Ein herrlicher Vogel ist diese Schwanzmeise, die Holger Wieland nahe Erbenschwang entdeckt hat.
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Ein herrlicher Vogel ist diese Schwanzmeise, die Holger Wieland nahe Erbenschwang entdeckt hat.

Rekordbeteiligung im Lockdown

Auch im Landkreis weniger Vögel gezählt - Experte gibt dennoch Entwarnung

Das Ergebnis der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ scheint vielen besorgten Bürgern recht zu geben: Es herrscht Vogelmangel in den bayrischen Gärten. Die Zahlen dürften jedoch nicht überbewertet werden, warnt der Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Landkreis – Rekordbeteiligung bei der „Stunde der Wintervögel“: Im Freistaat haben heuer über 40 000 Menschen an der Vogelzählung teilgenommen, 13 000 mehr als noch im Vorjahr. Im Landkreis Weilheim-Schongau waren es immerhin 698. „Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Lockdown zurückzuführen“, sagt Hans-Joachim Fünfstück, Vorsitzender der LBV-Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/ Weilheim-Schongau. Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und würden deshalb den Vögeln vor ihrer Haustüre mehr Aufmerksamkeit schenken.

Gezählt wurden bayernweit fast eine Million Vögel (im Landkreis 17 703). Im Vergleich zu den Vorjahren hat die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten jedoch deutlich abgenommen: Waren es 2019 noch 37 Vögel, 2020 dann 35, wurden in diesem Jahr nur 32 Vögel im Schnitt gesichtet. Markus Erlwein, Pressesprecher des LBV, bestätigt: „Das ist tatsächlich der niedrigste Wert seit dem Beginn der Vogelzählung vor 16 Jahren.“

Einen Eisvogel fotografierte Agnes Eberl aus Penzberg am Loisachufer.

Das Ergebnis deckt sich mit den Beobachtungen vieler Bürger im Freistaat. Noch vor der „Stunde der Wintervögel“ hatte der LBV besorgte Anfragen erhalten, da die zwitschernden Gäste in diesem Jahr auszubleiben schienen. Erlwein relativiert aber die Sorge: „Der Vogelbestand wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst.“ So beispielsweise die aktuelle Wetterlage oder das Ausbleiben bestimmter Wintergäste. „Die diesjährigen Zahlen sollten deshalb nicht überbewertet werden“, ergänzt er.

Diesen Gimpel fotografierte Brigitte Schilcher aus Epfach während ihrer Vogelzählung.

Im Landkreis wurde, wie bereits in den beiden Vorjahren, der Hausspatz am häufigsten gesehen, gefolgt von seinem Artgenossen, dem Feldsperling. Auf Platz 3 dann die Amsel, Platz 4 und 5 werden von der Kohlmeise und dem Erlenzeisig belegt. Auf den übrigen Plätzen der Top 10 tummeln sich der Buchfink, die Blaumeise, die Elster, der Grünfink und abschließend das Rotkehlchen. Die Ergebnisliste der Region Weilheim-Schongau deckt sich dabei mit der für ganz Bayern, nur die Reihenfolge ist leicht verändert. Es gab laut dem LBV-Pressesprecher keine Überraschungen. „Das sind alles die üblichen Verdächtigen“, sagt er.

Damit die Vogelbestände generell nicht weiter abnehmen, ist jeder einzelne gefragt, bekräftigt Erlwein. Durch großräumige Flächenversiegelung würden wir Vögeln die Brut- und Nahrungsmöglichkeiten nehmen. Dabei sollten wir unsere Gärten möglichst naturnah belassen: „Mehr Mut zur Wildnis würde uns guttun“, so Erlwein. Nicht jeder Grashalm müsse gemäht werden und Schottergärten seien besonders kritisch. Die Gemeinde Peißenberg macht es deshalb nun vor: Kürzlich wurde eine Verbot gegen geschotterte Steingärten erlassen. Der Markt nimmt damit in Bayern neben der Stadt Erlangen einen Vorreiterrolle ein.

Die Amsel landete wieder weit vorne, fotografiert von Sylvia Süß aus Schongau.

Weitere Infos

finden Interessierte auf der Homepage des LBV www.lbv.de. In einer interaktiven Karte sind die Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ abgebildet.

In den nächsten Monaten sind weitere Zähl- und Meldeaktionen geplant, darunter „Igel in Bayern“ und die „Stunde der Gartenvögel“.

VON JENNIFER BATTAGLIA

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Landkreis Weilheim-Schongau lesen Sie in unserem Newsticker.

Lesen Sie auch: Die Firma Hochland beteiligt sich an der israelischen Firma „Remilk“, die damit wirbt, ohne jede Kuh Milch produzieren zu können. Der Käsehersteller sieht den neuen Rohstoff als Ergänzung für seine Produktpalette. Landwirte in der Region sind entsetzt.

Außerdem interessant: Es mag bizarr klingen angesichts des Mangels an Impfstoffen in diesen Tagen, aber im April rechnen die Verantwortlichen mit massenhaften Impfstofflieferungen im Landkreis. Das bedeutet, dass wieder einmal umgeplant werden muss.

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