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Sie feiern ihren Erfolg im Kampf gegen die Strabs: Von links Irmgard Schreiber-Buhl, Renate Müller, Hubert Aiwanger, Eva John und Jürgen Jordan. 

Helfer-Fest im Schongauer Brauhaus

Anti-Strabs-Erfolg gebührend gefeiert

Wie heißt es so schön: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Arbeit hatten sie genug, die vielen Kämpfer gegen die ungerechte Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs). Über 30 Montags-Demonstrationen haben sie organisiert und abgehalten. Der Erfolg ist bekannt. Zumindest für Bayern. Das ist jetzt im Schongauer Brauhaus gefeiert worden.

Schongau – Es ist ein Samstag im Oktober des Jahres 2017, als Schongauer Bürger auf die Straße gegangen sind, um ihrem Unmut freien Lauf zu lassen. Es ist ein friedlicher, aber lautstarker Protest gegen die Strabs. Der Urknall einer lang angesetzten Demo-Serie in der Lechstadt. Zwei Motoren sind seitdem im Dauereinsatz, um sich gegen diese Satzung aufzubäumen: Irmgard Schreiber-Buhl und Renate Müller zeigen sich als treibende Aktivistinnen in Sachen Strabs.

Am 14. Juni 2018 haben sie ihr Ziel erreicht, zusammen mit den hartnäckigen und standhaften Bürgern aus Schongau und umliegenden Gemeinden. Die Strabs in Bayern ist Geschichte.

Die zwei unermüdlichen Motoren Schreiber-Buhl & Müller wollten diesen Erfolg aber nicht einfach so vergehen lassen. Sie wollten sich bei Helfern bedanken, die über die lange Zeit Seite an Seite mit ihnen gekämpft haben. Die mit Ratschlägen geholfen und es nicht gescheut haben, kilometerweit zu anderen Betroffenen zu fahren.

Klar, dass die Mitstreiter an diesem Anti-Strabs-Fest willkommen geheißen wurden. Wie immer bei den Montags-Demos: Schreiber-Buhl und Müller mit Megafon und Warnwesten ausgestattet. Die Warnwesten werden abgestreift, das Megafon kommt ein letztes Mal zum Einsatz. Sirenengeheul, übersteuerte Ansagen. Aus, vorbei. Es kann gefeiert werden.

Der erste Dank von Müller ging an alle, die sich im Vorder- und Hintergrund engagiert haben. Mit der Information, dass der Stiftungsrat der Stadt Schongau beschlossen hat, einen Sonder-Ehrenamtspreis zu verleihen. „Nicht für uns, sondern für die ganze Bewegung“, so Müller.

Weg von der Tradition: Wurde das Schongauer Strabs-Lied bei jeder Demo am Schluss gesungen, an diesem Tag stimmte man es zu Beginn der Grußworte an. Natürlich mit neuem Text. Dazu instrumental begleitet von Hans Enzensperger (Klarinette), Sigi Müller (Trompete) und Fred Wilhelm (Gitarre).

Gesang kann in so einer Situation wirklich großartig sein und hat die Truppe zusammengeschweißt: „Ihr Einsatz kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Sie haben echte Zivilcourage gezeigt und landespolitische Geschichte geschrieben“, sagt Eva John. Die Starnberger Bürgermeisterin hat vor allem in den Anfängen der Bewegung immer wieder mit Ratschlägen geholfen. „Sie hat uns unter anderem auch den wertvollen Hinweis gegeben, Unterschriften für einen Bürgerantrag zu stellen“, sagt Schreiber-Buhl.

Vor allem sollten öffentliche Diskussionen organisiert werden, um den Bürgern die Augen zu öffnen. „Das beste ist jeder erdenklich legale Widerstand“, so das Credo der Bürgermeisterin. Und als Lob am Ende: „Sie haben Bayern gerettet.“

Ein großes Dankeschön auch an Jürgen Jordan, den Sprecher der Allianz gegen Straßenausbaubeiträge in Bayern. „Er hat den Bürgern im Ballenhaus die Augen geöffnet“, erinnert Schreiber-Buhl. Jordan selbst betrachtet jetzt Schongau als Epizentrum des Widerstands gegen die Strabs: „30 Demonstrationen, rote Karten, viele Lieder – all das hat dazu geführt, dass Rentner nicht in den Ruin getrieben wurden, dass junge Menschen sorgenfreier bauen können“, so sein Lob an die Gäste des Festes. „Wir werden weiterkämpfen, bis Deutschland ohne Strabs ist. Dann wird in Berlin gefeiert“, verspricht Jordan.

Dank auch an den Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl aus Kaufbeuren: „Ohne ihn wäre unsere XXL-Postkarte nie in München gelandet“, sagt Schreiber-Buhl. Pohl erinnert, „dass wir ein Etappenziel erreicht haben, aber noch nicht am Ziel sind“. Und ein dick unterstrichenes Lob: „Der Name Schongau steht für Bürgerprotest.“

Hubert Aiwanger, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Freien Wähler, lobt vor allem, dass die Schongauer so lange durchgehalten haben: „Einmalige Aktionen verpuffen, Eure Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt.“ Und weiter: „Hier sitzen die politischen Vordenker. Leider sind diejenigen nicht da, die es immer noch nicht kapiert haben.“ Abschließend bezeichnet Aiwanger die Bürger der Anti-Strabs-Demos als Mütter und Väter dieser Entwicklung.

„Da sich unter den Demonstranten regelrechte Freundschaften entwickelt haben, soll jetzt nicht einfach Schluss sein“, sagt Renate Müller. Unter der Bezeichnung „Montagsfreunde“ soll es jeden ersten Montag im Monat ein Treffen in der Blauen Traube geben, erstmals am 3. September um 19 Uhr.

Hans-Helmut Herold

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