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Ein Hase auf der Flucht: Wintersportler und Hundehalter sollten im Winter Rücksicht auf das Wild nehmen.

Appell der Jäger

Das Wild im Winter in Ruhe lassen

Schongau - Dicke Flocken, klirrende Kälte und wenig Nahrung: Aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen appellieren die Jäger an das Verantwortungsbewusstsein von Wintersportlern und Hundehaltern, jetzt Rücksicht auf die heimische Tierwelt zu nehmen.

„Die Beunruhigung der Tierwelt hat durch ein verändertes Freizeitverhalten stark zugenommen“, stellt der Schongauer Stadtförster Klaus Thien fest. Immer mehr Menschen würden vor allem mit ihren Hunden abseits der Wege und zu allen Tages- und Nachtzeiten durch die Wälder oder an den Waldrändern entlang streifen. „Neuester Trend ist Nachtjoggen mit der Stirnlampe“, ergänzt Thien.

In Schongau gibt es, so der Stadtförster, mittlerweile fast keine Ruhe mehr in der Natur. Grundsätzlich gelte, und dies verschärft im Winter: Auf den befestigten Wegen bleiben, vor allem mit den Hunden, die an der Leine zu führen sind. Thien: „Zuletzt ist am Dreikönigstag auf Schongauer Gemarkung ein Reh im Schnee von einem Hund gerissen worden.“

Außerdem rät der Stadtförster, in der Dunkelheit nicht in den Wald zu gehen, „denn hier reagieren die Tiere noch empfindlicher auf Störungen“. Und noch ein Rat von Thien: Für die Tiere sollte man jetzt im Wald kein Futter auslegen, denn durch den milden Herbst und Winter 2016 seien die gesunden Wildtiere im Moment ausreichend ernährt. „Bei Schnee und Frost versuchen sie aber, Energie zu sparen, und suchen sich möglichst ruhige störungsfreie Plätze“, fügt der Stadtförster hinzu.

„In der kalten Jahreszeit ist es wichtig für das Wild, dass es nicht beunruhigt wird“, betont auch Robert Eichner, Vorsitzender des Jagd- und Umweltschutzvereins Schongau. Angesichts des beschränkten Nahrungsangebots sei für das Wild Energiesparen wichtig. „Auf der Flucht verbrauchen die Tiere ihre Reserven“, sagt Eichner. Er kann verstehen, das sich Wintersportler über den schneereichen Wintereinbruch freuen, für die heimische Wildtierwelt würde dadurch aber eine harte Zeit anbrechen. Denn Wildtiere fänden im Winter nur spärliche und nährstoffarme Nahrung. Zudem werde ihnen die Fortbewegung bei Schneelage und Kälte erschwert, und das zehre an Kräften, Fettreserven und überlebenswichtigen Energievorräten.

Um Energie zu sparen, haben Wildtiere sogar eigene Strategien entwickelt: Sie lassen sich einschneien, um vor Frost geschützt zu sein, und reduzieren ihre Bewegung auf das Mindeste, ihre Körpertemperatur senkt sich ab – sie befinden sich im „Wintermodus“.

Daher ruft auch der Bayerische Jagdverband zu besonderer Rücksicht auf, damit die heimischen Wildarten möglichst ungestört durch den Winter kommen können. BJV-Präsident Jürgen Vocke: „Ich bitte Wintersportler und Hundebesitzer, Rücksicht zu nehmen. Geben Sie auf Ihre vierbeinigen Freunde Acht, nehmen Sie sie an die Leine und bleiben Sie auf befestigten Wegen, um unnötige Störungen der Wildtiere zu vermeiden.“ Oft schreckten Spaziergänger, Schneeschuhwanderer, Skifahrer, Tourengeher oder Hunde völlig unbemerkt Wildtiere auf. Diese fliehen aus Instinkt und verbrauchen unnötig überlebenswichtige Energie.

Freilaufende Hunde, die sich außerhalb des Einflussbereiches ihres Besitzers befinden, sind eine besonders große Gefahr für das Wild. Herumtollen auf weiten Feldern oder Durchstöbern von Hecken und Dickungen aktiviert das Fluchtverhalten des Wildes. Laut Jagdgesetz ist der Jäger verpflichtet, den Jagdschutz in seinem Revier auszuüben und so das Wild vor drohenden Gefahren zu bewahren. Was in letzter Konsequenz bedeutet: Abschuss des Hundes.

Michael Gretschmann

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