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Interessante Geschichten erzählen die Autoren in der 18. Auflage des Jahrbuchs „Der Welf“, die sie auf dem Hohen Peißenberg vorstellten. Das Foto zeigt von links Dr. Joachim Heberlein, die 1. Vorsitzende des historischen Vereins Heide-Maria Krauthauf sowie die Autoren Manfred Merk, Martina Aussermeier, Harald Scharrer, Konrad Fürgelder und Franz Grundner.

Jahrbuch

18. „Welf“ mit Schicksalen, die bewegen

Sein mittlerweile 18. Jahrbuch „Der Welf“ in 25 Jahren stellte der historische Verein Schongau am Samstagvormittag auf dem Hohen Peißenberg vor. Grund dafür war einer der sieben Beiträge, in dem es auch um die Wallfahrt dorthin geht.

Hohenpeißenberg Rund 200 Seiten umfasst die jüngste Ausgabe „Der Welf“. „Und wieder war die Zeit knapp, damit er noch vor Weihnachten herauskommt, aber wir haben es geschafft“, sagte die Vorsitzende Heide-Maria Krauthauf erfreut vor rund 50 Mitgliedern des historischen Vereins, die der Einladung ins Restaurant „Bayerischer Rigi“ auf den Hohen Peißenberg gefolgt waren. Sie hielten nicht nur den druckfrischen „Welfen“ in Händen, sondern konnten auch den Autoren lauschen.

Da die ersten beiden Beiträge schon allein aus architektonischer Sicht quasi zusammengehören, übernahm Franz Grunder den Vortrag von Gert Thomas Mader, unter anderem Begründer des bayerischen Bauarchives, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Präsentation teilnehmen konnte. Darin enthalten ist die Baubiografie des „Wäslehauses“ über fünf Jahrhunderte und seinen direkt angebauten „Zwillingsbruder“, damals in der Christophstraße 6 in Schongau beheimatet. Dreißig Jahre nach dem Abbruch des gothischen Speichergebäudes mit Treppengiebel und Flügelanbau, ist seine Geschichte nun im Jahrbuch dokumentiert. Das im Volksmund fälschlich als „Klosterstadl“ bezeichnete Gebäude war kurz nach 1476 erbaut worden und hatte dem Stadtbrand von 1493 getrotzt. Es überlebte den Bauernaufstand 1525 und überstand die kriegerischen Ereignissen des 18. Jahrhunderts. 1976 erwarb die Stadt Schongau das „Wäslehaus“ und das nebenliegende „Bauerhaus“ im Streben nach einem großen Kaufhaus in der Innenstadt, 1988 erfolgte der Abbruch.

Einem „besonderen Kleinod“ hatten sich Manfred Merk und Joachim Heberlein angenommen: Der Verbrüderungstafel im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift in Rottenbuch. Dieses Kunstwerk ist aufgrund der Absperrung des Chors nur wenig bekannt. Die Frontseite des zweiflügeligen Schreins (um 1620) auf der nördlichen Seite des Chores zeigt die Gottesmutter Maria und den Heiligen Augustinus. Auf den vier Innenseiten sind die mit dem Stift Rottenbuch durch Verbrüderung verbundenen Klöster aufgeführt. Das besondere, so Merk in seinem Vortrag, sind die Schriftkunst und die farblichen Züge in Minuskelschrift. „Sie zeugen von der hohen Bildung der Rottenbucher Chorherren und dem Stellenwert, den das Kloster Rottenbuch genossen hat.“

Warum sich Martina Außermeier als Landshuterin der Geschichte und der Gegenwart des Wallfahrtsortes auf dem Hohen Peißenberg angenommen hat, erklärte die Autorin den Anwesenden mit ihrer Arbeit im bischöflichen Ordinariat München-Freising. Sie beleuchtet in ihrer Arbeit die Entstehung der Gnadenkapelle ebenso wie die der Wallfahrtskirche und deren jüngste Instandsetzungen. Im Anschluss an die Buchvorstellung führte sie die Teilnehmer bei einer Besichtigungstour in die Kirche und erläuterte die dortigen Kunstwerke.

Ein ganz persönliches Schicksal eines Steigers im Kohlebergbau am Hohen Peißenberg beleuchtete Konrad Fünfgelder. Wie das Leben von Johann Heinrich Bauer – Vater von neun Kindern – verlief und wie dessen Schicksal und das seines Sohnes aussah, ist auf rund 35 Seiten zu lesen. „Ich habe sehr große Achtung vor dem Beruf des Steigers“, sagte Fünfgelder, der selbst im Bergbau als Bergassessor tätig war.

Welche unruhigen Zeiten Schongau erlebte, erzählt der Beitrag von Harald Scharrer mit dem Titel „Revolution! Schongau während der Umbruchzeit 1918/19“. Während sich die Geschichtsbücher auf die Vorgänge in München fokussieren, interessierte sich Scharrer dafür, wie es zu diese Zeit auf dem Land ausgesehen hat. „Die Depeschen aus der Hauptstadt kamen in Schongau nur schleppend an“, so Scharrer. Und die „Schongauer Nachrichten“ berichteten nur unter Vorbehalt und nur über die konservative Seite. Andere Nachrichten wurden über Plakate oder Handzettel verbreitet. Und spannend wurde es in der Lechstadt, als das Freichor Liftl schwer bewaffnet mit vier Maschinengewehren einmarschierte. Lange hielt sich die Kunde in Schongau, „dass die rote Armee damals einmarschiert sei“.

Außerdem enthält das neue Jahrbuch die Fortführung der Bibliographie für Schongau und Umgebung 2017/18 sowie Informationen zum Verein.

VON MYRJAM C. TRUNK

Das Jahrbuch:

ist in Schongau im Stadtmuseum zu den Öffnungszeiten erhältlich. Außerdem bekommt man es bei Papierwaren Einzinger und in der Bücher-Galerie sowie in Peiting bei Buch am Bach oder bei Konrad Socher in Altenstadt. Der Preis beträgt 15 Euro.

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