So berichteten die Schongauer Nachrichten am 13. Dezember 1975 über das Treffen einer Delegation aus Schongau mit dem Ehemann der englischen Königin in Abingdon.
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So berichteten die Schongauer Nachrichten am 13. Dezember 1975 über das Treffen einer Delegation aus Schongau mit dem Ehemann der englischen Königin in Abingdon.

Ehemann der englischen Königin wird am heutigen Samstag beerdigt

Als Schongauer auf Prinz Philip trafen

Die wenigsten können wohl von sich behaupten, einen lockeren Plausch mit einem der höchsten Aristokraten weltweit geführt zu haben. Einer Schongauer Delegation ist genau das gelungen: Anlass war ein Treffen mit Prinz Philip im Jahr 1975.

Schongau/ Abingdon – Ob der am 9. April verstorbene Ehemann der englischen Königin, Prinz Philip, die Stadt Schongau jemals besucht hat, ist nicht bekannt. Wo genau sich die Lechstadt befindet, dürfte er aber gewusst haben, schließlich wurde es ihm höchstpersönlich von Schongauern erklärt.

Obwohl dieses Treffen mehr als 45 Jahre zurückliegt, kann sich Altbürgermeister Luitpold Braun noch ganz genau daran erinnern. „Das war einfach ein Highlight“, sagt er. „Prinz Philip trifft man nicht alle Tage, er ist ja auch nicht mein Nachbar.“

Gruppe hatte sich auf das Treffen gut vorbereitet

Braun war 25 Jahre alt und Stadtrat, als er im Dezember 1975 gemeinsam mit dem damaligen Schongauer Bürgermeister Georg Handl und weiteren Stadträten und Gästen nach Abingdon reiste. Die Delegation aus Schongau war von der englischen Partnerstadt zur Eröffnung eines Sport- und Kulturzentrums eingeladen worden. Dort trafen die Lechstädter dann auf den Prinzgemahl.

Die Gruppe hatte sich gut auf das Treffen vorbereitet. „Uns war klar, dass man da jetzt nicht in der Jeans daherkommt“, sagt Braun. Die Zusammenkunft mit Prinz Philip lief dann aber gänzlich anders ab, als zuvor erwartet. Kein strenges Hofzeremoniell, keine übertriebene Etikette – laut Braun waren alle Beteiligten von dem lockeren und legeren Umgangston des hohen Gastes überrascht. „Da war nichts Steifes dabei, keinerlei Distanz“, erinnert er sich. Prinz Philip sei offen und interessiert gewesen und habe sich minutenlang mit der Delegation unterhalten.

Das war ein großes Bild in den Schongauer Nachrichten vom 13. Dezember 1975. In dieser Ausgabe wurde ausführlich über das Treffen einiger Schongauer mit Prinz Philip in Abingdon berichtet. 

Braun zeigt sich bis heute von der Art des Prinzgemahls begeistert. „Er war liebenswürdig, freundlich und entgegenkommend“, sagt er weiter. „Frei von jeder Überheblichkeit.“ Die Kommunikation sei auch kein Problem gewesen, denn Prinz Philip sprach ein makelloses Deutsch, so Braun.

Auch die Schongauer Nachrichten berichteten damals auf der ersten Seite über die nicht alltägliche Begegnung mit dem Ehemann der Queen. Unter dem Titel „Prinz Philip vergaß das Protokoll!“ schilderte der damalige Chefredakteur Georg Hertle detailliert die Geschehnisse.

Prinz eilte auf SN-Chefredakteur Georg Hertle zu und unterhielt sich mit ihm in deutscher Sprache

Hertle war ebenfalls Teil der Schongauer Delegation und ließ die Leser an der Begegnung mit Prinz Philip teilhaben: „Als ihm (Anmerkung der Redaktion: Prinz Philip) gesagt wurde, daß sich ein Journalist aus Deutschland (...) unter den Presseleuten befindet, eilte Prinz Philip sofort auf ihn zu, drückte ihm als einzigen von den Journalisten die Hand, unterhielt sich mehrere Minuten mit ihm in deutscher Sprache und ließ die ganze Festversammlung warten.“

Ein weiteres Bild aus dem großen Bericht der Schongauer Nachrichten vom 13. Dezember 1975.

Während dieses Gesprächs wollte Prinz Philip dann auch ganz genau wissen, wo sich die Stadt Schongau in Deutschland befindet. Zur Erklärung mussten die Städte München, Garmisch und Oberammergau herhalten. Luitpold Braun kann sich gut entsinnen, dass auch Schloss Salem erwähnt wurde. Prinz Philip hatte das renommierte Internat nahe des Bodensees als Schüler besucht.

Beerdigung heute live im Fernsehen

Der Schongauer Altbürgermeister kann sich gut vorstellen, dass viele der Anekdoten, die über den englischen Aristokraten kursieren, der Wahrheit entsprechen. So soll Prinz Philip beispielsweise Altkanzler Helmut Kohl mit den Worten „Willkommen, Herr Reichskanzler“ begrüßt haben. „In diesem Punkt war er wohl ein stückweit unenglisch“, sagt Braun lachend. Auch im Gespräch mit den Schongauern habe Prinz Philip „locker vom Hocker“ geplaudert.

Am heutigen Samstag wird Prinz Philip im Kreise seiner Familie auf Schloss Windsor beigesetzt. Er war im Alter von 99 Jahren verstorben. Die Beerdigung wird live im Fernsehen übertragen.

Jennifer Battaglia

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