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Marihuana und ein Autoschlüssel: Zwei Dinge, die nicht zusammenpassen.

Fälle häufen sich

Mit Drogen am Steuer

Schongau – In den vergangenen Wochen häuften sich die Meldungen über Fahrten unter Drogeneinfluss. Dabei müssen die Übeltäter erst einmal erwischt werden. Polizeioberkommissar Johannes Schmid erklärt, wie die Beamten vorgehen – und was die Konsequenzen sind.

25 Fälle von Autofahrern unter Drogeneinfluss gab es dieses Jahr bisher, sagt Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg. Doch allein seit Oktober waren es zehn – und dabei seien die Zahlen des Murnauer Einsatzzuges, der ebenfalls im Gebiet der hiesigen Polizeiinspektion kontrolliert gar nicht mitgezählt, so Kieweg.

Johannes Schmid, Rauschgiftsachbearbeiter der Ermittlungsgruppe, kann die Zahlen noch nicht großartig mit den Vorjahren oder anderen Polizeiinspektionen vergleichen, denn der 51-Jährige ist erst seit September in Schongau. Doch es sind geschätzt doppelt so viele Fälle wie in den Vorjahren. Hängt die Steigerungsrate bei den ertappten Autofahrern seit Oktober mit Schmid zusammen? Der winkt ab: „Hier gibt es viele jüngere Kollegen, die im Vergleich zu den älteren von vornherein stärker für die gesamte Thematik sensibilisiert wurden“, so seine Einschätzung.

Johannes Schmid ist Rauschgiftsachbearbeiter bei der Schongauer Polizei

Die Verkehrskontrollen erfolgen immer aus dem fließenden Verkehr heraus, planen kann man da nichts, beschreibt Schmid. Die Übung spielt eine wichtige Rolle: „Über die Jahre entwickelt man einen Blick für solche Dinge. Zum Beispiel: Passt der Fahrer zum Auto?“ Da sei die Intuition des Beamten nicht zu unterschätzen. Oder ist die Fahrweise auffällig, telefoniert er während der Fahrt?

Kommt es zu einer Verkehrskontrolle, sprechen die Polizisten die Fahrer explizit auf einen möglichen Drogen- oder Alkoholkonsum an. „Dabei achten wir auf Anzeichen wie eine verlangsamte Reaktion, wie sie unter anderem Marihuana und Haschisch hervorrufen können, oder eine auffallende Unruhe, die beispielsweise Amphetamine, Speed oder Kokain auslösen können.“ Aber auch über den Geruchssinn kann sich der Verdachtsmoment erhärten.

Urintest ist der nächste Schritt

Ein Urintest, der mittels einer chemischen Reaktion sofort Gewissheit liefert, ob der Fahrer Drogen konsumiert hat. Der wird normalerweise im geschützten Bereich durchgeführt, kann aber freiwillig schon mal vor Ort erfolgen – wer will schon mit auf die Dienststelle, wenn er unschuldig ist? Denn das ist der nächste Schritt: Wird ein Urintest verweigert, können die Polizisten einen Bluttest anberaumen. „Ohne Grund macht das natürlich niemand. Es müssen Hinweise vorliegen, die eine Blutentnahme im Krankenhaus rechtfertigen“, so Schmid.

Liefert der Urin- oder Bluttest ein positives Ergebnis, muss unterschieden werden, ob ein Fall des §316 StGB vorliegt (Ausfallerscheinungen während der Fahrt, Schlangenlinien etc.). Hier drohen unter anderem Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr. Ist dies nicht gegeben, kommt §24 StVG (Verkehrsordnungswidrigkeit) zum Tragen. So oder so wird die Führerscheinbehörde von der Fahrt unter Drogeneinfluss informiert und eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung angesetzt, die für die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis nötig ist, sagt Schmid – der berühmte Depperltest.

Viele bagatellisieren das Thema

Werden bei dem Fahrer Drogen gefunden, kommt es zusätzlich zu Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die sichergestellte Menge spielt laut Schmid erst für das Strafmaß eine Rolle. Grob wird dabei in geringe Menge und nicht geringe Menge (Mengen die geeignet sind, Handel damit zu betreiben) unterschieden. Bei einer geringen Menge kann das Strafverfahren unter Umständen (hängt auch von der Substanz ab) mit der Verhängung von Sozialstunden und Geldstrafen eingestellt werden.

Insgesamt stört Schmid die Bagatellisierung bei dem Thema: „Viele sagen mir dann im Verhör: Das macht doch jeder.“ Was zu bezweifeln wäre. Außerdem gefährden Autofahrer unter Drogeneinfluss nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Grundsätzlich sei er in seinen wenigen Wochen in Schongau überrascht über den enthemmten Umgang mit Drogen. Für ihn besonders besorgniserregend: In rund einem Drittel der Fälle, in denen Schmid ermittelt, sind die Beschuldigten unter 18 Jahren. Die könnten dann bald am Steuer sitzen.

Franziskus Reich

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