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Nach Diebstahl vor 50 Jahren: Berühmtes Henkersschwert ist zurück im Museum

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Von: Elke Robert

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Das Henkersschwert ist zurück im Schongauer Museum: Darüber freuen sich (v.l.) Stadtarchivar Franz Grundner, Bürgermeister Falk Sluyterman und Helmut Schmidbauer.
Das Henkersschwert ist zurück im Schongauer Museum: Darüber freuen sich (v.l.) Stadtarchivar Franz Grundner, Bürgermeister Falk Sluyterman und Helmut Schmidbauer. © Hans-Helmut Herold

Vor genau 50 Jahren wurde es aus dem Schongauer Stadtmuseum gestohlen, nun kehrt es zurück: das originale Schongauer Henkersschwert. Helmut Schmidbauer rettete das wertvolle Stück aus dem Nachlass eines Schongauer Waffensammlers.

Schongau – Die beiden Schongauer Helmut Schmidbauer und Franz Grundner machten sich am Freitagvormittag auf den Weg zur Außenstelle des Landeskriminalamts in der Münchener Barbarastraße. Der ehemalige Kreisheimatpfleger und der Stadtarchivar konnten dort jenes Diebesgut in Empfang nehmen, das nach einem halben Jahrhundert wieder ins Museum zurückkehrt, die Region vielleicht nie verlassen hat. Neben dem für Schongau* besonders wertvollen Stück, dem originalen Richtschwert der Stadt, kommt eine Reihe weiterer entwendeter Gegenstände an seinen Platz, hauptsächlich Waffen: Reitersäbel, Stoßwaffen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, ein Degen, ein Bajonett.

Früherer Kreisheimatpfleger bekam Tipp von einstigem Schüler

Schmidbauer hat einige aufregende Wochen hinter sich. Ein ehemaliger Schüler, der bei ihm vor über 40 Jahren am Schongauer Gymnasium das Abitur machte, hatte ihn Anfang Juni kontaktiert, dass sich möglicherweise in der Waffensammlung seines verstorbenen Vaters das Henkersschwert befinden könnte. Schmidbauer nahm mit der Witwe des Schongauers Kontakt auf und fuhr hin. „Das war, als hätte der Blitz eingeschlagen: Ich habe mit einem Blick erkannt, dass es sich um unser Schwert handelt“, erinnert er sich. Die Familie des Waffensammlers war sich laut Schmidbauers Schilderung einig: Wenn das wertvolle Stück dem Museum gehört, wird es zurückgegeben.

Schmidbauer nahm das Richtschwert dann auch gleich an sich und informierte nachträglich die Kriminalpolizei. „Keine zwei Stunden später saßen drei Kriminalbeamte im Museum und haben mich als Zeugen vernommen, eine hochpeinliche Situation.“ Der ehemalige Kreisheimatpfleger ein möglicher Hehler? Mitnichten, auch wenn er das erst seit Kurzem schriftlich hat, wie er scherzt.

In der privaten Waffensammlung fand sich noch weiteres Diebesgut

Weil Schmidbauer beim Blick in die private Waffensammlung erkannt hatte, dass auch noch andere Stücke aus dem Museumsraub von 1971 darunter sein könnten, ging es gemeinsam mit der Kripo zum Fundort. Erneut eine unangenehme Situation: „Die Witwe ist beinahe in Ohnmacht gefallen, die Kripo hat alles durchsucht.“ Kaum zu glauben: Nur zwei der insgesamt 15 Museumsstücke, die im Juli vor 50 Jahren gestohlen wurden, sind nicht wieder aufgetaucht: eine Madonna mit Jesuskind und der Heilige Leonhard, zwei große Holzplastiken aus dem 15. bzw. 16. Jahrhundert. Diese hatten wohl nicht in die Sammlung des Schongauer Waffenfreunds gepasst.

Die Staatsanwaltschaft München II, die die Ermittlungen aufgenommen hatte, stellte diese mittlerweile ein. „Die Stücke aus dem Schongauer Museum werden nicht als Diebesgut gewertet“, so Schmidbauer. Die Gegenstände seien offenbar aus dem freien Kunsthandel gekauft worden. Seitens des LKA wird dies bestätigt. Es habe keine Hinweise zu dem Verstorbenen auf eine Verstrickung mit einer Straftat gegeben. „Es konnte auch nicht mehr nachvollzogen werden, woher die Stücke stammen, es gab keine Unterlagen“, so ein LKA-Sprecher am Freitag.

Aufgeklärt ist der Schongauer Museumsraub damit aber nicht. Weil die Alarmanlage im ehemaligen Museumsgebäude an der Blumenstraße, der heutigen Bücherei, ausgeschaltet war, hatten die Diebe damals leichtes Spiel. Wie sich Schmidbauer erinnert, war es in jenen Tagen offenbar öfter zu Fehlalarmen gekommen – wegen der Erschütterung durch vorbeifahrende Lastwagen.

„Henkerstochter“-Autor Oliver Pötzsch soll Schwert der Öffentlichkeit präsentieren

Als Schmidbauer und Grundner mittags mit ihren Schätzen aus München* zurückkehrten, wartete schon Falk Sluyterman auf sie. Der Schongauer Bürgermeister hat sich anstecken lassen von ihrer Begeisterung: „Dass das originale Henkersschwert nach über 50 Jahren wieder in den Besitz der Stadt kommt und auch im Stadtmuseum wieder zu sehen sein wird, ist wunderschön.“

Schon Anfang Oktober sollen die historischen Waffen dem Publikum zugänglich gemacht werden. Präsentieren wird das Henkersschwert Oliver Pötzsch, der die Geschichte der Schongauer Henker mehr als gut kennt: Der bekannte Autor der „Henkerstochter-Saga“ ist mütterlicherseits ein Nachkomme der Schongauer Henkersfamilie Kuisl. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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