Es muss nicht unbedingt Plastik sein: Im „Marmitas“ in Weilheim werden auch transportfähige Glasschalen für das Essen angeboten.
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Es muss nicht unbedingt Plastik sein: Im „Marmitas“ in Weilheim werden auch transportfähige Glasschalen für das Essen angeboten.

Zur Abfall-Vermeidung

Alternativen zu Einweg-Plastik gesucht

  • VonTheresa Kuchler
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Essbare Eislöffel und Pfandbehälter – das Verbot von Einweg-Plastikprodukten verlangt nach Kreativität. Seit Juli ist innerhalb der EU die Produktion von Einweg-Geschirr und -Besteck aus Plastik verboten. Wirklich gut vorbereitet war man im Landkreis darauf aber offenbar noch nicht.

Landkreis – Am 3. Juli ist das Verpackungsgesetz zur Abfallvermeidung in Kraft getreten. Verboten sind nun bestimmte Einwegkunststoffprodukte. So dürfen beispielsweise keine Strohhalme aus Plastik mehr gefertigt werden, keine Rühr- und Wattestäbchen. To-Go Becher und Fast-Food-Verpackungen aus Styropor sind ebenfalls nicht mehr erlaubt. Im Landkreis stößt das größtenteils auf Unbehagen. Abfallberaterin Claudia Knopp von der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA) hat den Eindruck, dass bezüglich dieses Themas im Landkreis noch einiges passieren muss. „Viele Betriebe sperren sich gegen Veränderung“, erklärt sie.

Kuno Schmidts, Inhaber des Cafés „Veramente“ in Weilheim, äußert Zweifel an der Regelung. Er hat „Strohhalme auf Vorrat gekauft“. Sein Grund: Ein Mangel an Alternativen. Die mittlerweile oft verwendeten Papier-Strohhalme „lösen sich einfach komplett auf“. Eine Alternative zu den ebenfalls problematischen Einweg-Bechern bietet er aber schon an: „Kunden können ihre eigenen Becher mitbringen, die dann mit heißem Wasser ausgespült und mit dem Getränk der Wahl befüllt werden.“ Gäste, die dieses Angebot annehmen, bekommen dann sogar einen 20-Prozent-Rabatt. Dieses System hat „sich bei den Stammkunden mittlerweile ganz gut eingespielt“, erklärt Schmidts. Aber ganz ohne Einweg-Materialien könne er es sich schlecht vorstelle

Bis es Ersatz gibt, werden Vorräte aufgebraucht

Gerlinde Sirch, Miteigentümerin des Grillshops Sirch in Weilheim, hat auch noch keinen Ersatz für das verpönte Einweg-Geschirr gefunden. Sie sei aber aktiv auf der Suche nach einer besseren Alternative. Und „sobald wir wissen, was Sache ist, steigen wir da auch ein“, so Sirch. Im Moment komme sie mit dem noch vorhandenen Vorrat an Einweg-Materialien über die Runden.

Ähnlich sieht es bei „Pizza Dom“ in Schongau aus: Inhaber Michél Schlegel gibt zu, dass er bisher keine Ersatzprodukte für die Aluminium- und Plastikverpackungen angeschafft habe. Nach Rücksprache mit seinem Lieferanten wolle er vielleicht auf Karton oder Papier umsteigen. „Bei vielen Außer-Haus-Gerichten ist das aber schwierig – zum Beispiel bei Salaten und Nudeln“, sagt Schlegel. Für bestimmte Gerichte, wie beispielsweise Rigatoni al Forno, sieht der Gastronom gar keine andere Möglichkeit als die Zubereitung in der Aluminium-Schale. „Die Nudeln müssen bei 500-600 Grad gebacken werden. Andere Materialien verbrennen ja bei den Temperaturen.“

Manche Cafés haben dem Einwegplastik schon länger ganz den Rücken gekehrt. So gibt es in der Bäckerei Schwarzmeier in der Pöltner Straße in Weilheim „als Bio-Bäckerei ausschließlich mehrfach verwendbares Geschirr“, berichtet Mitarbeiterin Therese Schäker.

Auch im Einzelhandel ist Kreativität gefragt

Neben der Gastronomie-Branche ist auch der Lebensmittel-Einzelhandel von der neuen Gesetzeslage betroffen. Dass auch beim Einkaufen eine nachhaltige Verpackungswirtschaft notwendig ist, weiß Sabine Keyser von Herzogsägmühle. In Peiting und Schongau, wo die Diakonie ihre „Mühlenläden“ betreibt, mache man sich schon seit einiger Zeit Gedanken um alternative Verpackungsmöglichkeiten. Bereits vor dem Inkrafttreten der neuen Regelung habe es dort wiederverwendbare Gemüse- und Obst-Netze, genähte Brotbeutel und Bienenwachstücher gegeben. „Die Läden machen sich wirklich eine große Mühe“, betont Keyser. „Zu 100 Prozent plastikfrei sind wir aber noch nicht.“

Auf wiederverwendbares Geschirr setzt schon seit einiger Zeit das „Marmitas“ in Weilheim. Laut den Inhabern Leopold und Franziska Glas haben sie dort schon vor drei Jahren ein eigenes Pfandsystem eingeführt. „Von den Schalen sind mittlerweile zwischen 300 und 400 im Umlauf“, so Glas. Man kann im „Marmitas“ aber auch Becher und Schüsseln des deutschlandweiten Pfandsystems „Recup“ ausleihen. Beide Systeme funktionieren sehr gut: „Die Dinger gehen weg wie warme Semmeln.“

Pfandsysteme oder Recup-Lösungen könnten die Zukunft sein

Über eine Umstellung auf ein solches Pfandsystem macht sich auch Markus Bocksberger aus Penzberg Gedanken. Der Betreiber des „Café Extra“ sagt, dass er gemeinsam mit anderen Penzberger Gastronomen überlege, sogenannte „Rebowls“ einzuführen. Anders als die „Recups“ sind diese wiederverwendbaren Schalen für den Transport von Suppen, Salaten oder Pastagerichten vorgesehen. „Wir müssen aber noch schauen, wie wir das machen. Jeder braucht von den Schalen ja andere Größen“, so Bocksberger. Eben dieses „Recup“-System biete laut Abfallberaterin Knopp die wahrscheinlich bekannteste Alternative zu den Einweg-Materialien an. „Was bei Recup so toll ist, ist, dass das Konzept mittlerweile so weit verbreitet ist.“

Aber Knopp erzählt auch noch von anderen Ideen, die zumindest eine Übergangslösung sein könnten. So stellen Firmen wie „Kulero“ oder „Füllett“ zum Beispiel essbares Einweg-Geschirr her. Durch eine speziell entwickelte Backweise können diese Produkte heiße Flüssigkeiten halten, sind aber auch verzehrbar. „Man muss wirklich stöbern“, sagt Knopp. Einige der Alternativen sind natürlich weiterhin Einweg-Produkte, stellen aber trotzdem einen Schritt in die richtige Richtung dar. „Die Politik muss solche Regeln aber machen, denn von alleine ändert sich nichts“, erklärt die Abfallberaterin. Betriebe im Landkreis ermutigt sie, sich auf die neuen Einschränkungen einzulassen und nach kreativen Alternativen für die Einweg-Produkte zu suchen. Mit Hannah Beck

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