Belästigte Frauen 

Ohne Anzeigen ist Polizei machtlos 

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Schongau - Warum liegen im Zusammenhang mit dem Historischen Markt in Schongau und dem Ausarten einiger betrunkener Asylbewerber keine Anzeigen bei der Polizei vor? Meist schämen sich betroffene Frauen. Zudem sind der Polizei oft die Hände gebunden.

In Kleingruppen stellen betrunkene Asylbewerber Frauen auf dem Historischen Markt in Schongau nach. Greift der Sicherheitsdienst ein, suchen die Tatverdächtigen schnell das Weite – um an anderer Stelle andere Frauen zu bedrängen. So soll es sich abgespielt haben am Historischen Markt in Schongau, erklärt Security-Chef Stefan Junitsch (wir berichteten). Warum allerdings liegen der Polizei keine Anzeigen vor – auch nicht für den Fall, wo Asylbewerber eine junge Frau hinter einen Stand gezerrt haben sollen?

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die betroffenen Frauen oft genauso schnell weg waren wie diejenigen, die Ärger gemacht haben“, schildert Junitsch ein Problem, das so nicht neu ist: Oft schämen sich die betroffenen Frauen. Es folgt das große Schweigen. So, als wäre nichts geschehen.

Was denken sich die Frauen?

Ist es auch nicht. Zumindest offiziell. „Im Zusammenhang mit dem Historischen Markt in Schongau wurde bei uns nicht eine Anzeige erstattet“, erklärt Schongaus Vize-Polizeichef Manfred Maier gestern auf Anfrage der Schongauer Nachrichten. „Ich weiß nicht, was im Kopf von Frauen vorgeht. Aber: Wenn sie bedrängt oder verfolgt werden, dann gibt es nur eines: Sofort die Polizei rufen“, betont Maier.

Das Problem der Schongauer Polizei: „Wie sollen wir solchen Leuten Einhalt gebieten, wenn wir nichts erfahren?“ Generell gilt: Bei Vorfällen wie auf dem Historischen Markt werden Betroffene aufgerufen, sich umgehend mit der Polizei in Verbindung zu setzen. „Am nächsten Tag ist es zu spät“, sagt Maier. Wenn die Tat keinem Verdächtigen mehr zuzuordnen ist, bleibt der Polizei nur noch die Option, gegen Unbekannt zu ermitteln. Ermittlungen, die erfahrungsgemäß meist ins Leere laufen. Wird die Polizei hingegen sofort alarmiert, „fährt sofort eine Streife hin“, verspricht Manfred Maier.

Er macht die Unterschiede deutlich: Wird man beim Bedrängen berührt, „spricht man von einer Belästigung auf sexueller Grundlage“. Eine Strafanzeige kann aufgenommen werden. Die Sache wird an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. „Was dann passiert, liegt nicht mehr in unseren Händen.“ Anders verhält es sich, wenn Frauen „nur“ in Form einer Verfolgung durch Kleingruppen bedrängt werden. „Solange nichts vorgefallen ist, sind uns die Hände gebunden“, räumt der Polizei-Vize ein. Sprich: Werden mutmaßliche Täter nicht handgreiflich, gibt es rechtlich keine Grundlage für ein Eingreifen. „Dann können wir solchen Männern aber trotzdem erklären, wie man sich Frauen gegenüber verhält, wenn man in Deutschland ist.“

Anzeige am nächsten Tag ist zu spät

Keine leeren Floskeln, darf man Maiers Schilderungen glauben. So sei er schon mal mit einem Übersetzer in eine Asylbewerberunterkunft gefahren, um einen Bewohner zu belehren, der sich im Vorfeld auffällig verhalten hatte. Maier appelliert an Frauen, die sich unterwegs in ihrer Sicherheit bedroht fühlen: „Sie sollen bei uns lieber zu früh als zu spät anrufen!“

Rubriklistenbild: © dpa

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