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Stolzer Fernseher-Besitzer: Eberhard Schulze Weihnachten 1963 vor seinem Gerät, das ihm drei Jahre zuvor das Schongauer Geschäft Fernsehen Radio Klein geliefert hatte. Die Mütze gehörte seiner Frau.

Fernsehen vor 60 Jahren 

Als die Post noch das Fernsehen erlaubte

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„Es war wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammen.“ Im Sommer 1960 begann im Wohnzimmer der Familie Schulze das Fernsehzeitalter. Brigitte Schmitt erinnert sich noch genau an den Tag, als das schwere Röhrengerät in die Schongauer Pöllandtstraße geliefert wurde. Und an die umfängliche Genehmigung der Post, die ihr Vater dafür benötigte.

Schongau Als die 69-Jährige jüngst im Nachlass ihrer Eltern blätterte, stieß Brigitte Schmitt auf das Dokument, das ihr all die fröhlichen Fernsehabende mit der Familie wieder in Erinnerung brachte: die „Fernseh-Rundfunkgenehmigung“ ihres Vaters Eberhard Schulze.

Wenn man das 13 Punkte umfassende Regelwerk studiert, erschließt sich dem Betrachter rasch, dass Fernsehen vor knapp 60 Jahren noch eine sehr ernste Angelegenheit war. Zumindest aus Sicht des damals für die Schulzes zuständigen Postamtes in Schongau: „Die Fernseh-Rundfunkgenehmigung berechtigt den Inhaber, eine Fernseh-Rundfunkempfangsanlage ausschließlich in unten stehenden Räumen zu errichten und zu betreiben“, heißt es in dem Dokument zum Beispiel im perfekten Amtsdeutsch. Es folgt die eindringliche Warnung, dass die Genehmigung nicht übertragbar sei. Und: „Es dürfen nur solche Sendungen empfangen werden, die für die Allgemeinheit bestimmt sind. Sollten unbeabsichtigt andere Sendungen empfangen werden, so dürfen sie weder aufgezeichnet noch anderen mitgeteilt, noch für irgendwelche Zwecke ausgewertet werden; das Vorhandensein solcher Sendungen darf auch nicht irgendwie zur Kenntnis anderer gebracht werden ... “

Eine sehr formelle Angelegenheit war damals für das Postamt die Genehmigung für den Fernseher.

Eberhard Schulze kam nicht in die Versuchung, nach schwarzen Kanälen zu suchen und sie zu verbreiten. Der damalige Offizier der Bundeswahr zahlte brav seine fünf Mark pro Monat und begnügte sich zunächst mit nur einem Programm. Die ARD hatte damals noch ein Monopol in Deutschland und strahlte 1960 die Olympischen Spiele in Rom aus. Nur wegen dieses Großereignisses hatte der Familienvater das Gerät überhaupt angeschafft: „Er war früher eigentlich immer gegen Fernsehen, aber sehr sportbegeistert“, erinnert sich die damals zwölfjährige Tochter. Und wo der Fernseher schon mal da war, blieb es natürlich nicht nur beim Sport. Die Familie versammelte sich zum Beispiel begeistert am Gerät, als Anfang der 60er Jahre die amerikanische Serie „Vater ist der Beste“ im Vorabendprogramm über die schwarz-weiße Mattscheibe flimmerte. Die harmonische Familiengeschichte der „Andersons“ schweißte auch die Schulzes am Fernseher zusammen. Den Kindern erlaubte der Vater zudem, Tierfilme zu sehen, der leidenschaftlicher Fallschirmspringer selbst freute sich vor allem auf die Sportschau.

Heute braucht niemand mehr eine „Fernseh-Rundfunkgenehmigung“ im Schongauer Postamt zu beantragen, wenn er sich einen Flachbildschirm samt hunderter digitaler Sender ins Haus holt. Der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) entkommt er sowieso nicht. Jeder Haushalt, der nicht ausdrücklich um eine Befreiung bittet, muss bekanntlich 17,50 Euro monatlich bezahlen. Dafür darf er dann aber so viele Fernseher und Radios aufstellen, wie es ihm beliebt. 1960 musste noch jeder Fernseher einzeln angemeldet werden.

Brigitte Schmitt und ihr Mann Werner, die heute an der Amselstraße in Schongau leben, widerstehen den Verlockungen der Neuzeit dennoch problemlos: „Wir haben nur einen Fernseher, mehr brauchen wir nicht.“

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