Gestatten, das Neujahrsbaby 2021 im Landkreis: Laura Hammer kam um 2.35 Uhr im Krankenhaus Schongau zur Welt. Foto: krankenhaus gmbh
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Gestatten, das Neujahrsbaby 2021 im Landkreis: Laura Hammer kam um 2.35 Uhr im Krankenhaus Schongau zur Welt.

Neujahrsbaby 2021 ist da

548 Geburten trotz Krankenhaus-Schließung

  • Boris Forstner
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Rund einen Monat war die Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus zwischenzeitlich coronabedingt geschlossen, sonst wäre die Geburtenzahl aus dem Vorjahr (571) locker übertroffen worden. So erblickten schließlich 548 neue Erdenbürger in der einzigen Geburtsklinik im Landkreis das Licht der Welt. Für die erhoffte Millionen-Förderung hätte es aber ohnehin nicht gereicht.

  • Der Landkreis hat sein Neujahrsbaby: die kleine Laura erblickte um 2.35 Uhr das Licht der Welt.
  • Trotz der rund einmonatigen Schließung kamen 2020 in Schongau mehr Kinder zu Welt als noch ein Jahr zuvor.
  • Um die erhoffte Millionen-Förderung zu erreichen, hätten es allerdings noch deutlich mehr sein müssen.

Landkreis – Das ist mal eine Punktlandung: Exakt für den Neujahrstag war der errechnete Geburtstermin für das dritte Kind von Julia Hammer, um 2.35 Uhr kam Laura zur Welt. Das dritte Kind von Julia Hammer nach einem sechsjährigen Mädchen und einem dreijährigen Buben wog 3370 Gramm bei einer Größe von 48 Zentimetern. „Wir waren an Silvester schon um 17 Uhr da, wurden aber wieder heimgeschickt, weil es noch nicht so weit war“, berichtet die 35-jährige Mutter. Gegen 22 Uhr kamen sie zurück, danach dauerte es nicht mehr allzu lang. „Alles hat gut geklappt“, sagt die Mama, auch die Corona-bedingt strengen Hygieneregelungen kannte sie schon aus den vorherigen Kontrollbesuchen und waren kein Problem. Damit startet die Geburtshilfe wie im Vorjahr mit einem echten Schongauer Kindl ins neue Jahr.

Die Verantwortlichen bei der Krankenhaus GmbH hoffen, dass der ersten Geburt noch viele weitere folgen. Denn dass die Geburtshilfe ein Draufzahlgeschäft ist, mag bitter und unbegreiflich sein, ist aber eine Tatsache. Da käme eine Millionen-Förderung sehr gelegen, und tatsächlich gibt es die – allerdings nur für Kliniken, in denen mindestens die Hälfte der Bürger aus einem Landkreis zur Welt kommen. In den vergangenen Jahren hatte es immer geheißen, dafür müssten in Schongau 600 Babys geboren werden. So viele waren es im Landkreis zuletzt 2017 mit 653 Geburten, die sich allerdings auf die Krankenhäuser in Weilheim und Schongau verteilten.

Nachdem die Weilheimer Geburtshilfe im Oktober 2017 wegen Fachpersonalmangels schließen musste, sank die Zahl der Landkreis-Geburten im Jahr 2018 auf nur noch 546 an der dann einzigen Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus, 2019 waren es wie oben erwähnt 571, dieses Jahr hätten die 600 fast erreicht werden können. „585 hätten wir dieses Jahr ohne den Monat Pause bestimmt geschafft“, sagt Krankenhaus-GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann. „Aber wir sind immer noch etwas weg vom erhofften Ziel.“

Denn die Richtmarke 600 stimmt nicht mehr. Lippmann hatte sich zum Stand 30. September beim Landesamt für Statistik erkundigt, wie hoch die Zahl der Geburten in diesem Jahr im Landkreis bisher war, und die Hochrechnung aufs ganze Jahr brachte ein geschätztes Ergebnis von rund 1300 Geburten. Das bedeutet: Um in den Genuss der staatlichen Förderung zu kommen, müsste in Schongau 650 Babys zur Welt gekommen sein.

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„Diese Förderrichtlinien sind schon sehr hart“, kritisiert Lippmann das „Alles oder Nichts“-Prinzip. Eine gewisse Aufweichung würde ihm sehr helfen – wenn also eine Klinik bereits bei weniger als 50 Prozent der Landkreis-Geburten einen Bonus erhält.

Doch woran liegt es, dass sich mehr als die Hälfte der Mütter für eine andere Klinik außerhalb des Landkreises entscheidet? Am Ruf kann es nicht liegen, der ist gut, wie auch Lippmann immer wieder hört. „Viele Eltern sind froh, dass es bei uns familiärer zugeht als an den großen Geburtskliniken“, weiß er.

Das bestätigt Cristina la Rosa, die am 28. Dezember in Schongau den kleinen Rafael Francesco zur Welt gebracht hat: „Unser erster Sohn kam vor zweieinhalb Jahren im Schongauer Krankenhaus zur Welt. Da war für mich klar, dass auch in der momentanen Situation kein anders Krankenhaus in Frage käme, weil man sich total wohl und sicher fühlt.“ Beim Personal sei das Krankenhaus sehr gut aufgestellt. „Auch, dass der Partner solange wie er möchte mit auf dem Zimmer sein darf, ist für die erste Zeit ein großer Pluspunkt“, sagte la Rosa.

Der entscheidende Nachteil ist für Lippmann die Lage. „Wir liegen in einer Ecke des Landkreises. Da ist es klar, dass viele nach Starnberg und Garmisch-Partenkirchen ausweichen.“ Wenn die Geburtshilfe zentral gelegen wäre, sähe das vielleicht anders aus, „aber es ist so, und letztlich hat die Fördermillion beim Thema Erhalt noch nie eine Rolle gespielt. Die Geburtshilfe steht, das bleibt auch so“, betont Lippmann. Ein Monat ohne Landkreis-Baby wie 2020 muss nicht nochmal sein.

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