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Schnee und Eis erschweren die Fortbewegung mit Rollatoren und Rollstühlen erheblich. Worin die Gefahren liegen, zeigen Pflegedienstleiterin Claudia Romeike, Christa Rösch, Martha Heger und Helga Zwingmann (v.l.) auf. 

Nach Wintereinbruch

Mit der Gehhilfe durch Schnee und Eis

Schongau – Jetzt hat es endlich wieder geschneit. Allerorten zieht es die Menschen nun in die Natur. Im Schongauer Altenheim der Heiliggeist-Spital-Stiftung wurden sogar schon fleißig Schneemänner gebaut. Für so manche Senioren, gerade die, die auf Gehhilfen angewiesen sind, birgt die weiße Pracht jedoch auch einige Tücken.

Schon ein kleiner Randstein ist für Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, eine enorme Hürde. Die Gehhilfe mit einer Hand vorn auflupfen, über die Bordsteinschwelle hieven und trotzdem das Gleichgewicht halten, wofür der Rollator ja eigentlich gebraucht wird. Dann auf den Gehweg auffahren – und das alles, ohne zu stürzen. Das Prozedere gestaltet sich für Rollstuhlfahrer auch nicht einfacher. Nun hat es kräftig geschneit, damit kommen noch einige Herausforderungen mehr auf die stetig steigende Anzahl der Rollator- und Rollstuhlfahrer zu.

„Die Wege in der Altstadt sind leider oft nicht so geräumt, als dass man mit einem Rollator durchkäme“, beklagt Helga Zwingmann. Die Bewohnerin des Altenheims der Heiliggeist-Spital-Stiftung ist mit nun 81 Jahren auf eine Gehhilfe angewiesen. Außerdem, betont sie, machen Schneewälle an den Gehwegen und parkende Autos im Winter oftmals ein sicheres Wechseln der Straßenseiten unmöglich – nicht nur mit einem Rollator oder Rollstuhl.

Auch das vielerorts gestreute Kies ist für Rollstühle und Rollatoren nicht ideal. „Es vermittelt das trügerische Gefühl sicher zu sein und dann rutscht man auf dem Split aus“, das passiere des Öfteren im Friedhof, so Zwingmann. Eine ausgesprochen heikle Stelle mit großem Gefahrenpotenzial, nicht nur für die Heimbewohner, befindet sich gleich vor dem Altenheim in der Karmeliterstraße: der gepflasterte Zebrastreifen. Er ist zwar mit den dazugehörigen abgesenkten Bordsteinen der logische Platz, um von der einen Straßenseite zur anderen zu gelangen. Durch Eis und Schnee wird der Fußgängerüberweg aber schnell zur Stolperfalle. Um diese Tücke weiß auch Martha Heger: „Oft ist es im Winter dann vermeintlich einfach besser, drin zu bleiben“, meint die 85-jährige leicht wehmütig.

Bewegung ist pure Lebensqualität

Angesichts der erhöhten Verletzungsgefahr im fortgeschrittenen Alter bei Stürzen (Stichwort Osteoporose) und der altersbedingten, längeren Genesungszeit aber durchaus nachzuvollziehen.

Sich nur im Gebäudeinneren aufzuhalten, ist jedoch auch nicht das Wahre: „Ohne Abhärtung an der frischen Luft, drohen schnell Erkältungen“, verdeutlicht Pflegedienstleiterin Claudia Romeike und ergänzt, dass durch die trockene Hausluft beispielsweise auch das Risiko einer Bindehautentzündung rapide zunehme.

Einmal ganz von diesen Erkrankungen abgesehen: Der Mangel an Bewegung und Sonnenlicht schlägt aufs Gemüt und stellt eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität dar. Da sind sich die Damen einig. Dem kann auch Christa Rösch nur beipflichten. „Aber ich brauche immer jemanden, der mich schiebt“, erklärt die 83-jährige. Ihre Knie schmerzen und machen ihr das Gehen schier unmöglich. Daher ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen. „Liegt Schnee oder Schneematsch auf der Straße, ist ein Durchkommen auf Dauer kaum mehr möglich“, beschreibt Claudia Romeike. Ein Problem, das natürlich auch bei Rollatoren auftritt.

Aber davon wollen sich die drei rüstigen Damen nicht aufhalten lassen. Sie versuchen, so oft es das Wetter zulässt, an die frische Luft zu kommen. Und zum Glück gibt es sehr viele – gerade junge – Leute, die richtig hilfsbereit sind, freuen sich Helga Zwingmann, Martha Heger und Christa Rösch.

Franziskus Reich

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