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Wieder mehr als 100 Bürger waren zur bereits elften Montagsdemo nach Schongau gekommen. Links im Bild Wessobrunns Bürgermeister Helmut Dinter. 

11. Montagsdemo in Schongau

Strabs-Gegner rüsten sich zum Volksbegehren-Start

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Routiniert stehen Irmgard Schreiber-Buhl und Renate Müller in ihren Warnwesten vor der Menge, die mit Plakaten, Roten Karten, Kerzen und Trillerpfeifen gespannt auf den Startschuss der mittlerweile 11. Montagsdemo gegen die Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs) wartet. Es ist schon ein Phänomen: Obwohl die Strabs in Schongau gar nicht eingeführt wird, lassen die Organisatoren nicht locker und haben wieder über 100 Bürger zur Teilnahme animieren können. Schließlich gibt es ein großes Ziel: Die Strabs komplett abschaffen. Und solange das nicht geschafft ist, geht es munter weiter.

Schongau – Mittlerweile ist Schongau zur Bühne für Strabs-Gegner aus dem weiten Umkreis geworden. „Ich bin überwältigt vom Engagement der Schongauer“, sagt beispielsweise Hans Friedl aus Alling, der als Kreisvorsitzender der Freien Wähler Fürstenfeldbruck und Landtagskandidat an vorderster Front gegen die Strabs kämpft. Er war schon auf der großen Demo im Oktober, mit der die Schongauer überregional bekannt geworden sind, und findet es „Wahnsinn, was ihr alles auf die Beine gestellt habt“. In seiner Heimatgemeinde sei die Strabs 1996 eingeführt, 2013 erstmals in großem Stil angewandt worden.

Friedl warnte die Demonstranten, sich zu früh über die Versprechungen der CSU zur Abschaffung der Strabs zu freuen: „Lasst euch vom Söder nicht einwickeln. Erst wenn die Satzung wirklich abgeschafft ist, werden wir aufhören“, sagte er unter Jubel und Gepfeife. Doch damit sei es nicht getan, sagte Wessobrunns Bürgermeister Helmut Dinter. Die ganze Abgabensatzung müsse im Gesetz geändert werden. „Nicht, dass wir die Strabs zu Fall bringen und der CSU irgend etwas anderes zur Finanzierung einfällt.“ Dinter war am Montagabend so etwas wie der Vorzeige-Held, schließlich hat Wessobrunn auf sein bestreben hin die 2004 „unter Druck des Landratsamts“ eingeführte Satzung vergangene Woche wieder abgeschafft – bisher ohne Reaktion von oben.

Auch Adolf Merk (81) aus Mittenwald berichtete von unfassbaren Strabs-Geschichten. So sei ein Bekannter, der ein großes bewaldetes Hanggrundstück besitze, das wegen seiner Steilheit gar nicht bebaut werden könne, mit 85 000 Euro zur Kasse gebeten worden, ein anderer mit 42 000 Euro. „Mein Nachbar ist mit 63 000 Euro dabei, bei mir werden es 15 000 bis 18 000 Euro“, sagte Merk. Dafür habe er nicht sein Leben lang gearbeitet, „das muss anders finanziert werden“. Und Klaus Jürgen Pohl aus Emmering, ebenfalls im Landkreis Fürstenfeldbruck, ärgerte sich über einen Feldweg, der von unzähligen Holztransportern kaputtgefahren wurde und jetzt von den Anwohnern finanziert werden soll.

So ähneln sich die Geschichten, die es in Schongau nicht geben soll. Mit ihren Aktionen wie der Roten Karte gegen die Strabs, die an unzählige Politiker geschickt wurde, haben die Organisatoren offenbar einen wunden Punkt getroffen. „Mich hat kürzlich der Referent eines CSU-Abgeordneten völlig genervt angerufen, wir sollen doch endlich mit den E-Mails und Briefen aufhören“, erzählte Müller belustigt. Schreiber-Buhl wies bereits jetzt auf die nächste Montagsdemo hin sowie eine größere Aktion zum Volksbegehren-Start am 24. Januar in Weilheim. „In der Kreisstadt ist das Thema noch nicht so angekommen. Da sollten wir Schongauer möglichst zahlreich vertreten sein.“

Zum Schluss der Demo wurde schließlich noch zur Melodie des Lieds „Hejo, spann den Wagen an“ der umgewandelte Text „Straßen sind für alle da“ gesungen. Schon im Kampf gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf wurde das Lied mit anderem Text benutzt – schon damals war die gebürtige Oberpfälzerin Schreiber-Buhl dabei.

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