Viele haben die Peißenberger Online-Kinderkirche angeschaut. Pastoralassistent Tobias Schmitt: „Wir konnten Ausschnitte für diesen Gottesdienst an einem  besonderen Ort drehen – nämlich bei einer Eselin mit ihrem Fohlen. Das hat für Begeisterung bei Jung und Alt gesorgt. Zum anderen gelingt es, Menschen zu erreichen, die nicht in die Kirche kommen würden.“ Die nächsten Filme an Karfreitag und Ostersonntag sind über die Homepage der Pfarrei abrufbar.

„Für Gemeinde da sein“

Pfarrer fährt mit Pick-Up zum Osterkörbe-Segnen: Glaube und Gottesdienste in Zeiten von Corona

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Gottesdienste finden wegen Corona nur noch nichtöffentlich statt. Eine schwierige Situation für Gläubige. Doch sie bleiben zumindest im Gebet miteinander verbunden. 

Landkreis – Ostern rückt näher, doch gefeiert werden muss heuer anders als in den vergangenen Jahren. Wegen Corona finden Gottesdienste nur noch nichtöffentlich statt – auch an den Kar- und Ostertagen. Die Kirchen im Landkreis Weilheim-Schongau wollen dennoch versuchen, ihre Gemeindemitglieder in dieser herausfordernden Zeit zu begleiten – kontaktlos, versteht sich. „Als Kirche vor Ort wollen wir besonders jetzt Orte der Hoffnung und des Trostes sein“, sagt Pfarrer Sebastian Schmidt von der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt.

Er plant zum Beispiel, die Straßen an Ostern mit einem Traktor oder Pick-Up abzufahren, um die Osterkörbe, die Menschen in ihren Garten stellen können, zu segnen. Vorgesehen ist dabei folgender Fahrplan: Samstag: ab 17 Uhr Schwabruck, ab etwa 18 Uhr Schwabsoien und anschließend Sachsenried. Am Sonntag fährt Pfarrer Schmidt ab 9 Uhr durch Altenstadt, ab etwa 10 Uhr durch Schwabniederhofen und anschließend durch Hohenfurch.

Pfarrer im Landkreis Weilheim-Schongau feiern Gottesdienste stellvertretend für Gläubige

Auch andere Pfarrer im Landkreis überlegen, wie sie die Feierlichkeiten heuer gestalten. Sicher ist, dass es in allen Kirchen Gottesdienste geben wird – wenn auch nichtöffentlich.

So wird es bereits seit einigen Wochen gehandhabt: Pfarrer Schmidt feiert täglich stellvertretend für alle Gläubigen einen Gottesdienst. „Das Glockengeläut fünf Minuten vor Beginn und bei der Wandlung soll die Menschen einladen, zu Hause im Gebet daran teilzunehmen“, so Schmidt.

Ähnlich sieht es auch in anderen Pfarreien aus. „Hausgottesdienste, wie sie zu urchristlichen Zeiten Gang und gäbe waren, bekommen eine neue Bedeutung“, sagt Pfarrer Bernhard Holz von der Pfarrei Christkönig in Penzberg. „Das Bistums Augsburg gibt im Internet Hilfestellungen, wie man Gottesdienste daheim feiern kann.“

Gottesdienste können online geschaut werden

Außerdem können Gottesdienste online angeschaut werden. Zum Beispiel haben die evangelischen Pfarrer in Weilheim, Peißenberg, Peiting und Schongau Gottesdienste aufgenommen. Um den Austausch zu ermöglichen, können Kommentare und Mails geschrieben werden, erklärt Dekan Jörg Hammerbach aus Weilheim. Um auch Menschen in Alten- und Pflegeheimen Zugang zu den Gottesdiensten zu ermöglichen, wurde überlegt, eine CD aufzunehmen, so Hammerbach. Noch sei aber unklar, ob die Idee umsetzbar ist.

Auch katholische Gottesdienste können online geschaut werden. Es gibt Messen mit Papst Franziskus über „vaticannews“ und Gottesdienste mit Diözesanadministrator Bertram Meier (Sonntag 10 Uhr und werktags 19 Uhr). A-TV und Allgäu-TV übertragen diese im Fernsehen, ansonsten per katholisch1-tv channel im Internet.

