Das Team, das den Christbaum auf dem Marienplatz fest verankert hat: (h.v.l.) Bernd Pietroschka, Konrad Gruber, Albert Bißle, Martin Erhard, Markus Wörnzhofer und kniend Tobias Walters. 
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Das Team, das den Christbaum auf dem Marienplatz fest verankert hat: (h.v.l.) Bernd Pietroschka, Konrad Gruber, Albert Bißle, Martin Erhard, Markus Wörnzhofer und kniend Tobias Walters. 

Stattliche Blaufichte ist auf dem Schongauer Marienplatz aufgestellt worden

Albert Bißles letzter Weihnachtsbaum

Genau vier Wochen vor Weihnachten ist auf dem Marienplatz in Schongau der Christbaum aufgestellt worden – aber ohne Weihnachtsmarkt, Buden, Bläser und Glühweinzauber. Trotz allem soll die Altstadt durch weihnachtliche Lichterketten erstrahlen.

  • Der diesjährige Schongauer Weihnachtsbaum ist in der Lechvorstadt geschlagen worden
  • Polizei eskortiert den Transport bis in die Fußgängerzone
  • Für Albert Bißle ist es der letzte offizielle Weihnachtsbaum

Schongau – Dichter Nebel liegt am vergangenen Dienstagmorgen über der Lechvorstadt und dem wunderschön gewachsenen Nadelbaum im Grundstück von Gudrun Heiserer. In wenigen Stunden wird der Baum nicht mehr ihr Anwesen zieren, sondern der diesjährige Christbaum auf dem Marienplatz Schongau sein. „Er ist einfach zu groß geworden“, so die Besitzerin. Deshalb hat sie den Baum der Stadt zur Verfügung gestellt.

Gudrun Heiserer steht mit Schwiegertochter Hildegard vor dem Baum, um mit ihrem Handy noch einige Fotos zu machen. Dabei werden Erinnerungen wach, die Gudrun durch den Kopf gehen. Vor gut 36 Jahren hat sie mit ihrem Mann Alois das Haus gebaut und bezogen. „Natürlich haben wir sofort nach dem Einzug nach alter Tradition diesen Baum gepflanzt“, sagt Heiserer.

Dann geht es Schlag auf Schlag

Doch die Freude an dem Wuchs des Baumes währte für den Familienvater nur kurze Jahre. Auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle mit dem Fahrrad verunglückte Alois tödlich.

Gudrun Heiserer wird aus ihren Gedanken gerissen: Das Team der Schongauer Stadtgärtner ist mit Fahrzeugen inklusive Lafette eingetroffen. Im Schlepptau wie jedes Jahr Konrad Gruber, der mit seinem Autokran unersätzlich ist. Es geht Schlag auf Schlag, schließlich hat man die Prozedur des Absägens, des Transports und des Aufstellens des Christbaumes schon x-mal gemacht.

Auf einer Lafette, einem fahrbaren Gestell, wurde der Christbaum zum Marienplatz gebracht. Er war kurz vorher im Garten von Gudrun Heiserer in der Lechvorstadt geschlagen worden. 

Für einen, der in dieser Angelegenheit wirklich ein alter Hase ist, wird es das letzte Mal sein: Albert Bißle, Holzer mit Leib und Seele, geht im kommenden Jahr in Ruhestand. Deshalb wird dieser Baum sein letzter offizieller sein.

Bißle erinnert sich an seinen ersten Einsatz in Sachen Christbaumschlagen für Schongau: „Es war im Jahr 1978, als ich das erste Mal mit dabei war“, so Bißle. Und fügt hinzu, dass es damals noch keinen Luxus eines Krans wie den von Konrad Gruber gab. „Wir haben den Baum mit Schwalben aufgestellt, das war ein richtiger Kraftakt.“ Es dauerte zwar etwas länger, aber der Glühwein danach schmeckte umso besser.

Frage nach der Art des Baumes

Vor Ort in der Rösenaustraße läuft es derweil rund: Bernd Pietruschka muss wieder mal in das Gezweig steigen, Markus Wörnzhofer fährt die Lafette in Position. Konrad Gruber zieht den an den Kran gebundenen Baum auf Spannung, und Bißle kann sich austoben: Einige geübte Schnitte in den Stamm, und der Baum ist abgetrennt.

Eine kleine Erörterung am Rande zwischen Gudrun Heiserer und Bernd Pietruschka: Die Art des Baumes schwebt genauso in der Luft wie der Baum selbst. Für sie war es jahrelang eine Weißtanne, für den Gärtner mit dem grünen Daumen eine Blaufichte. Der Experte behält am Ende Recht.

Aktion dauert keine zwei Stunden

Die Polizei eskortiert den Baum-Transport problemlos bis zum Marienplatz. Der schlanke Baum gleitet förmlich auf der Lafette zwischen den geparkten Autos hindurch. Am Aufstellplatz darf Tobias Walters das erste Mal die Grube öffnen. Er soll schließlich in die Fußstapfen von Bißle treten. Das alles unter den Augen von Martin Erhard, der ja in diesem Jahr die Leitung der Stadtgärtnerei übernommen hat.

Auch Gudrun Heiserer ist zum Marienplatz gekommen und dokumentiert das Geschehen. Keine zwei Stunden hat es vom Abschnitt in ihrem Garten bis zur Versenkung und Verschraubung auf dem Marienplatz gedauert. Wenn jetzt noch die Lichterkette am Baum angebracht ist, kann der erste Advent kommen.

Hans-Helmut Herold

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