Waren mit Engagement dabei: Zahlreiche Betreuer haben Schülern mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund unter die Arme gegriffen und damit in Zeiten von Corona ein Zeichen des Miteinanders gesetzt.
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Waren mit Engagement dabei: Zahlreiche Betreuer haben Schülern mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund unter die Arme gegriffen und damit in Zeiten von Corona ein Zeichen des Miteinanders gesetzt.

Drei Monate Hilfe für Schüler mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund

350 Stunden Nachhilfe und kleine Schritte

  • VonRafael Sala
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Ein Kraftakt geht zu Ende: Drei Monate lang haben Schüler mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund von privaten Betreuern Nachhilfeunterricht bekommen. Die Resonanz fällt im Rückblick positiv aus. Allerdings gab es auch Schwierigkeiten. Vor allem Sprachdefizite und völlig andere Lebensgewohnheiten sind Hürden gewesen.

Schongau – Er selbst habe nur mit dem Fahrrad den Berg runterfahren müssen, schilderte Schongaus evangelischer Pfarrer Jost Herrmann schmunzelnd. Andere seien von weiter hergekommen. Nicht nur dafür gebühre allen Respekt und Anerkennung, wandte er sich an die Gäste. Er sei stolz darauf, was sie insgesamt geleistet hätten.

Denn das Projekt war: Drei Monate lang haben engagierte Privatleute aus dem Landkreis Weilheim-Schongau Schülern mit Lernschwierigkeiten und Migrationshintergrund unter die Arme gegriffen. Dafür gab es jetzt im Gewächshaus des Blumencafés ein Abschlusstreffen mit Umtrunk, Verköstigung und vielen Rückblicken.

25 waren gesucht, 42 haben sich gemeldet

Vorangegangen war ein Aufruf im April dieses Jahres: 25 Schongauer wurden gesucht, die bereit sein sollten, Grundschulkindern je fünf Stunden Nachhilfe zu geben (wir haben berichtet). Grundschul-Rektorin Ute Meub sowie die Jugendsozialarbeiterinnen Heike Rüther und Karin Ostler hatten im Vorfeld darüber geklagt, dass besonders Kinder, die von zu Hause nicht ausreichend unterstützt werden, durch Corona und das Homeschooling abgehängt würden.

Daraufhin meldeten sich 42 Personen aus Schongau und Umgebung zwischen 16 und 73 Jahren. Das Ergebnis sei löblich ausgefallen, freute sich Herrmann in seiner Begrüßungsansprache: „Bei vielen blieb es nicht bei den fünf Stunden. Manche wollten sogar bis zu den Sommerferien weiter machen.“

Schüler haben in den Lernrhythmus gefunden und Fortschritte gemacht

Insgesamt seien rund 350 Stunden Nachhilfe erteilt worden. Der Reiz habe aber nicht nur im Fachlichen gelegen, sondern auch in den interkulturellen Begegnungen, die durch das Projekt quasi wie von selbst ermöglicht wurden. „Wann begegnet eine 18-jährige Gymnasiastin schon einmal intensiv einer afghanischen Familie, die zu sechst in zweieinhalb Zimmern wohnt?“, fragte der Geistliche.

Wie aber bewerten die Betreuer selbst ihren Einsatz? In der Summe positiv – aber mit Kratzern. Es habe große Freude bereitet zu sehen, wie einige Schüler immer mehr in den Rhythmus des Lernens hineingefunden hätten und sichtlich bereit gewesen seien, sich anzustrengen, hieß es von mehreren Seiten. „Das hat mir enorm viel gegeben“, meinte eine Teilnehmerin. Auch hätten schulische Defizite aufgefangen werden können – wenn auch nur in kleinen Schritten.

Zuerst befremdlich, dann Bereicherung

Denn viele Schüler können nur schlecht Deutsch, vor allem, wenn sie eine Fluchtbiografie haben und aus fernen Ländern wie dem Irak oder aus Afghanistan stammen. „Das war schon zermürbend zu sehen, dass da wirklich die Grundlagen fehlen“, so ein Lehrer.

Aber: „Zuerst befremdlich, dann aber eine Bereicherung“: So äußerten sich viele zu den Begegnungen mit den Schülern selbst. Denn der Alltag eines afghanischen Jungen sieht ganz anders aus als der eines deutschen. Viele gingen erst um Mitternacht ins Bett, wie sie es aus ihrem Heimatland gewohnt seien, schilderte eine andere Teilnehmerin: „Als ich kam, musste ich ihn erst einmal wecken.“ Sie habe aber im Laufe der Monate eine fast freundschaftliche Beziehung zu ihm aufgebaut. Sie sei jetzt für den Jungen als Bezugsperson ganz wichtig.

Und genau dieses Ziel sei erreicht worden, zogen auch andere Betreuer Bilanz: eine menschliche Ebene herzustellen. In Zeiten von Corona wichtiger denn je.

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