Auch an Bahnhöfen und in Zügen kontrolliert die Polizei regelmäßig, ob die Corona-Regeln eingehalten werden.
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Auch an Bahnhöfen und in Zügen kontrolliert die Polizei regelmäßig, ob die Corona-Regeln eingehalten werden.

Widerspruch kann eingelegt werden

Polizei kontrolliert Corona-Maßnahmen im Landkreis Weilheim-Schongau: Betroffene klagen über 250-Euro-Bußgelder

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Die Corona-Maßnahmen werden von der Polizei regelmäßig kontrolliert – das mussten kürzlich mehrere Betroffene im Landkreis Weilheim-Schongau schmerzhaft erleben.

Landkreis – Auch Tage nach dem Vorfall kann sich Martin Hager noch aufregen. Der Trainer der Altenstadter B-Junioren-Fußballer hatte mit seiner Mannschaft am Freitagabend einen souveränen 4:0-Sieg über die SG Apfeldorf eingefahren, danach stand man noch beisammen. „Weil wegen des Hygienekonzepts nur zwei Spieler gleichzeitig duschen dürfen, dauert das natürlich alles länger“, sagt Hager. Plötzlich sei die Polizei aufgetaucht, was sich im Pressebericht unter dem Titel „Siegesfeier in Coronazeiten“ so liest: „Am Freitagabend gegen 21.15 Uhr wurden vor dem Sportheim in Altenstadt 14 Personen festgestellt. Es handelte sich hier um mehrere Mitglieder der Fußballmannschaft sowie Freunde und Zuschauer, die den Sieg der Mannschaft feierten. Bei dem momentanen Inzidenzwert sind durch das Infektionsschutzgesetz Zusammenkünfte von über fünf Personen untersagt“

Hager sagt, er habe noch versucht, vernünftig mit den Polizisten zu sprechen und die Situation zu erklären, doch das sei zwecklos gewesen – alle 14 erhielten eine Anzeige wegen Verstoß gegen die Corona-Beschränkungen.

Fußballer stehen nach Spiel noch zusammen - Polizei kontrolliert nach Hinweis aus der Bevölkerung

Toni Müller, Vize-Chef der Polizeiinspektion Schongau, sagt, dass seine Kollegen gar keine andere Wahl hatten. „Natürlich haben wir Verständnis, wenn eine Fußballmannschaft ihren Sieg feiern will. Aber bei den derzeitigen Infektionszahlen ist es schwierig, wenn 14 Personen ohne Maske längere Zeit eng zusammenstehen da kann man kein Auge zudrücken.“ Genau durch solche privaten Zusammenkünfte werde das Virus in die Familien getragen, „deshalb müssen wir so etwas konsequent ahnden“. Der Hinweis auf die Feier sei übrigens gemeldet worden, offenbar hatte sich ein Anwohner wegen Ruhestörung beschwert, so Müller.

Weilheimerin ist „äußerst irritiert über dieses Vorgehen der Polizei“

Mehr Fingerspitzengefühl hätte sich auch Katharina Zöller gewünscht. Die Weilheimerin schreibt, ihre 20-jährige Tochter sei mit ihrem Freund (28) am Sonntag gegen 17 Uhr am Weilheimer Bahnhof gewesen, beide hätten auf den Zug nach Schongau gewartet. Der 28-Jährige habe seine Maske noch in der Jackentasche gehabt, als zwei Polizisten gekommen seien und verkündeten, er müsse bald Post vom Landratsamt bekommen und 250 Euro zahlen müssen. „Ich bin äußerst irritiert und verärgert über dieses Vorgehen der Polizei“, schreibt Zöller. „Ist es nicht üblich, in so einem Fall zunächst Verwarnungen auszusprechen?“ Natürlich seien die Vorgaben, dass im Bahnhofsbereich Masken zu tragen seien, klar. Aber sollte die Polizei nicht nur dort einschreiten, wo anders als im Freien tatsächlich eine hohe Ansteckungsgefahr bestehe, „nämlich bei vielen Menschen mit zu wenig Abstand in geschlossenen Räumen?“

Corona-Regeln missachtet: Ordnungsamt verschickt Bußgeldbescheide

Sowohl Zöller als auch Hager können zumindest noch auf Milde hoffen. Denn die Anzeigen der Polizei gehen zum Ordnungsamt im Landratsamt, dort werden die Bußgeldbescheide verschickt. „Vorher erfolgt noch eine Anhörung des Betroffenen, falls das noch nicht durch die Polizei erfolgt ist“, erklärt Ordnungsamtsleiter Helmut Stork. Das erfolge zu 95 Prozent schriftlich, auf Wunsch können die betroffenen Personen aber auch vorbeikommen. „Danach müssen wir entscheiden, ob wir im Bußgeldbescheid bei den 250 Euro bleiben, die die Regel bei solchen Fällen sind, oder weniger oder mehr verlangen“, sagt Stork.

Gegen den Bescheid könne innerhalb von 14 Tagen Widerspruch eingelegt werden, dann werde noch einmal abgewogen, ehe der Fall an die Staatsanwaltschaft gehe. Es seien aber nicht sehr viele Vergehen, so Stork – in den vergangenen vier Wochen seien im gesamten Landkreis nur zwölf Fälle mit Verstoß gegen den Mund-Nasenschutz gemeldet worden, sieben davon im öffentlichen Nahverkehr (Bahnhof oder Zug), fünf in Geschäften. Bei vier Betroffenen in diesem Zeitraum sei bereits die 250-Euro-Bußgeldforderung herausgegangen, „die anderen sind noch nicht entschieden“, so Stork.

Corona-Regeln: Bayernweiter Kontrolltag

Ganz aktuell hat er gestern zusätzlich noch die Fälle von Freitag auf den Tisch bekommen, dem bayernweiten Kontrolltag: Während die Polizei Weilheim noch keine Daten nennen konnte, meldete die Polizei Penzberg sieben Fälle – und Schongau die 14 Personen der „Siegesfeier“ aus Altenstadt. B-Junioren-Trainer Hager ist einigermaßen ratlos, was er künftig machen soll, um so etwas zu verhindern: „Wir werden sicher Maßnahmen ergreifen und unser Konzept nochmal überdenken“, kündigt er frustriert an.

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Landkreis Weilheim-Schongau lesen Sie in unserem Newsticker.

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