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Die Räder am Bahnhof haben keinen ordentlichen Platz

Absage der Bahn: Drahteselverhau bleibt

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Es scheint wie verhext zu sein, die Stadt Schongau muss in Sachen Bahnhofsumfeld immer wieder Planungsrückschläge hinnehmen. Jetzt kann aus, wie man meinen könnte, recht fadenscheinigen Gründen der große Fahrradständer nicht gebaut werden. In Frage stellt die Stadt dabei vor allem die Begründung, den Bereich müsse man wegen der „Elektrifizierung“ freihalten.

Schongau Eine gute und eine schlechte Nachricht hatte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich in der ersten Sitzung des Bauausschusses parat: Die Bahn startet Ende Juni mit ihrer Baustelle für den Bau des Mittelbahnsteigs. Am Montag, 29. Juni, soll es losgehen. Die Arbeiten sollen drei Monate dauern, die Fertigstellung ist für Ende September geplant. Für die Fahrgäste soll es teilweise Schienenersatzverkehr geben, vor allem in den Monaten August und September sei dies vorgesehen, so die Information des Stadtbaumeisters.

Den Start des barrierefreien Ausbaus am Schongauer Bahnhof begrüßte Dietrich ausdrücklich und nannte das „positiv“. Und schob die negative Nachricht gleich hinterher. Die großen geplanten Fahrradständer, um endlich Ordnung in den Drahteselverhau am Schongauer Bahnhof zu bringen, können an dieser Stelle nicht gebaut werden. Geplant hatte die Stadt, nördlich des Bahnhofsgebäudes, zwischen Bahnhof und dem nächsten Bahnbauwerk, eine Fahrradabstellanlage zu errichten. Wie gerufen kam da die „Bike+Ride-Offensive“, ein Kooperationsprojekt der Bahn und des Bundesumweltministeriums mit dem Ziel, die Bahnhöfe für den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad in Kombination attraktiver zu machen. Für die Stadt auch in Sachen Finanzierung eine tolle Sache: 60 Prozent der förderfähigen Kosten hätte man erstattet bekommen.

Bahn stellt Flächen nicht zur Verfügung

Das Problem: Um das Projekt umsetzen zu können, hätte die Bahn Flächen zur Verfügung stellen müssen – was sie nun nicht tut. „Die Bahn blockiert seit Jahren jegliche Entwicklung an dieser Stelle“, monierte der Stadtbaumeister. „Wir sind mit guter Planung reingegangen, und es ist uns auch immer signalisiert worden, dass es gute Pläne sind.“ Jetzt sei man darüber informiert worden, dass die Umsetzung an dieser Stelle nicht machbar sei, vom Förderverfahren ist man damit ausgeschlossen.

Dietrich berichtet auch auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten, dass die ablehnende Begründung der Bahn recht fadenscheinig sei. Bei der ersten Ablehnung ging es um die angebliche „Sichteinschränkung des Fahrdienstleiters“, was das städtische Bauamt hinterfragte und Einspruch dagegen einlegte. Die Bahn erteilte trotzdem eine Absage, denn sie lieferte eine zweite ablehnende Begründung: „Weil anscheinend in naher Zukunft die Elektrifizierung nach Schongau kommen soll“, so Dietrich.

Diese Begründung nannte er „nur schwer vorstellbar“. An dieser Stelle würde niemand Oberleitungen aufstellen. Auch dass in zwei komplett gegensätzliche Richtungen argumentiert werde, sei nicht nachvollziehbar. „Es ist eine bittere Pille, die wir da schlucken müssen, das bremst die weitere Entwicklung.“ Man sei frustriert und enttäuscht. „Das wäre ein wichtiger Schritt gewesen für Schongau.“

Auch Bürgermeister ärgert sich über Entscheidung der Bahn

Auch Bürgermeister Falk Sluyterman hielt seinen Arger über die Entscheidung der Bahn nicht zurück. „Die Elektrifizierung ist nur vorgeschoben“, ist er sich sicher. „Andererseits wenn dem so wäre, verzichten wir auf die Anlagen, aber da fließt noch viel Wasser den Lech runter, bis es dazu kommt“, ist sich Sluyterman sicher. Die Elektrifizierung ist seit langem ein Wunsch der Region, würde so eine Anbindung des Krankenhauses und Landsberg etwas näherrücken.

Wie geht es nun weiter? Diese schlechte Nachricht sei noch recht frisch, „wir haben noch keine Lösung“, so Dietrich. Jetzt müsste man nach Alternativen suchen und sehen, ob man eine andere Fläche finde, eventuell mit anderen Grundstückseigentümern verhandeln. Die Zeit, die die Bahn für den barrierefreien Ausbau benötigt, wolle man in jedem Fall nutzen. Rein optisch sei es keine glücklich Lösung der Bahn, wie Dietrich meint. Dort, wo die Fahrräder teilweise an ein Absperrgitter gekettet werden, soll ein Zaun hinkommen. „An dieser Stelle ist das Entrée Schongaus“.

Alle Planungen liegen in der Schublade

Alle weiteren Planungen am Bahnhof und für das Bahnhofsumfeld stehen und fallen mit der Entwicklung von Grundstücksflächen. Die Planungen liegen längst fertig in der Schublade. „Wir könnten loslegen, sobald wir endgültige Entscheidungen der Bahn haben.“ Dass dieser Prozess so zeitraubend ist, wurde in Schongau immer wieder moniert. „Da sprechen zu viele mit“, erklärt es Dietrich. „Wenn es überhaupt vorwärts geht, sind wir glücklich.“ Eine Antwort, wann es also am Bahnhof weitergehen könnte, kann Dietrich daher nicht geben. „Da eine Zeitprognose zu wagen, da lacht mich unser Kämmerer aus. Aber ich bin guter Dinge. Wir stehen Gewehr bei Fuß.“

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