Mitten im Berufsverkehr

Unfall am UPM-Bahnübergang: Warum krachte Lkw in Regionalbahn?

Großeinsatz am Bahnübergang bei UPM in Schongau: Am Morgen ist dort ein Lastwagen mit einem Zug kollidiert. Mehrere Fahrgäste wurden verletzt. Die Bahnstrecke war gesperrt.

Schongau - Großalarm am Dienstagmorgen in Schongau: Am UPM-Bahnübergang ist, wie zuletzt am 19. September, ein Sattelzug von einem Zug der Bayerischen Regiobahn erfasst worden. Auch diesmal hatte der Lkw-Fahrer aus unerklärlichen Gründen das rote Blinklicht am Andreaskreuz missachtet. Die Bilanz: Sieben Verletzte und über eine Viertelmillion Euro Schaden. 

7.35 Uhr: Aus dem Schongauer Bahnhof rollt die BRB mit 44 Fahrgästen. Am Steuer der Lokführer und ein Azubi. Mit 30 bis 40 km/h bewegt sich der Zug über die Lechbrücke, dann sind es nur noch wenige Meter bis zum unbeschrankten UPM-Bahnübergang. Doch plötzlich muss der Triebwagenführer eine Vollbremsung hinlegen – vergeblich: Die Kollision mit einem Sattelzug lässt sich nicht mehr verhindern. 

An Bahnübergang: Lkw kracht in Zug - Fotos

An der Schuldfrage gibt es keinen Zweifel: Der 60-jährige Fahrer des Sattelzugs hat das rote Blinklicht am Bahnübergang übersehen und ebenso den herannahenden Zug. Die Folge: Die Lok touchierte das Führerhaus des Sattelzugs. Durch den Aufprall kam der Sattelzug nach rechts von der Fahrbahn ab, rutschte eine Böschung hinunter, wobei er auch noch ein tonnenschweres Trafohäuschen rammte. Dieses kippte ebenfalls über die Böschung und blieb unten stark beschädigt liegen, ebenso wie der Sattelzug. Der 60-jährige Lkw-Fahrer erlitt bei dem Zusammenstoß schwere Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Von den 44 Zuginsassen zogen sich sechs Personen leichte Verletzungen (Prellungen, Abschürfungen, Schleudertrauma usw.) zu, ebenso der Lokführer und sein begleitender Azubi. „Beide stehen im Krankenhaus unter psychologischer Beobachtung“, teilte BRB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch auf Anfrage mit. 

Als bei der Schongauer Feuerwehr gegen 7.40 Uhr der Alarm einging, rückte sie sofort mit einem Großaufgebot an. Im Einsatz waren neben Kräften der Polizeiinspektionen Schongau und Weilheim die Feuerwehren Schongau, Altenstadt, Herzogsägmühle, Hohenpeißenberg, Peiting und die Kreisbrandinspektion sowie das Technische Hilfswerk mit insgesamt 120 Einsatzkräften und der BRK-Rettungsdienst mit 37 Helfern. „Schwerpunkt war zunächst die Personenrettung“, berichtete Schongaus Feuerwehr-Kommandant Werner Berchtold. Der schwerverletzte Lkw-Fahrer war noch ansprechbar und musste aus dem Führerhaus herausgeholt werden. Die Zuginsassen waren zum Glück alle noch gehfähig. Sie wurden zur UPM-Werkskantine geleitet, dort registriert und bei Bedarf von der Notfallseelsorge betreut. 

Rund ein Drittel der 44 Zuginsassen waren Schüler, die zum Feuerwehrhaus begleitet wurden und dort von ihren Eltern abgeholt werden konnten. „Die Verletzten kamen in die umliegenden Krankenhäuser“, berichtete BRK-Einsatzleiter Michael Limbrunner. Gegen 8 Uhr – also 20 Minuten nach dem Unfall – stand bereits ein Bus bereit, der die unverletzten Fahrgäste, die sich nach einem ersten Schreck schnell erholt hatten, auf der Straße weiter zu ihrem Zielort transportierte. „Der Tank am Sattelzug blieb zum Glück unbeschädigt“, teilte Schongaus FF-Kommandant Berchtold mit. Somit bestand zumindest keine Brandgefahr. 

Schnell zur Stelle war auch die UPM-Werkfeuerwehr – mit 15 Mann, wie deren Kommandant Erwin Gnahs bestätigte. Aus Murnau waren Notfallmanager der Bahn angereist. „Das Blinklicht am Andreaskreuz hat einwandfrei funktioniert, das haben Zeugen bestätigt“, berichtete Jörg Förster vom DB-Notfallmanagement. Zur Bergung des Sattelzuges musste ein Spezialkran aus Landsberg anrücken. Er sicherte den unbeladenen Sattelzug ab, so dass er gefahrlos über die Böschung hochgezogen werden konnte. Gegen 12 Uhr mittags wurde der Bahnverkehr wieder freigegeben. Da die Sicherungsanlage am Bahnübergang durch den Unfall völlig zerstört worden ist, muss bis auf Weiteres ein eigener Sicherungsposten am UPM-Bahnübergang eingesetzt werden.

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © Herold

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