1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

Als Schongau noch ein Eisenbahnknoten war

Erstellt:

Kommentare

Andreas Holzhey bei seinen Ausführungen am Bahnhof. Unter den Zuhörern auch Fritz Holzhey (r.).
Andreas Holzhey bei seinen Ausführungen am Bahnhof. © Historischer Verein

Die Mitglieder des Historischen Vereins waren jüngst eingeladen, sich am Schongauer Bahnhof vor Ort über „Schongau im bayerischen Eisenbahnnetz gestern, heute und morgen“ zu informieren. Experte Andreas Holzhey referierte mit Blick auf Bahnanlagen und Bahnhofsgebäude ausführlich.

Schongau – Nicht nur als Verkehrsplaner, auch aus persönlichem Engagement war und ist Andreas Holzhey, Diplomingenieur für Verkehrswesen, bereit, aufzuzeigen, inwiefern Zugverbindungen der Region von Nutzen waren, es heute sind und in Zukunft sein können. Mit der Stadt Schongau und den umliegenden Gemeinden ist er gern und immer wieder im Gespräch, um anhand von Straßenverkehrsaufkommen, der Entwicklung von Einwohner-, Arbeitsplatz- und Pendlerzahlen die Rentabilität der Investitionen in das Zukunftsprojekt Schiene statt Straße darzustellen.

Darum waren mit Bürgermeister Falk Sluyterman auch weitere Vertreter der Stadtverwaltung gekommen, um vor Ort zu hören, wie ab 1922 über fünf Jahrzehnte hinweg Schongau ein Eisenbahnknoten war, mit Linien ins Allgäu sowie über Landsberg und Kaufering nach Augsburg und über Weilheim in Richtung München oder Garmisch.

Der einzige Lok-Ringschuppen im Landkreis Weilheim-Schongau steht in Schongau. Auf der Drehscheibe die Dampflok 50 1201 (Oktober 1964).
Der einzige Lok-Ringschuppen im Landkreis Weilheim-Schongau steht in Schongau. Auf der Drehscheibe die Dampflok 50 1201 (Oktober 1964). © R. Birzer

Im Personenverkehr wird heute nur noch die Strecke Schongau-Weilheim mit Anschlüssen nach München und Garmisch bedient. Diese Strecke ist aber, wie Holzhey ausführte, nur für geringe Achslasten zugelassen, daher nicht für den Güterverkehr geeignet. Im Gegensatz dazu ist die Strecke nach Landsberg nach Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren dafür sehr wohl geeignet. Deshalb rollen dort auch Güterzüge mit einer Länge bis zu 400 Meter, die jeweils bis zu 40 Lkw-Fahrten vermeiden.

Für den Personenverkehr wären laut Holzhey zwei Verbesserungen sehr wünschenswert. Einerseits die durchgehende Verbindung von Schongau nach München, die aber wegen der bereits stark frequentierten Strecke Garmisch-München schwer realisierbar sein könnte. Ferner die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke Schongau-Landsberg-Augsburg. Dieses Projekt wird derzeit sehr umworben, aber nicht von sämtlichen Anrainergemeinden ausreichend unterstützt. Doch nur so könnte es zum Vorteil für alle bezüglich Mobilität und Klimafreundlichkeit eine Chance bekommen.

Die Dampflok 50 1037 nimmt als Übergabezug mit Volldampf die Steigung Richtung Hohenfurch. Das rechte Gleis führte nach Kaufbeuren (November 1969).
Die Dampflok 50 1037 nimmt als Übergabezug mit Volldampf die Steigung Richtung Hohenfurch. Das rechte Gleis führte nach Kaufbeuren (November 1969). © R. Birzer

Andreas Holzhey benannte in diesem Zusammenhang Sicherheitsauflagen, wodurch zum Beispiel für die Verlängerung der Strecke zum Schongauer Krankenhaus nur ein neues elektronisches Stellwerk infrage komme, das allein Millionen im zweistelligen Bereich verschlingen würde. Ein solches wäre dann aber auch die Basis für die ganze Strecke bis Landsberg. Deshalb betonte Holzhey die Notwendigkeit der überregionalen Sichtweise über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg und dass sich die Nutzung eines Netzes erst mit der Verknüpfung benachbarter Linien richtig entwickeln würde. Dieses befördere dann nämlich nicht nur Pendler und bringe Reisende bequem und direkt an ihre Reiseziele, sondern könne auch umgekehrt den Landgemeinden durch bessere Erreichbarkeit Standortvorteile verschaffen.

Es waren die Ressourcen vor Ort, Wasserkraft und Waldreichtum, die die Familie Haindl motivierten, neben der Fabrik in Augsburg einen zweiten Standort in Schongau zu planen. Aber für den Bau der Holzstofffabrik entscheidend war die Anbindung an Augsburg durch die 1886 erweiterte Eisenbahnstrecke von Landsberg bis Schongau. 1902 übernahm Schwiegersohn Anton Holzhey die Werksleitung und seitdem war die Familie Holzhey auch maßgeblich verantwortlich für die florierende Entwicklung der Papierfabrik, deren erste Papiermaschine 1905 in Betrieb ging.

Neues wagen führt zum Erfolg. So könnte auch heute durch den dafür notwendigen Beschluss der Aufgabenträger und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft eine Zugverbindung nach Augsburg zukunftweisende Weichen stellen. Aber nur, wenn alle Gemeinden an der Strecke diese Chance sehen und öffentlich entschlossen dafür auftreten. Diese Botschaft vermittelte Andreas Holzhey den über 40 Interessenten bei diesem Treffen am Schongauer Bahnhof eindrücklich mit Zahlen und Fakten.

HEIDE KRAUTHAUF

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Schongau finden Sie auf Merkur.de/Schongau.

Auch interessant

Kommentare