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Schuster Dreher: In der Kanzleistraße erinnert nur noch ein Zunftschild an die Werkstatt, der Inhaber verstarb 2011, endgültig zugesperrt wurde 2017. 

App-Daten müssen nochmal überarbeitet werden

Neue Schongau-App völlig veraltet

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Ärger gibt es wegen der „Schongau-App“: Gerade erst von der Stadt gemeinsam mit dem Einkaufsführer für die Altstadt vorgestellt, finden sich darin teils haarsträubende Fehler. Sogar die Werkstatt eines seit vielen Jahren verstorbenen Schusters wird genannt. Die App wird nun noch einmal überarbeitet.

Schongau– Die Schongau-App ist ein Ableger des Einkaufsführers für die Schongauer Altstadt, den die Stadt Schongau bei WIKOMmedia in Auftrag gegeben und erst Ende Dezember vorgestellt hat. Die App ist zwar noch nicht im App-Store erhältlich, aber war seit Mitte Januar bis Mitte dieser Woche über die Seite der Stadt Schongau verlinkt. Einer ersten Prüfung der Liste hielt der Inhalt der App nicht stand. Der Fehlerteufel hat darin geradezu gewütet: Reihenweise alte Adressen sind dort aufgelistet. Mehr als peinlich der Eintrag des Schusters Dreher in der Kanzleistraße: Willi Dreher ist im Jahr 2011 verstorben. Zwar wurde das Geschäft noch weitergeführt, Witwe Angelika Dreher hat aber endgültig im September 2017 zugesperrt. Der Laden gehört heute zur Wohnung.

Die Datenbank, auf die der Verlag zurückgegriffen hat, ist mehr als alt. Weitere Beispiele: Steffi’s Blumen- und Geschenkewelt in der Christophstraße ist schon lange weg, sprichwörtlich: Im Juli 2010 eröffnete der Laden in Peiting in neuen Räumlichkeiten, seit 2017 ist komplett zu. „Dauerhaft geschlossen“ sind auch Flair Mode von Monika Winkler am Marienplatz (heute Spa Nok),das Brautmodengeschäft in der Amtsgerichtsstraße (seit August 2017 Eva Maurer Mode) und AMT Connect in der Münzstraße – in diesen Räumlichkeiten residiert seit ziemlich genau drei Jahren der Mühlenmarkt.

Die Reaktionen auf die Veröffentlichung ließen nicht lange auf sich warten. „Die App ist nichts anderes als lächerlich, um nicht zu sagen eine super Frechheit“, so Franz Andergassen. Er sei ob der vielen Fehler aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, so der Schongauer, der ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen betreibt. Nicht nachvollziehen kann er außerdem die Auswahlkriterien der Stadt und die mangelnde Prüfung der App-Angaben. Seine Kritik richtet sich namentlich gegen Meike Petro. „Wenn ich schon eine Wirtschaftsförderin habe, dann dürfte so was nicht auf die Homepage kommen“, so Andergassen. „Oder sieht so die Förderung der Schongauer Wirtschaft aus?“

„Der Verlag muss noch mal nachbessern“, so Meike Petro. Die Schongauer Wirtschaftsförderin hat sich inhaltlich komplett auf die Arbeit des Olchinger Verlags verlassen. Sie habe die Information bekommen, dass WIKOMmedia auf eine Datenbank für Gewerbetreibende zurückgreife. Dass dort für alle ersichtlich mit veralteten Informationen gearbeitet wird, damit hat bei der Stadt offensichtlich niemand gerechnet, am wenigsten die Wirtschaftsförderin selbst. „Das ist mir durch die Lappen gegangen“, bedauert Petro. Weil man bereits die Neubürgerbroschüre mit dem gleichen Verlag gemacht und damals alles gut geklappt hatte, sei sie gar nicht auf die Idee gekommen, dass bei der App etwas schieflaufen könnte. „Das war ein Fehler meinerseits, dass ich nicht stärker kontrolliert habe.“

Reagiert hat man seitens der Stadt aber diese Woche sofort: Der Link zur App wurde von der Seite genommen. Und Meike Petro hat dem Verlag die Liste der Gewerbetreibenden zur Verfügung gestellt – 240 sind genannt, die relevanten Firmen, Geschäftsleute und Anbieter, sollen erst einmal alle aufgeführt werden.

Petro spricht recht offen: Dass sie nun Gegenwind bekommt für die Fehler in der App kenne sie schon vom Einkaufsführer. „Kritik bin ich mittlerweile gewohnt – der Einkaufsführer wurde von Anfang an schlechtgeredet“, so Petro. „Zwar ist nicht alles glattgelaufen, aber es ist auch nicht gut, wenn sich Geschäftsleute weigern, den Einkaufsführer bei sich auszulegen.“ Das läuft dem Wunsch Petros auf eine positive Darstellung der Stadt natürlich völlig entgegen.

Was den Punkt Kosten anbelangt: Diese tragen derzeit allein die Geschäftsleute: „Die Stadt war quasi Vermittler zwischen Verlag und Gewerbetreibenden“, so Petro, sie selbst habe nur ihre Arbeit eingebracht. 21 Geschäftsinhaber aus der Altstadt hatten sich beim ersten Einkaufsführer beteiligt, mit kostenpflichtigen Anzeigen (ab 468 Euro plus App zwischen 349 und 899 Euro). Online werden für die App folgende Kosten genannt: 799 bis 999 Euro für 12 Monate.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Adressen aktuell sind“, so Jochen Müller, Projektleiter bei WIKOMmedia. Der Verlag habe zeitnah vor Drucklegung – Ende 2018 – die Adressen vom Verlag der Gelben Seiten gekauft, wie schon oft. „Aber dafür müssen wir uns nun wirklich entschuldigen, dass das schiefgelaufen ist.“ Die App werde überarbeitet und als Link baldmöglichst freigegeben. Über den App-Store kann man sie nach seiner Schätzung erst in zwei bis vier Monaten bekommen – so lange dauert die Prüfung.

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