1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

Theaterverein Treibhaus bringt 2023 das Stück „1493“ beim Schongauer Sommer auf die Bühne

Erstellt:

Von: Elke Robert

Kommentare

Planen das nächste Festspiel: (v.l.) Michael Boos und Maximilian Geiger, Vorsitzende des Theatervereins Treibhaus, und Manfred Wodarczyk vom Schongauer Sommer.
Planen das nächste Festspiel: (v.l.) Michael Boos und Maximilian Geiger, Vorsitzende des Theatervereins Treibhaus, und Manfred Wodarczyk vom Schongauer Sommer. © Herold

Theaterfreunde können sich auf den kommenden Sommer freuen, denn das Theater Treibhaus bringt wieder ein Festspiel auf die Bühne. „1493 – Schongau zwischen Blut und Freundschaft“ ist sowohl ein Historienspiel im ausgehenden Mittelalter, als auch ein abgeschlossener Krimi – mit vielen Leichen.

Schongau – Michael Boos und Maximilian Geiger, die beiden Vorsitzenden des Schongauer Theatervereins Treibhaus, wollen inhaltlich eigentlich noch nicht allzu viel verraten über das neue Festspiel, aber die Vorbereitungen für die Aufführungen in einem Jahr laufen natürlich längst.

Geiger, nicht nur Theaterer mit Leib und Seele, sondern auch studierter Historiker, trägt die Idee zu „1493“ schon seit acht Jahren mit sich herum, weit bevor überhaupt klar war, dass der Verein Treibhaus jemals die beiden Henkerstochter-Festspiele aufführen würde, wie er erzählt.

Bei selbst geschriebenem Stück Regie führen

Ursprünglich wollte er aus dem Stoff einen Roman machen, bei der Idee blieb es jedoch zunächst, neben dem Studium und dem Theater – Geiger ist Autor, Regisseur und Darsteller in einer Person – blieb kaum noch Zeit. 2019 während der Aufführungen der zweiten Henkerstochter sei ihm dann klar geworden, dass er unbedingt bei einem eigenen, selbst geschriebenen, historischen Theaterstück Regie führen möchte.

„Immerhin gibt es in Schongaus Vergangenheit noch so viele spannende Geschichten, die erzählt werden wollen.“ Aus seiner alten Idee „1493“ entstand eine neu konzipierte Geschichte, dieses Mal aber für die Bühne. Und im ersten Lockdown entstand dann die Rohfassung.

Rund 200 Jahre vor der Henkerstochter

Das Stück spielt im ausgehenden Mittelalter, es vereine laut Geiger das, was die Henkerstocher-Aufführungen so erfolgreich gemacht hätte: einen Krimi mit in sich abgeschlossener Handlung, der in Schongau spielt. „Für ein erstes eigenständiges Stück fand ich das wichtig, um einen Wiedererkennungswert zu haben und auf Nummer sicher zu gehen, was das Interesse des Publikums angeht“, so Geiger. Dies sei „quasi Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen, damit wir uns ausprobieren können und schauen können, ob ein großes Festspiel auch ohne den Ruf der Henkerstochter funktioniert“.

Andererseits wollte er weg von den beiden bisherigen Treibhaus-Festspielen hin zu etwas Eigenständigem, mit eigenen Figuren, einer eigenen Handlung und einer anderen Zeit Schongaus, für die man jedoch wieder den Fundus nutzen könne, ohne gleich alle Kostüme ganz neu anschaffen zu müssen. Das neue Stück spielt zeitlich rund 200 Jahre vorher.

Corona kam zur rechten Zeit

Aus der Rohfassung ist mittlerweile ein fertiges Textbuch geworden. Der Untertitel zu „1493 – Schongau zwischen Blut und Freundschaft“ stammt von Michael Boos, wie Geiger verrät. „Wir hatten eine erste Lesung mit den alten Henkerstochter-Schauspielern, und das war seine Idee.“

Klar war, dass Schongau mit vorkommen müsse im Titel, damit sich die Zuschauer auch damit identifizieren könnten. „Die Geschichte ist sehr vielfältig, die Stadtgeschichte von Schongau gibt einfach viel her“, erklärt Boos. „Ich finde es toll, nochmal eine andere Zeit und eine andere Story zu zeigen.“ Corona habe ihnen tatsächlich in die Hände gespielt, man habe viel Luft gehabt, „für die Ausarbeitung des Stücks war das wichtig“.

