Hört aus gesundheitlichen Gründen auf: Max Becher (links im Bild). Er übergibt demnächst den Schlüssel an Alois Moser, Geschäftsinhaber der Autohaus Ortner GmbH.
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Hört aus gesundheitlichen Gründen auf: Max Becher (links im Bild). Er übergibt demnächst den Schlüssel an Alois Moser, Geschäftsinhaber der Autohaus Ortner GmbH.

Schongauer Autohaus ist an die Ortner-Gruppe verkauft worden

Ära Max Becher in Schongau geht zu Ende

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Max Becher verkauft sein Autohaus. Schon Ende April übergibt er die Schlüssel und damit auch alle seine Mitarbeiter. Ab Mai gehört das Autohaus im Schongauer Westen zur Ortner-Gruppe.

Schongau – „Das ist eine gesundheitliche Geschichte“, berichtet Max Becher frei heraus. „Nichts, was mich sofort umbringt, aber im Gesamten doch einiges.“ Das Herz, Atemaussetzer, der Blutdruck. Und er sei einfach zu klein für seinen Body Mass Index, umschreibt er mit viel Humor seine Gewichtsprobleme.

Nun folgt er dem Ratschlag seines Arztes, ein bisschen langsamer zu tun. Viele Möglichkeiten wurden durchgesprochen. „Dann habe ich entschieden, ich kümmere mich um meine Gesundheit und werden den Betrieb in gute Hände übergeben.“ Das sei grundsätzlich nicht so leicht, schließlich sei der Markt an Autohauskäufern recht überschaubar. „Ich habe auch ein paar Kriterien an mich selbst gestellt und wollte, dass das Personal komplett übernommen wird.

Fast 90-jährige Firmengeschichte

Und dann ging es am Ende doch recht zügig. Becher nahm mit Alois Moser Kontakt auf, Geschäftsinhaber der Autohaus Ortner GmbH mit Häusern in Murnau, Starnberg, Weilheim und Peißenberg. „Ich habe rasch gemerkt, die Chemie stimmt“, so Moser. „Und wenn man sich die anderen Standorte anschaut, könnte Schongau nicht besser dazupassen.“

Damit endet die fast 90-jährige Firmengeschichte Max Becher. Gegründet wurde das Unternehmen vom Opa des Noch-Firmenchefs, ebenfalls ein Max Becher, 1933 in der Amtsgerichtsstraße. Motorräder und Autos der Firma Adler wurden dort repariert und verkauft. 1937 zog der Betrieb neben das Gasthaus Linde, 1948 wurde vergrößert und dann die VW-Vertretung übernommen.

1960 folgte der Neubau auf dem Gelände an der Schongauer Spinne, sechs Jahre später kam die Audi-Vertretung hinzu. Nach dem Tod des Großvaters wurde ab Mitte der 80er Jahre der Betrieb von Vater Max Becher und der Tante weitergeführt.

2016 folgte der Umzug in den Schongauer Westen

Anfang 2000 war der Betrieb verkauft worden, an einen „Branchenfremden aus der Zulieferindustrie“, wie Max Becher bedauert. Nach sieben Jahren musste man Insolvenz anmelden. „Danach habe ich frisch angefangen in einem leeren Autohaus“, so Becher. 2016 erfolgte dann der Umzug in den Neubau in den Schongauer Westen ins Gewerbegebiet Am Lerchenfeld.

Ende der kommenden Woche wird er das Autohaus nun übergeben, mit allen Konsequenzen. „Ich werde sicherlich nicht mein Telefon abschalten, aber ich höre ganz auf“, macht er noch einmal deutlich. Es sei einfach eine Vernunftsfrage, „man meint ja, die Unsterblichkeit aus jungen Jahren auch später noch zu haben, aber so funktioniert es nicht“, weiß der 45-Jährige, der in Altenstadt wohnt.

Wechsel in ein neues Zeitalter der Mobilität

Der Übergang soll nahtlos sein, auch für die 28 Mitarbeiter, und vor allem ohne großen Trommelwirbel, wie Alois Moser (55) meint. Am 30. April bleibt das Autohaus geschlossen für die EDV-Umstellung. „Wir sind gut vorbereitet und haben ein Backup-System“, so Moser. Für die Kunden ändert sich nichts, alles soll so laufen wie zuvor, der Betrieb funktioniert ja.

Insgesamt sei das Automobilgeschäft derzeit nicht das einfachste, „das wichtigste ist, für die Zukunft gerüstet zu sein“, so Moser. Das Elektroauto sei dabei eine große Investition. „Für die Autoindustrie ist nicht Corona das Problem, sondern der Wechsel in eine völlig neue Mobilität.“

Die Antriebe Hybrid und Elektro würden in seiner Firma mittlerweile mehr als 50 Prozent bei den Neuwagenbestellungen ausmachen, „aber das liegt natürlich auch an der Region“. Becher sieht den Raum Schongau ebenfalls als guten Markt für den Absatz von Elektrofahrzeugen, „das Eigenheim ist von Vorteil – da kann ich selbst entscheiden, ob ich eine Ladebox installiere, oder nicht“.

Er sieht die Zukunft aber nicht allein beim Elektro-Auto oder der Wasserstoff-Technik, „es wird einen Mix geben“, ist Becher überzeugt. „Wichtig ist, dass wir nicht die Ressourcen aufbrauchen, die in der Erde sind“, so Moser.

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