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Ein Parkticket muss künftig an mehr Stellen in Schongaus Altstadt gezogen werden – auch wenn es oft nichts kostet.

Große Mehrheit im Stadtrat

Schongau macht's wirklich: Eine Stunde kostenlos parken in der ganzen Altstadt

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Schongau - In der kompletten Schongauer Altstadt kann bald eine Stunde kostenlos geparkt werden. Das hat der Stadtrat beschlossen. Außerdem wird es nur zwei Zonen geben: eine mit Höchstparkdauer eine Stunde, eine mit unbegrenzter Zeit gegen Gebühr.

Übersichtlich, Punkt für Punkt hatte Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt die wichtigen Punkte vorgelegt, über die die Stadträte abstimmen sollten. „Wir brauchen Grundsatzentscheidungen, sonst kommen wir nicht weiter“, sagte sie. Welche Straße zu welcher Zone gehören soll, wo Anwohner parken dürfen und wo nicht, und wie hoch die Parkgebühren ausfallen, soll demnach erst im weiteren Verlauf vor der geplanten Einführung im Herbst entschieden werden.

Eine Stunde kostenlos parken

-Erster und wichtigster Punkt war natürlich die viel geforderte Parole „Eine Stunde kostenlos parken in der ganzen Altstadt“. „Ich finde das sehr überzeugend, das ist eine Attraktivierung für Kunden von außerhalb“, sagte Voigt. Natürlich verzichte man damit auf einen großen Teil der Parkgebühren, die im Vergleich zum vergangenen Jahr – wenn ansonsten alles unverändert bleiben würde – von rund 140 000 auf 30 000 Euro sinken würden. „Es ist gut, dass man auf die Einnahmesituation hinweist“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD). „Aber damit können wir ein Konjunkturpaket für die Altstadt schnüren.“ Wenn man damit werben könne, überall in der Altstadt sein Auto eine Stunde ohne Gebühr abstellen zu können, „sind wir damit vermutlich die einzigen in Bayern, vielleicht sogar in Deutschland“, schwärmte Sluyterman.

Nina Konstantin und Siegfried Müller (ALS) dagegen sagten, ihnen reichen 30 Minuten völlig aus. Auch Robert Stöhr (CSU) fragte sich: „Muss das sein? Auch mit Blick auf die Kosten?“ Mit 30 Minuten Frei-Parken würde man nicht so viele Einnahmen verlieren. Doch sein Fraktionschef Michael Eberle will die große Lösung wagen. „Das wäre ein mutiger Schritt. Damit ist den Kunden wirklich geholfen.“ Und sollte es zu große Schwierigkeiten geben, könne man problemlos nachsteuern. Voigt erinnerte daran, dass man bei längerem Parken über die Gebühren einiges wieder reinholen könne.

Auch Barbara Karg (SPD) war für die Stunde („Da gehe ich noch in den nächsten Laden, sonst fahre ich woanders hin“), Kornelia Funke (CSU) dachte an die älteren Mitbürger, die nicht mehr so schnell sind, und Stefan Konrad (SPD) sah den „wichtigen Impuls für die Geschäfte“ – mit 18:4 Stimmen ging dieser wichtigste Punkt durch.

Künftig keine Parkscheiben mehr

-Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung war relativ unstrittig. Es bedeutet, dass es keine Parkscheibe mehr geben wird, die in den Nebenstraßen gerne weitergedreht wurde, sondern zehn bis zwölf zusätzliche Automaten aufgestellt werden. Den Vorschlag von Roland Heger (UWV), auch mit Geldkarte bezahlen zu können, konterte Voigt mit den schlechten Erfahrungen: „Die Schlitze werden oft verstopft, das ist sehr wartungsintensiv.“ Der Beschluss fiel einstimmig.

