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Die Weihnachtskrippe von Bernd Stemmler, die er in über 400 Arbeitsstunden trotz seiner Parkinson-Erkrankung aus Streichhölzern gebaut hat. Am Heiligen Abend darf Urenkel Ben mit seinen Eltern Peer und Sonja die Innenbeleuchtung einschalten.

Bernd Stemmler aus Schongau

Krippe aus abgebrannten Streichhölzern

Schongau – Die Faszination Streichhölzer lässt Bernd Stemmler nicht los. Nach einem Modell der Wieskirche vor vier Jahren hat der Schongauer jetzt eine Weihnachtskrippe gefertigt. Bauzeit: Ein ganzes Jahr.

Die kleinen Zündhölzer sind für Bernd Stemmler geradezu Medizin. Denn mit jedem Hölzchen, das der Rentner in eines seiner Bauwerke setzt, schluckt er ein klein bisschen Ruhe. Ruhe, mit der er seinen Arm unter Kontrolle bringt. Der 74-Jährige hat Parkinson. Bernd Stemmler geht ganz offen damit um. Vor allem gibt sich nicht geschlagen. Er ist ein Kämpfer, Tag für Tag aufs Neue. Als ob er mit seiner hölzernen Leidenschaft die Krankheit austricksen wolle. Die Krankheit, die Unruhe in seine rechte Hand bringt.

Unruhe oder fahrige Bewegungen kann Stemmler bei seiner Arbeit überhaupt nicht brauchen. Irgendwie scheint diese Hölzchenbauerei wie eine List zu sein, mit der er seinen Körper zur Ruhe bringt. Denn wenn Stemmler ein Stück Streichholz mit der Pinzette an den vorgesehenen Platz setzt, ist vom Zittern im Arm nichts zu erkennen.

Therapie begann mit Windmühlen

Stemmler hat sich in der Vergangenheit an einige Bauwerke in Miniatur herangewagt. Mit Windmühlen begann die Therapie. Erst kleine Ausfertigungen, dann immer eine Stufe größer. Wochenlang wurden Hölzchen verbaut, eine Windmühle nach der anderen geschaffen. Dann folgte ein Baustopp durch Ehefrau Steffi. Zu viel des Guten in der kleinen Wohnung. Sie ermunterte ihn, sich an die Wieskirche heranzuwagen. Der ehemalige Wiespfarrer Georg Kirchmeir zeigt sich nach der Fertigstellung begeistert, Wiespfarrer Monsignore Gottlieb Fellner lädt das Ehepaar samt Modell in die Wies ein.

Vor zwei Jahren müssen die Stemmlers eine weitere Erfahrung machen. Eine Erfahrung, die ein anderes Paar vor gut 2000 Jahren machen musste. Das Paar damals war auf Herbergssuche. So erging es auch dem Ehepaar Stemmler, dem die Wohnung gekündigt wurde. Nach vielen Enttäuschungen dann ein Lichtblick. Fast wie der Stern die Könige zum Stall führte, wurden die Stemmlers in ihr neues Zuhause geführt. Dort fühlen sie sich wohl, haben die unschönen Erinnerungen abgehakt.

Durch diese Erfahrung kam Bernd Stemmler die Idee, eine Weihnachtskrippe zu bauen. Immer in Gedanken an die Herbergsuche. Vielleicht auch ein Dankeschön an die Fügung, sich jetzt so wohl zu fühlen. „Er hat ganz spontan angefangen, wieder seine Streichhölzer zu präparieren“, erzählt Ehefrau Steffi. Das heißt, dass Bernd nach dem Abbrennen der Streichholzköpfe Stücke in verschiedenen Längen schneidet. Diese wiederum werden in einer Art Setzkasten sortiert. So kann er sofort immer das Stück mit der richtigen Länge an die dafür vorgesehene Stelle platzieren, ohne dass vorher der Leim festtrocknet.

3000 Zündhölzer hat Bernd Stemmler in seiner Krippe verbaut 

Zirka 3000 Zündhölzer wurden von Bernd in und an seiner Krippe verbaut. Dann kamen noch jede Menge Schaschlikspieße dazu und auch Kaminzündhölzer. Das sind die ganz langen, die als Querbalken herhalten mussten. Allein im Stern über dem Stall sind beidseitig 60 Hölzchen verklebt.

Lange hat Bernd mit seiner Steffi im Vorfeld diskutiert, in welchem Stil der Stall gebaut werden soll. Es gibt ja jede Menge Variationen. Von zuweilen überladenen alpenländischen Bauerhauskrippe bis hin zum einfachen Stall aus wenigen Brettern. Da hatte Steffi die Idee: „Mach doch zwei in einer.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der linke große langgezogene Teil ist historisch alt, der rechte kleinere Teil modern gestaltet. Da findet jeder ein passendes Plätzchen.

Bernd will nichts dem Zufall überlassen. Er packt die fertige Krippe in den Kofferraum seines Autos und transportiert sie nach Hohenfurch zum Krippengeschäft Dürr. Dort, wo es hunderte von verschiedenen Figuren in allen Größen und Macharten gibt, will er die passenden Figuren erwerben. „Der Maßstab muss stimmen, sonst sieht das Ganze ja furchtbar aus“, erklärt Bernd. Bei Krippen-Dürr findet Familie Stemmler nicht nur die passende Heilige Familie, sondern auch viel Bewunderung. Viele Weihnachtskrippen aus aller Welt wurden dort schon ausgestellt, aber ein Exemplar aus Tausenden von Streichhölzern hat man selbst hier noch nicht gesehen. „Es ist für mich unfassbar, wie einmalig schön er diese Krippe gebaut hat“, gesteht Alexander Dürr. Gibt es ein schöneres Kompliment für Bernd Stemmler? Frohe Weihnachten!

Hans-Helmut Herold

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