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Aus dem Gericht

Betrunken ausgerastet und zugeschlagen

Schongau - Der 26-jährige Angeklagte hat zwar schon neun Eintragungen im Bundeszentralregister, seit seiner letzten Jugendhaft vor fünf Jahren hatte sich der junge Mann jedoch nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Bis er im April letzten Jahres seinem Kumpel mit der Faust ins Gesicht schlug.

„Was ist mit Ihnen da passiert? Sie waren fünf Jahre unauffällig“, fragte Weilheims Amtsrichterin Christiane Serini bei der Verhandlung nach. Der wegen Körperverletzung angeklagte Mann wollte sich zu dieser Frage zunächst nicht äußern. Den Faustschlag gab er sofort reuevoll zu und erklärte auch, wie es dazu kam. An sich war der Tattag friedlich verlaufen. Man hatte etliche Bier getrunken und hing am Abend noch auf dem Lidl-Parkplatz in Schongau herum. Dort hielten sich auch drei stadtbekannte, stark alkoholisierte Herrschaften auf, die untereinander in Streit geraten waren. Anwohner hatten wegen des Lärms schon die Polizei verständigt.

Bevor diese eintraf, wollte der Angeklagte den Streit schlichten und griff ein. Dabei zog der später Geschädigte seinen Kumpel aber von den Streitenden weg. Das führte wiederum zu einem Wortwechsel zwischen dem Angeklagten und seinem Kumpel. Als dieser ihn mit „blöder Ossi“ beschimpfte, schlug er zu.

Genau das konnte auch der Polizeibeamte bezeugen, der zu diesem Zeitpunkt mit seinem Kollegen eingetroffen war, den angezeigten Streit zu schlichten. „Ich sah genau, wie der Angeklagte zuschlug“, sagte er vor Gericht aus. Der Getroffene sei nicht zu Boden gegangen, sondern davongelaufen, so der Polizist. Der Beamte bezeugte, dass der Angeklagte kooperativ und friedlich gewesen sei. Ein späterer Bluttest ergab einen Blutalkoholwert von über zwei Promille.

Die beiden Kumpel leben in der Einrichtung Herzogsägmühle. Am nächsten Morgen hatte der Angeklagte seiner Betreuerin erzählt, dass er Mist gebaut habe. Sein Freund wollte erst gar nicht zum Arzt gehen, sagte dann aber aufgrund seiner doch erheblichen Schmerzen zu. Im Krankenhaus stellten sich dann die doch gravierenden Verletzungen heraus: Er hatte einen Jochbein- und einen Augenhöhlenbruch erlitten. Von einer Strafverfolgung seines Kumpels wollte der Geschädigte nachdrücklich nichts wissen. Aber eine Anzeige wegen Körperverletzung blieb dem Angeklagten nicht erspart.

Eigentlich sei er ein lustiger, geselliger Mensch, so der junge Mann, der keine Berufsausbildung hat und sich mit Gelegenheitsjobs durchschlug. Wegen seines ausschließlich alkoholbedingten Suchtproblems befindet er sich seit zwei Jahren in der Herzogsägmühle. Eine Therapie lehnt er ab. „Ich schaffe das momentan noch nicht“, sagte er vor Gericht. Die Richterin hatte ihm dringend zu einer Behandlung seiner Sucht geraten.

„Aber was war denn nun plötzlich los mit Ihnen, dass Sie so aggressiv wurden“, hakte die Richterin mehrfach nach. Er sei im letzten Jahr an die falschen Leute geraten, gab der junge Mann dann zu. „Damit ist aber seit einiger Zeit Schluss“, erklärte er. Dem 26-Jährigen steht ein Praktikumsplatz in Aussicht. Zum ersten Mal in seinem Leben könne er „richtig“ arbeiten. Aufgrund dieser günstigen Sozialprognose, seines Geständnisses und der Tatsache, dass er so lange ohne Straftat war, verurteilte ihn das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem setzte die Richterin noch 200 Sozialstunden fest, die innerhalb eines Jahres abzuleisten sind.

Regina Wahl-Geiger

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