Schongau - Einige Freunde organisierten für den zweijährigen Raphael einen Flohmarkt, um so weiteres Geld für seine Behandlung zu sammeln.

Bei Karin Prüß geht alles ganz schnell. Sie hat an einem der Flohmarkttische einen Strohhut entdeckt. Blaue Farbe, ausgefallene Form, mit Steinapplikationen dezent verziert. Der passt zu Karin, der muss es sein. Gesehen, gefallen, zugeschnappt. Ehemann Hartmut verfolgt das Ganze mit nordischer Kühle. Sein Kopfnicken ist der einzig sichtbare Gefühlsausbruch. Einverstanden. Das Ehepaar aus Heiligenhafen macht zum 17. Mal in Wildsteig Urlaub. Die SN-Heimatzeitung ist dort beim Frühstück Pflichtlektüre. Ein Hinweis am Schwarzen Brett hat die beiden nach Schongau gelockt. Karin trägt jetzt Hut, wir ziehen ihn vor ihr.

Natürlich auch „Hut ab“ vor den vielen Freunden, die den Flohmarkt auf dem Parkplatz am Volksfestplatz organisiert haben. Seit Wochen ist die Truppe aktiv, um für diesen Tag zu sammeln. Holger und Micha aus Schwabniederhofen ließen ihre Buschtrommel über Facebook ertönen. Antworten kommen zuhauf. Jetzt heißt’s in die Hände spucken. Anhänger ankuppeln, Dörfer und Städte abklappern, wo Ware bereit steht. Von Weilheim bis Oberammergau grasen die beiden die Anbieter ab. Alle wollen helfen, alle wollen zur Behandlung für Raphael beitragen.

Am Nebenstand ist Hilde aus Söcking, eine Freundin der Urgroßeltern von Raphael. Über 20 Kuchen hat sie in den letzten Tagen und Nächten gebacken. Wahre Zungenschnalzer warten auf die Gäste. Käsetörtchen mit Pfirsich, Zucchinikuchen mit Nüssen, Apfelkuchen mit Mandeln. Michaela und Brani opfern sich gerne, wollen etwas Gutes tun. Zwei Stück Kuchen, danach noch zwei Paar Wiener zum Neutralisieren. Als kleines Frühstück ganz nebenbei. Über Facebook aktivierten auch die Urgroßeltern von Raphael, Martin und Anita ihre Freunde und Bekannten im Raum Starnberg. Das Echo ist enorm. Tagelang haben die beiden alle Hände voll zu tun, um im Kofferraum ihres Autos die gespendeten Dinge in ihr „Depot“ zu bringen. Das heißt, Chaos im Wohnzimmer.

Raphael: Weniger Sorgen dank vieler Spenden

Gitti, eine gute Freundin, hilft dabei. Sie hat über ihren Stammtisch „Lustiger Freundeskreis“ eine weitere Lawine zum Rollen gebracht. Das Ergebnis präsentiert sie auf ihrem Tisch. Vom Fondue-Set bis zum Dampfbügeleisen, vom Samowar bis zur Spätzlereibe, die Trödel-Gitti lässt bitten. Dazu Stofftiere bis zum Abwinken. Eines dieser Tiere hat sich gleich Raphael geschnappt. Zielsicher. Ein Stoff-Husky ist jetzt sein Liebling. Den gibt er nicht mehr aus der Hand, auch nicht seiner Oma Gabi aus Kinsau, die an diesem Tag als Kindsmagd eingeteilt ist. Die wird von Raphael auf Trab gehalten. Immer in Richtung Stromaggregat, das so schön rattert. Das weckt Neugierde bei „unserm Lausbua“.

Neugierde wecken auch die liebevoll handgetöpferten Gartenkugeln von Urgroßtante Hanni aus Ferchach. Jede ein Unikat. Als weit vorausschauend entpuppt sich Angelika Zimmermann aus Burggen. Sie ist an diesem Tag die erste Kundin, die zuschlägt. Ein Nussknacker hat es ihr angetan. Ein so richtig altes Stück aus Holz, in strammer Paradeuniform. „Das nächste Weihnachten kommt bestimmt, da kann man es super als Deko benutzen“, schwärmt Angelika. „Und für diesen Zweck gibt man doch gerne“, setzt sie nach.

Das denkt sich daneben auch Agnes Grancher aus Hohentingen bei Schaffhausen. Sie hat auf dem Wohnmobilparkplatz Lunte gerochen. „Als Oma von zwei Mädchen findet man immer was“, ist ihre Devise. Es bewahrheitet sich. Pferd, Buch, Spiegel, Döschen – alles von Prinzessin Lillifee. Oma Agnes freut sich, das Sparschwein, das sie füttert, noch mehr. Alles Spenden, jeder Käufer kann den Preis selbst bestimmen.

Etwas abseits stehen Raphaels Eltern Sabrina und Christian Langhans. Sie sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft und dem Engagement ihrer Freunde. Reden können sie nicht viel, aber ihre Augen und Gesten sprechen Bände.

hh

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