-Große Hoffnung setzt Voigt auf das Handy-Parken, das ebenfalls einstimmig durchging. So könnten Kunden, deren Parkzeit abläuft, beispielsweise bequem im Café sitzend ihr Ticket verlängern. Grundsätzlich müssen auch alle, die weniger als eine Stunde parken, künftig ein Ticket haben. „Das ist zumutbar, wenn es kostenlos ist“, sagte Sluyterman. Es wird also künftig Automaten geben, die nur einen Beleg ausspucken, aber kein Geld brauchen, weil sie in einer Ein-Stunden-Höchstparkzone stehen.

Nur eine Zone ist nicht praktikabel

-Das leitet zum nächsten Punkt über, dem Zwei-Zonen-Konzept. Ursprünglich hatte Voigt noch eine dritte Zone vorgesehen, die nachts für Anwohner reserviert ist, „doch das wollten die Anwohner nicht“. Deshalb schlug sie vor: Eine Zone, in der maximal eine Stunde (kostenlos) geparkt werden darf, und eine zweite, in der entweder unbegrenzt oder auf drei Stunden befristet gestanden werden darf. Dort würde nach der freien ersten Stunde eine Gebühr fällig. „Nur eine Zone ist nicht praktikabel“, warnte sie – wohl wissend, dass diese Vorschläge kommen würden.

Eberle war der erste, doch eher zaghaft, und Voigt konfrontierte ihn gleich mit der entscheidenden Frage: „Wie lange darf man dort stehen?“ Denn es ist gerade das erklärte Ziel, in besonders frequentierten Bereichen für viel Umschlag bei den Parkplätzen zu sorgen.

Auch Stöhr wagte einen Vorstoß zu nur einer Zone („Da muss der Autofahrer nicht überlegen, wo er ist“), doch auch Sluyterman stellte klar: „Wenn jemand zehn Euro zahlt, um den ganzen Tag vor dem Boneberger parken zu dürfen, ist das für Herrn Boneberger eine Katastrophe.“ Das Zwei-Zonen-Konzept ging letztlich einstimmig durch. Die Frage, ob in der zweiten Zone unbegrenzt oder höchstens drei Stunden geparkt werden darf, wurde mit 16:6 fürs unbegrenzte Parken deutlich beantwortet.

Anwohner dürften tagsüber weiter in die Tiefgarage

-Heikel wurde es, als es um die Anwohnerparkausweise ging. Denn mit dem Zwei-Zonen-Konzept wäre es theoretisch möglich, dass Anwohner tagsüber zwischen 9 und 18 Uhr überall parken. Deshalb soll es gewisse Zonen geben, in denen das ausgeschlossen ist – auch darüber wird noch diskutiert werden. Voigt schlug sogar vor, die Zeit von 9 auf 8 Uhr vorzuverlegen, doch das war Bürgermeister und Stadträten zu viel des Guten. Auch der Beschluss ging einstimmig durch.

- Die einzige Niederlage musste Voigt bei der Tiefgarage hinnehmen, die tagsüber ebenfalls für Anwohner tabu sein sollte. „Die Tiefgarage ist sehr kostenintensiv“, begründete Voigt ihren Vorstoß. Deshalb sei es kontraproduktiv, wenn dort nur kostenlos parkende Anwohner ihr Auto abstellen. „Gegen Gebühr kann man es ja möglich machen“, schlug sie vor. Nachts sei sie nach wie vor frei, betonte Sluyterman. „Wir brauchen die Tiefgarage für die Kunden.“ Doch das Vorhaben stieß auf Widerstand. „Wenn die Anwohner wieder oben parken, gehen sie dort im Weg um. Da lasse ich sie lieber in der Tiefgarage“, sagte Paul Huber (CSU). Sein Parteikollege Dr. Oliver Kellermann habe auch oft gehört, dass Frauen mit Kindern ungern in die Tiefgarage fahren. Letztlich wurde dieses Ansinnen mit 14:8 Stimmen abgelehnt.

Dafür wurde einstimmig ohne Diskussion gebilligt, die verbliebenen sechs Parkplätze auf dem Marienplatz vor der Alten Post für Anwohner zu verbieten.

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