Pfarrer sind für seelsorgerische Gespräche erreichbar

Außerdem sind die Pfarrer für seelsorgerische Gespräche weiterhin telefonisch erreichbar. In der evangelischen Gemeinde in Weilheim und der katholischen Pfarrei Christkönig in Penzberg wird dieses Angebot kaum angenommen – doch das könnte sich ändern, glaubt Pfarrer Bernhard Holz aus Penzberg. „Die Menschen müssen sich erst einmal sortieren und schauen, wie sie mit der Situation klarkommen“.

Dieser Einschätzung schließt sich der evangelische Dekan Jörg Hammerbach an. In Peiting hat die evangelische Gemeinde aktiv ältere Mitglieder angerufen. „Das kam gut an. Die Leute waren dankbar, dass an sie gedacht wurde.“ Bei Pfarrer Sebastian Schmidt in Altenstadt melden sich schon jetzt täglich Menschen, die ihm schildern, wie furchtbar die Situation für ihr Glaubensleben ist. „Ich versuche, den Menschen bewusst zu machen, dass wir als Kirche im Gebet verbunden bleiben.“

So sieht es auch Dekan Jörg Hammerbacher: „Es fällt uns nicht leicht, auf die Zusammenkunft im Gottesdienst zu verzichten. Das ist ein tiefer Einschnitt. Aber es ist gleichzeitig natürlich auch ein angemessener und sinnvoller Schritt.“ Auch wenn die Zeiten gerade herausfordernd sind – das wird sich auch wieder ändern. „Wir werden noch viele Ostern feiern – heuer eben etwas anders als sonst.“

So laufen Taufen, Kommunion und Beerdigungen jetzt ab

Nicht nur die Sonntagsgottesdienste sind von der Coronakrise betroffen, auch zahlreiche Feierlichkeiten in der Kirche laufen nun anders ab. Taufen und Hochzeiten für den April mussten abgesagt beziehungsweise verschoben werden. „Ob sie im Mai oder Juni stattfinden können, ist unklar. Ich habe den betroffenen Paaren geraten, die Feiern möglichst zu verschieben. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da viel zu organisieren ist. Es hängen ja zum Beispiel auch Restaurantbesuche oder Auftritte von Musikern daran. Die sind für das kommende Jahr bereits mit anderen Hochzeiten ausgebucht“, sagt Pfarrer Bernhard Holz aus Penzberg. 

Auch Kommunionen, Firmungen und Konfirmationen können nicht wie geplant im Frühling stattfinden. Einige Gemeinden haben diese Feiern in den Sommer oder Herbst verlegt, andere gleich um ein Jahr verschoben, damit die richtige Vorbereitung darauf stattfinden kann. 

Beichten werden weiterhin abgenommen – da der nötige Abstand zwischen Pfarrer und Gläubigem im Beichtstuhl allerdings nicht eingehalten werden kann, werden andere Räume genutzt. Eine telefonische Voranmeldung im Pfarrbüro ist erforderlich. 

Zu Beerdigungen dürfen nur noch wenige Besucher kommen. Die Gruppe der Trauernden ist inklusive des Pfarrers und Mitarbeiter der Bestattungen auf maximal 15 Personen minimiert. Erdwurf und Weihwassergaben am Grab sowie das gemeinschaftliche Rosenkranzgebet sind nicht mehr erlaubt. „Da auf den Dörfern ein enges Gemeindeleben stattfindet, ist dies für Freunde und Nachbarn von Verstorbenen eine große Einschränkung. Größere Familien müssen überlegen, wer von ihnen an Beerdigungen teilnehmen darf“, so Pfarrer Sebastian Schmidt aus Altenstadt. Auch Dekan Jörg Hammerbacher weiß, dass es für alle Angehörigen eine schwierige Situation ist. Er bietet deshalb an, nach der Coronakrise Gedenkgottesdienste zu feiern, damit alle noch einmal die Möglichkeit haben, sich in der Kirche vom Verstorbenen zu verabschieden.

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie in unserem Newsticker.

Lesen Sie auch: Postkarten ersetzen Besuche - so läuft das Leben in den Seniorenheimen im Landkreis aktuell ab

Außerdem interessant: Tragen Sie hier Ihr Restaurant oder lokales Unternehmen mit seinem Corona-Service ein. Vom Lieferservice bis Abholdienst bis zur Dienstleistung. In dieser Karte haben wir bereits alle Einträge zusammengefasst.

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