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Der Einspruch gegen den Strafbefehl hat sich für einen 83-Jährigen vor dem Amtsgericht Weilheim nicht gelohnt.

Aus dem Gericht

83-jähriger Schongauer will um Führerschein kämpfen

Schongau - Dass er gegen einen Strafbefehl wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort Einspruch eingelegt hat, hat sich für einen 83-Jährigen aus Schongau nicht rentiert: Er wurde von Richterin Christiane Serini am Amtsgericht Weilheim zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt. Zudem wird vermutlich überprüft, ob er überhaupt noch in der Lage ist, Auto zu fahren.

Laut Anklage war der 83-Jährige am 3. September 2015 mit seinem Auto gegen eine Luftdrucksäule an einer Tankstelle in Schongau gestoßen, sodass diese aus ihrer Verankerung gerissen worden war. Nachdem er diesen Schaden verursacht hatte, war er zu sich nach Hause gefahren, ohne sich bei der Tankstelle zu melden oder die Polizei zu alarmieren. Den Vorfall hatte jedoch die Videokamera der Tankstelle aufgezeichnet. Deswegen erhielt er einen Strafbefehl, in dem er wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Dennoch legte der Schongauer Einspruch gegen den Strafbefehl ein. Seiner Ansicht nach ist er unschuldig, weil er nicht bemerkt habe, dass er gegen die Luftdrucksäule gestoßen sei. Auch vor Gericht bekräftigte er: „Ich habe es nicht bemerkt.“

Damit machte er die Sache nicht besser, denn mit dieser Aussage stand plötzlich seine Fahrtauglichkeit in Frage. „Sie wissen, dass Sie sich in Schwierigkeiten bringen“, sagte die Richterin. „Hat man mal darüber nachgedacht, ob der Angeklagte nicht seinen Führerschein abgibt? Das nächste Mal ist es keine Luftdrucksäule, sondern vielleicht ein Kind“, sagte Serini.

Doch das wies der 83-Jährige weit von sich: „Das kommt nicht in Frage. Ich bin seit 30 Jahren mutterseelenallein, ich brauche mein Auto zum Einkaufen.“ Auch als der Staatsanwalt dem Angeklagten deutlich machte, dass er den Führerschein abgenommen bekommt, wenn er diesen nicht freiwillig abgibt, änderte sich an seiner Weigerung nichts. Den Schaden an der Luftdrucksäule in Höhe von rund 100 Euro hat der angeklagte Schongauer inzwischen beglichen.

Zu der Frage, ob der Aufprall bemerkbar gewesen ist, war ein Gutachten eingeholt worden, das zu dem Ergebnis kam, dass es eine erhebliche Krafteinwirkung gebraucht hat, um die Verformung an der Säule hervorzurufen. Der Schongauer sei mit einer Geschwindigkeit zwischen vier und acht Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. „Bei dieser Geschwindigkeit sollte man den Aufprall schon mitbekommen“, sagte der Gutachter.

„Für mich steht zweifelsfrei fest, dass der Angeklagte gegen die Säule gefahren ist“, sagte Richterin Serini bei der Urteilsbegründung, nachdem sie den Schongauer zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt hatte. Ob es dabei bleibt, ist noch nicht klar, denn der 83-Jährige kündigte an, eine Instanz weiter ziehen zu wollen.

Kathrin Hauser

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