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„Auf einem Friedhof ist mehr los“: 2Gplus nagt an Kultur- und Freizeitbranche - Viele Schließungen absehbar

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Von: Theresa Kuchler

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Gähnende Leere herrscht seit Mittwoch im Schongauer Plantsch.
Gähnende Leere herrscht seit Mittwoch im Schongauer Plantsch. © Hans-Helmut Herold

Wegen der verschärften Corona-Maßnahmen sehen sich viele Betreiber von Kultur- und Freizeiteinrichtungen gezwungen, ihren Betrieb einzuschränken oder gar zu schließen.

Landkreis – „Auf einem Friedhof ist mehr los“, bringt es Andreas Kosian vom Schongauer Plantsch auf den Punkt. Seit Mittwoch gelten dort, wie in allen Freizeit- und Kultureinrichtungen, die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Infektionsgeschehens mit der 2Gplus-Regel. Die Konsequenz: Besucher bleiben aus. „Zuerst haben wir noch wegen der maximal 25 Prozent Auslastung Angst gehabt. Aber die haben wir nicht annähernd erreicht“, schildert der Leiter des Freizeitbads die Lage am ersten Tag der Regelverschärfung.

Corona-Verschärfungen in Bayern: Wegen 2Gplus bleiben Besucher aus

Nur 60 Personen seien über den ganzen Tag verteilt in das Plantsch gekommen – erlaubt sind 148 gleichzeitig. Auch am gestrigen Donnerstag zeichnete sich ein ähnlich trauriges Bild: „Ein einziger Gast ist zum Frühschwimmen gekommen.“ Zwar seien drei weitere Schwimmwillige an der Kasse gestanden, die mussten mangels Testnachweis allerdings wieder nach Hause geschickt werden.

2gplus-Regel in Bayern: „Sobald wir 1000er-Inzidenz knacken, müssen wir sowieso schließen“

Trotz der schwierigen und „absolut nicht wirtschaftlichen“ Situation wolle man das Bad vorerst nicht schließen, so Kosian. Die Reduzierung der Öffnungszeiten sei aber ein durchaus notwendiger Schritt, schon allein wegen des dünn besetzten Personalplans. Mit Skepsis blickt der Schwimmbad-Leiter in die kommende Woche: „Sobald wir die 1000er-Inzidenz knacken, müssen wir sowieso schließen.“ Wenn es so weit kommt und das Plantsch für die Öffentlichkeit zusperrt, wolle man aber zumindest die Schwimmkurse und das Schulschwimmen aufrecht erhalten. „Das ist uns echt wichtig.“

In der Rigi Rutsch’n in Peißenberg geht man ebenfalls davon aus, dass die Zahl an Saunagästen wegen 2Gplus deutlich zurückgehen wird. Wie ein Mitarbeiter des Freibads mit Saunabetrieb mitteilte, hätte sich der Andrang am Mittwoch zwar noch nicht merklich reduziert – an diesem Tag habe das Bad aber auch noch Selbsttests für die Besucher stellen können. Diese waren noch am gleichen Tag aufgebraucht. Wenn man sich vor dem Saunabesuch stundenlang für einen Test anstellen müsse, würden wohl viele auf den Ausflug ins Bad verzichten, befürchtet der Angestellte der Rigi Rutsch’n.

Wegen „Mischform“: Im Schongauer Brauhaus auch bei Veranstaltungen nur 2G

Zu einer Mischform aus Gaststätten- und Veranstaltungsbetrieb zählt das Schongauer Brauhaus. In der „Erlebnis- und Kulturbrauerei“ stehen neben Speisen und Getränken auch regelmäßig Veranstaltungen auf der Karte, die in der Regel mit dem gastronomischen Angebot verbunden sind. Für Betriebsleiterin Marion Albrecht Glück im Unglück: „Durch die Mischform gilt bei uns auch bei Veranstaltungen 2G.“

Während in reinen Kulturstätten wie Theater, Kinos oder Konzerten für Geimpfte und Genesene ein negativer Testnachweis erforderlich ist, fallen Darbietungen wie „Dine & Crime“ und die „Comedy-Lounge“ im Brauhaus also unter die Bestimmungen der Gastronomie – ohne zusätzliche Testpflicht. „Der Veranstaltungsbereich wird weitergehen. Es ist nur noch unklar, wie“, sagt Albrecht.

Corona in Weilheim-Schongau: Wegen 2Gplus - „Stroblbühne“ bis auf Weiteres ungenutzt

Das sei von den Gästen abhängig. Nur, wenn auch weiterhin ausreichend Karten für die kulinarischen Erlebnisabende im Brauhaus gekauft würden, rechne sich das für die Künstler, denen die Eintrittsgelder zufließen. Marion Albrecht macht jedenfalls klar: Ihr Team will weitermachen und kämpfen – „nicht nur für uns, auch für die Künstler und das Haus“.

Auch der Stroblwirt in Oberhausen ist ein Gasthof, der auf seiner Kleinkunstbühne Kultur regelmäßig einen Raum gibt. Aufgrund der verschärften Maßnahmen bleibt die hauseigene „Stroblbühne“ allerdings erst einmal geschlossen. „2Gplus werden wir als Veranstaltungsbetrieb nicht machen“, erklärt Geschäftsführerin Katja Strobl. Anders als beim Brauhaus fallen die Auftritte dort nämlich nicht in den gastronomischen Bereich, weshalb die verschärfte 2Gplus-Regel greifen würde. So beschränkt sich der Landgasthof bis auf Weiteres auf den reinen Gastronomiebetrieb – allerdings auch das im reduzierten Format: „Wir werden die Öffnungszeiten für 14 Tage einschränken“, so Strobl.

Corona-Lage: Absage von Konzerten und voraussichtliche Schließung des Märchenwalds

Bei den Kulturschaffenden selbst ist die Frustration freilich besonders groß. Wie im vergangenen Jahr fallen wieder zahlreiche Konzerte und Kulturveranstaltungen aus – so auch das für Anfang Dezember geplante Weihnachtsoratorium der Iffeldorfer Meisterkonzerte. Intendantin Andrea Fessmann sagte das Konzert Mitte dieser Woche schweren Herzens ab, nachdem sie Rücksprache mit dem Gesundheitsamt gehalten hatte.

„Es wird davon ausgegangen, dass wir in den nächsten Tagen in die 1000er-Inzidenz rutschen. Das war’s dann eh“, sagt Fessmann frustriert. Auch mangels Testmöglichkeiten in der Region sei die Durchführung von 2Gplus-Veranstaltungen sehr schwierig. Die Intendantin schätzt, dass sich die Konzertsäle wohl erst ab April wieder füllen werden.

Bis zum Frühjahr wird wohl auch der Schongauer Märchenwald seine Pforten schließen. „Ich gehe davon aus, dass wir ab Montag bis schätzungsweise Ostern zumachen“, sagte Pressesprecher Robert Herbst der Heimatzeitung. Der Tier- und Freizeitpark fällt ebenfalls unter die 2Gplus-Regel, weshalb man einen deutlichen Einbruch der Besucherzahlen erwartet – kaum jemand wolle sich vorher extra testen lassen, meint Herbst. Und „die Kosten sind höher, wenn wir auflassen, als ganz zu schließen.“ Trotz der wahrscheinlichen Schließung blickt Herbst positiv in die kommenden Monate: Im Märchenwald wolle man die Zeit dazu nutzen, neue Projekte umzusetzen.

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