Klärwerke mahnen

Ekel-Alarm: Das passiert, wenn Feuchttücher in der Toilette landen

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In die Toiletten geworfene Feuchttücher und andere Abfälle sind auch in den Kanälen und Klärwerken im Schongauer Land ein Ärgernis. Sie machen den Beschäftigten viel zusätzliche Arbeit, die alles andere als appetitlich ist.

Schongau – Egal ob für den Baby-Popo oder den Eigengebrauch: Feuchttücher und feuchtes Toilettenpapier gehören nicht ins Klo, sondern in die Restmülltonne. Dass sich diese eindringliche Bitte der Abwasserbetriebe nicht alle Bürger zu Herzen nehmen, beobachten auch die Mitarbeiter im Peitinger Klärwerk. Die Menge Müll, die ihr Rechen aus dem Abwasser fischt, ist beachtlich: Zwei 600-Liter-Container füllen sich nach Angaben von Werksleiter Franz Wörnzhofer pro Woche. Darunter sind nicht nur Feuchttücher, die sich zu Zöpfen verdrehen, sondern auch Haare und Müll. „Da ist vom Salat bis zum Ohrenstäbchen alles dabei“, sagt Wörnzhofer.

Mit Grausen erinnert sich der Leiter an die Probleme, die das Klärwerk früher hatte. Üblicherweise muss der riesige Faulbehälter überhaupt nicht entleert werden. Von 2004 bis 2014 war das allerdings drei mal der Fall. Der Grund: Vor allem Tücher führten zu Verstopfungen. „Das war ein Riesenaufwand und -dreck, wir haben ausgesehen wie Schweine“, berichtet der Klärwerkchef von den aufwändigen Reinigungsarbeiten, als mehr als 1000 Kubikmeter Faulschlamm entfernt werden musste.

Andernorts sind es die Pumpwerke der Kanäle, denen die Feuchttücher zusetzen. Zuletzt schlugen zum Beispiel die Ammersee Wasser- und Abwasserbetriebe (AWA) Alarm. Ihnen gehören im Landkreis die Gemeinden Wielenbach und Pähl an. Die Störungen in den Pumpwerken hätten sich zuletzt gehäuft, hieß es von der AWA, die alle Grundstückbesitzer anschrieb. Das Problem: Die Fasern der Feuchttücher lösen sich im Gegensatz zu normalem Toilettenpapier im Wasser nicht auf, es kommt zu Verzopfungen, die wiederum zu Verstopfungen in den Pumpwerken führen.

Für die Mitarbeiter wird es dann sehr unappetitlich. Sie müssen die Pumpe abstellen und öffnen, um dann das schmutzige Geflecht per Hand entfernen zu können. In Schongau war das vor drei Jahren häufiger der Fall, erinnert sich Robert Hornik. Nach Angaben des Abwassermeisters der Stadtwerke gab es damals in Schongau Ost massive Probleme mit 30 mal 30 Zentimeter großen Reinigungstüchern, die den Pumpen zu schaffen machten. „Wir haben dann dort alle Firmen besucht“, berichtet Hornik. Anschließend habe es keine größeren Problem mehr gegeben. Wer der Verursacher war, weiß der Abwassermeister bis heute nicht.

Die Feuchttücher sorgen derweil auch auf dem Land für Probleme. „Wir sind mit Sicherheit kein weißer Fleck“, sagt Böbings Bürgermeister Peter Erhard. „Bei uns wird das vermehrt zum Problem“, berichtet der Rathauschef von den Verzopfungen der Feuchttücher in den Pumpstationen, „die gefühlt mehr geworden sind“. Im nächsten Mitteilungsblatt will Erhard nun die Bürger gezielt darauf hinweisen, dass die Tücher nicht in die Toilette gehören.

„Die Toilette ist kein Abfalleimer“, betonen auch die Experten in Peiting und Schongau. Und Abwassermeister Hornik weist überdies noch auf eine weitere Gefahr hin: „Wer Lebensmittel in die Toilette wirft, lockt Ratten an.“

Appell im Internet

Mit einem originellen Internetauftritt und mehreren Aktionen hat sich die Stadtentwässerung Dresden dem Problem der Feuchttücher und der anderen Abfälle genähert, die nicht in die Toilette gehören. Unter www.kein-muell-ins-klo.de erfahren nicht nur Dresdner, was sie auf dem Klo tunlichts unterlassen sollten. Der Appell kam gut an: So protestierten im vergangenen Jahr als „Kackhaufen“ verkleidete Demonstranten in Dresden lautstark gegen den Müll im Klo. Dabei gaben sie auch einige Sprüche des zuvor initiierten Reimwettbewerbes „Reimscheißer“ zum Besten: „Windel, Feuchttuch und Tablette, geh’n dem Klärwerk auf die Kette“, hieß der eine, „nutzt du mal ein feuchtes Tuch, widersteh’ dem Spülversuch“, ein anderer. Der Gang zum Mülleimer sei ein kleiner Schritt und könne viel bewirken, heißt es. 

Rubriklistenbild: © Jörg von Rohland

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