Manfred Wodarczyk und Schongauer Sommer mit im Boot

Noch jemand hat das Textbuch gelesen: Manfred Wodarczyk. Und so kommt es auch diesmal wieder zur bereits bewährten Zusammenarbeit zwischen Theater Treibhaus und dem Schongauer Sommer, „das war bei den vergangenen beiden Stücken top und wird wieder so sein“, ist sich Boos sicher. Geplant sind die Aufführungen für August 2023, was für das Theater Treibhaus gleich doppelt passt, denn gleichzeitig feiert man zehnjähriges Gründungsjubiläum.

Knapp 80 Schauspieler, 40 Musiker und Chor könnten es wieder werden, rund 140 Leute insgesamt, schätzt das Trio. Nach dem Sommer will man sich Gedanken machen über die Rollenverteilung, die Darsteller müssten ja planen können, so Boos. Die Proben starten dann im Januar oder Februar 2023.

Wieder mit eigener Musik geplant

Für Manfred Wodarczyk heißt es bald wieder, alle Termine mit der Stadt abzusprechen, Angebote für die Tribüne einzuholen, Vorschläge für Bühne und Bühnenbild zu machen, Verträge mit Vereinen abzuschließen, die Kalkulation auszuarbeiten. „Wir machen uns bereits Gedanken über den Vorverkauf der Karten.“

Auch für die Bühnenmusik will man am liebsten wieder selbst sorgen. „Wir wünschen uns, dass es exklusiv wird, müssen aber schauen, ob wir die Leute auch alle herbekommen“, sagt Boos. Gerne erinnert man sich zurück an das Jahr 2019: Für die Henkerstochter war die Musik extra komponiert worden. Das Team mit Carolin Nuscheler, Linus Mödl und Hansi Daxer mit Chor und Orchester hatte dafür viel Beifall eingeheimst.

Darum geht es beim Schauspiel „1493“:

Schongau Anno Domini 1493: Die Leiche eines einflussreichen Patriziers wird innerhalb der Stadtmauern aufgefunden – alles weist auf Mord hin. Der Hauptmann der Stadtwache wird mit der Aufklärung des Falles betraut. Doch die Zeit drängt, denn noch während er ermittelt, schlägt der Mörder erneut zu.

Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn der Mörder wird nicht aufhören, ehe er ein Jahrzehnte altes Geheimnis sichergestellt hat. Und der Hauptmann weiß, dass auch ihn die Vergangenheit einholen könnte. Er muss den Täter finden, bevor er ihm ebenfalls zum Opfer fällt.

Verein wünscht sich mehr Unterstützung

Die Aufführung soll wieder am Bürgermeister-Schaegger-Platz stattfinden, „auch wenn das nicht mehr mein geliebter Platz ist“, so Manfred Wodarczyk, Chef des Schongauer Sommers. Der Platz sei zwar extra dafür hergerichtet worden, aber die Infrastruktur einfach nicht vorhanden. Es mangele an vielem – von passenden Räumlichkeiten, Toiletten und Lärmschutz bis hin zu Parkplätzen. „Es gibt Spannungen“, betont Wodarczyk, seit Jahren immer wieder, auch diesmal.

Beim Verein Treibhaus sieht man es genauso, Kulturförderung finde in Schongau nicht statt: „2016 habe ich mir noch gedacht, ich mache es für die Stadt, jetzt mache ich es nur noch für die Leute und den Verein“, erklärt Michael Boos, Vorsitzender beim Theater Treibhaus. „Die Stadt nimmt das gar nicht als Rohdiamant wahr.“

Er habe versucht, ins Gespräch zu gehen, aber da komme nichts. Bei einem Gesamtbudget von rund 130 000 Euro habe die Stadt für die Henkerstochter 15 000 Euro beigesteuert, und dann die Bauhofleistung wieder abgezogen. Boos: „Es wird gar nicht gesehen, wie viele kleine Köpfe da eine riesige Verantwortung tragen müssen.“

Davon werde man sich aber sicher nicht abhalten lassen und wolle positiv in die Zukunft schauen. Boos: „Wir machen es für die Gemeinschaft, für uns. Es ist einfach der Wahnsinn, wenn 5000 bis 6000 Zuschauer kommen, die man begeistern kann.“ Maximilian Geiger, Regisseur und Autor, fasst es in einen Satz: „Uns reicht es, Theater zu spielen.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem der Region rund um Schongau finden Sie auf Merkur.de/Schongau.

Alle News und Geschichten aus Schongau sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Auch interessant

Kommentare