Hakenkreuze an Bäume geschmiert

Schongau - Rechtsradikale Schmierereien gibt es immer wieder im Schongauer Land. Doch jetzt wurden Bäume im Forchet-Wald mit Hakenkreuzen verunziert.

Das haben auch die Ermittler noch nicht erlebt. Schongaus Stadtförster Klaus Thien will die Bäume aber nicht fällen.

Auf dem beliebten Wanderweg im Schongauer Forchet springen die verunstalteten Bäume dem Spaziergänger förmlich ins Auge: Zum Teil übermannshoch wurden fünf Fichten rechts und links des Weges unter anderem mit Hakenkreuzen und „SS“ sowie „HH“ Schmierereien versehen, auch die Polizei-Beschimpfung „ACAB“ ist zu finden. Entdeckt hatte die Tat am Montagmorgen ein Mitarbeiter des Stadtforsts, er alarmierte sogleich Stadtförster Klaus Thien. Der hat derzeit eigentlich gar keine Zeit für derartigen Unfug, ist nämlich rund um die Uhr mit den Aufräumungsarbeiten von Orkan Niklas beschäftigt und dementsprechend sauer: „Hakenkreuz-Schmierereien sind kein Spaß, das ist ein anderes Kaliber. Und auf Bäumen habe ich so etwas noch nie erlebt.“ Auch seien es keine Kinder gewesen, dafür sind die Verunzierungen zu hoch an den Bäumen.

Das bestätigt ein Sprecher der Schongauer Polizei. „Das muss ein größerer Mann gewesen sein, oder er wurde hochgehoben.“ Der Ermittler hat Gäste der Bootshaus-Party vom Samstagabend im Verdacht, „von dort führt ein Feldweg in den Wald direkt an die Stelle zu den Bäumen“. Auch der Zeitpunkt würde passen. Denn am frühen Samstagabend hatte ein Forst-Mitarbeiter wenige Meter entfernt einen Schlepper abgestellt, da war noch alles in Ordnung. Der oder die Unbekannten holten sich dann nachts aus dem offenbar unversperrten Gefährt eine Sprühdose mit roter Farbe, mit der normalerweise Bäume markiert werden, die gefällt werden sollen.

Hakenkreuz-Schmierereien an Mauern kommen immer wieder vor, im Wald so gut wie nie. Das bestätigt auch ein Mitarbeiter der Kripo Weilheim. Im gesamten Jahr 2013 habe es im Dienstbereich, der die Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen umfasst, 35 derartige Taten mit rechtspolitischem Hintergrund gegeben, vergangenes Jahr waren es 43. „Da fallen neben solchen Schmierereien auch Heil-Hitler-Grüße darunter oder Äußerungen auf Facebook.“ Während letztere Täter vergleichsweise einfach zu fassen sind, schaut es bei solchen Schmierereien eher schlecht aus. „Es sei denn, die Verursacher prahlen damit, aber das passiert eher selten“, so der Kripo-Sprecher.

Bleibt die Frage, was mit den verunstalteten Bäumen passieren wird. So stehenbleiben können sie nicht, das weiß auch Thien. „Aber es sind 80 bis 90 Jahre alte Fichten, die sollen eigentlich noch nicht gefällt werden.“ Er will versuchen, die Farbe möglichst abzukratzen und anschließend mit brauner Farbe drüberzupinseln.

(bo)

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