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Vor dem restaurierten Gedenkkreuz steht Hans Hartung mit seinen beiden Enkelkindern an den Händen in stiller Erinnerung an seinen schrecklichen Sprungunfall vom 17. März des Jahres 1992.

Am Hohen Graben in Schongau

Kruzifix von Hans Hartung erinnert an Fallschirmabsturz

Das Holzkruzifix am Hohen Graben in Schongau wurde frisch renoviert. Hans Hartung ließ es aufstellen - nach seinem Absturz als Ausbilder für Freifall Springer.

Schongau – Dem aufmerksamen Spaziergänger ist es ganz bestimmt schon aufgefallen, dass das große Holzkruzifix am Hohen Graben oberhalb der Siechenhalde in Schongau wieder an Ort und Stelle steht. Frisch restauriert lädt es dazu ein, auf der Bank daneben einen kurzen Moment inne zu halten. Doch wer hat das Kreuz vor mehreren Jahren eigentlich dort aufgestellt? Diese Frage stellen sich viele Spaziergänger, die daran vorbeikommen.

Es ist der 17. März des Jahres 1992. Ein normaler Wochentag im Leben des Schongauers Hans Hartung. Hartung ist zu dieser Zeit als Hauptmann an der damaligen Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt und dort für die Ausbildung der Freifall Springer zuständig. Also die Soldaten, die aus großer Höhe abspringen und nach einer Zeit im freien Fall ihren Schirm selbst öffnen.

Fatale Kollision der Fallschirmspringer

Zum Abschluss eines Lehrgangs sollte eine Außenlandung im Bereich Hohenfurch vorgenommen werden. Alles verlief planmäßig. Hartung sprang als erster Springer ab und wollte mit seinem bunten Fallschirm den Landepunkt für die anderen Springer markieren. Durch ein Missverständnis eines weiteren Springers, der sofort hinter Hartung abgesprungen ist, kam es beim Öffnungsvorgang zu einer fatalen Kollision. Der Lehrgangsteilnehmer sprang durch die sich öffnende Fallschirmkappe von Hartung.

„Dem jungen Soldaten passierte nichts, sein Schirm öffnete sich problemlos“, erinnert sich Hartung zurück. Nur bei ihm selbst war in der zerrissenen Kappe im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los. Die Kappe war in zwei ungleiche Teile zerfetzt, die Leinen hatten sich um seine Beine gewickelt, und sein Körper hing mit dem Kopf nach unten. So rauschte Hartung der Erde entgegen – ungebremst.

Hartung öffnet den Reserveschirm

Ein Sanitäter vom Bodenpersonal zückte noch geistesgegenwärtig die Kamera. Ihm gelang ein Dokument, das beim Anblick im Nachhinein nur mit ungläubigen Kopfschütteln quittiert werden kann. In dieser Lage ist ein Überleben nicht mehr möglich. Hartung schossen Gedanken wie Pfeile durch den Kopf. „Öffnest Du die Reserve, verwickelt sich alles noch mehr. Öffnest Du sie nicht, dann war’s das.“

Hartung öffnete den Reserveschirm. Es kam, wie er es befürchtet hatte. Der Verpackungssack verwickelte sich mit den Fangleinen des Hauptschirms. In einer Gewaltaktion konnte Hartung im letzten Moment mit den Händen den Hilfsschirm vom Reserveschirm herausreißen, dann war es schwarze Nacht um ihn.

Der Einschlag hatte ihm die Besinnung geraubt

Der Einschlag hatte ihm die Besinnung geraubt. Nachdem Hartung wieder zu sich kam, knieten Sanitäter und Notarzt bei ihm, um ihn zu versorgen. Danach begann ein längerer Leidens- und Behandlungsweg von Klinik zu Klinik. Doch Hartung schaffte es nach langen Monaten, wieder seine (fast) alte Form zu erreichen. „Ich weiß, da hat einer seine schützende Hand über mich gehalten“, sagte der „alte springerische Haudegen“.

Deshalb war es ihm wichtig, sich mit einem besonderen Geschenk zu bedanken. Er schuf in vielen Arbeitsstunden aus Dankbarkeit dieses besondere Kruzifix. 2008 war dann das besondere Jahr, in dem der damalige Stadtpfarrer Bernhard Moser das Kreuz am Hohen Graben segnete. Übrigens an dem Platz, an dem nach alten Aufzeichnungen schon im Jahr 1750 ein Kruzifix stand.

HANS-HELMUT HEROLD

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