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Die Sammlung von Altpapier und Pappe wird in Schongau auch schon von gewerbsmäßigen Unternehmen durchgeführt, weil die Vereine es nicht mehr schaffen. 

Immer mehr Kartons

Altpapiersammlung: Immer mehr Vereine springen ab

Weil nicht mehr ausreichend Personal und Fahrzeuge zur Verfügung stehen, kündigen im Landkreis Weilheim-Schongau immer mehr Vereine ihre Mitarbeit bei den Altpapiersammlungen auf. Hinzu kommt noch, dass das Altpapieraufkommen geringer wird, während sich der Kartonagenanteil vergrößert – also mehr Aufwand und weniger Erlös.

Weilheim-Schongau– „Es ist richtig, dass sich seit mehreren Jahren die Zusammensetzung des Altpapiers dahingehend verändert, dass der Anteil an Kartons zu- und der Anteil an Zeitungsware und Mischpapier abnimmt“, gibt Geschäftsführer Fritz Raab von der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA) offen zu. Diese Entwicklung sei bayernweit, ja wahrscheinlich bundesweit, zu beobachten.

Mit der abnehmenden Altpapiermenge sinken auch die Entgeltzahlungen an die Vereine, da diese – wie in der Abfallwirtschaft generell üblich – nach der Sammelmenge (Gewicht) bezahlt werden.

Die Entwicklung beim Altpapier ist nach Ansicht von Fritz Raab jedoch nur ein Faktor, der die Vereinssammlungen bedroht. Es gebe weitere gesellschaftliche Veränderungen, die viel gravierender seien und sich auch schon lange abzeichneten. „In den größeren Kommunen im Landkreis mussten in den vergangenen fünf Jahren viele Vereine kündigen, weil nicht mehr ausreichend Personal und Fahrzeuge zur Verfügung stehen“, berichtet Raab.

So haben in Penzberg sechs Vereine gekündigt; ein Verein hat seine Termine verringert. In Schongau haben fünf Vereine ihre Mitarbeit eingestellt, und ein Verein hat sein Sammelgebiet deutlich reduziert. In Weilheim hat ein Verein gekündigt und ein Verein einen Termin abgegeben. Auch aus Peiting liegt bereits eine Kündigung vor; dort gibt es jedoch mehr als zwölf Sammeltermine, „sodass die Auswirkungen zum Glück gering sind“, teilt EVA-Abfallberaterin Claudia Knopp mit. Und auch in Peißenberg hat jetzt ein Verein gekündigt, sodass in einem Bezirk neun Sammeltermine vakant sind.

Die EVA GmbH hat nur in Einzelfällen Ersatzvereine gefunden. Stattdessen müssen immer mehr Termine von Entsorgungsfirmen abgedeckt werden, um die Flächendeckung bei der Altpapiersammlung zu gewährleisten. Und das wird zunehmend schwieriger, weil auch gewerbliche Entsorgungsunternehmen für die „zusätzlichen“ Sammeltage (Samstage) kein Personal und keine Fahrzeuge unbeschränkt vorrätig haben. „Gerade das wochentags in der Müllabfuhr eingesetzte Personal braucht freie Tage“, zeigt der EVA-Geschäftsführer Verständnis.

Zudem hätten die heutigen Vereinssammlungen in den Städten weniger mit den traditionellen „Brauchtumssammlungen“ zu tun, bei denen Landwirte mit ihren Traktoren und Anhängern Altpapier einsammeln oder Firmen kostenlos ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Vielmehr müssten Vereine für die Sammlungen Fahrzeuge anmieten, und diese Kosten schmälerten die Erlöse zusätzlich.

„Ehrenamtliches Engagement geht leider zurück, und das lässt sich auch nicht mit mehr Geld erkaufen; dann wäre es kein Ehrenamt mehr“, stellt Fritz Raab fest. Die EVA GmbH habe den Vereinen immer ein konstantes und damit verlässlich kalkulierbares Sammelentgelt bezahlt – unabhängig von den Schwankungen auf dem Altpapiermarkt.

Augenblicklich seien die Erlöse auf dem Altpapiermarkt stark rückläufig; an eine Erhöhung des Entgelts, um die Papiersammler weiter zu motivieren, sei auch aus diesem Grund nicht zu denken. Es würde die Erosion bei den Vereinen – betroffen sind bislang die Städte sowie der Markt Peißenberg – nicht stoppen.

Die EVA GmbH unterstützt und ermutigt die noch tätigen Vereine stets; daran wird sich in den Orten, in denen ganzjährig flächendeckend eine Vereinssammlung stattfindet, absehbar nichts ändern. „Die gesellschaftlichen Veränderungen können wir jedoch nicht umkehren und die Uhr zurückdrehen“, gibt Fritz Raab zu bedenken. Wenn es nach der EVA gehe, dann sollen Vereinssammlungen beibehalten werden.

Der Soldaten- und Veteranenverein Böbing zählt etwa zu den Vereinen, für die Altpapiersammlungen kein Problem sind. Vereinsmitglieder stellen die notwendigen Traktoren zur Verfügung, hinzu kommen rund 20 freiwillige Helfer. „Mit dem Erlös aus den Altpapiersammlungen bessern wir die Vereinskasse auf“, sagt Böbings Veteranen-Vorstand Gerhard Hofauer.

Zu den Vereinen, die beim Papiersammeln gekündigt haben, zählt zum Beispiel auch der TSV Penzberg. „Wir hatten nicht mehr genügend ehrenamtliche Helfer und auch nicht die entsprechenden Fahrzeuge“, muss die TSV-Vorsitzende Michaela Schott zugeben.

Michael Gretschmann

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