Angeklagter verwickelt sich in Widersprüche

Wie war das doch gleich? Scheinehe auf kuriose Art aufgedeckt

Ein 33-jähriger Kosovare musste sich kürzlich vor dem Weilheimer Amtsgericht verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, eine Scheinehe mit einer Bulgarin eingegangen zu sein.

Schongau „Ich liebe meine Frau“, eröffnete der Kosovare, der in Schongau wohnt, zu Beginn seiner Aussage. Angeblich kennen sich die 39- jährige Bulgarin und er seit einigen Jahren. Geheiratet haben sie Anfang 2017. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Karin Beuting konnte der Kosovare aber keine Angaben machen, wie lange sie zusammen gewohnt haben oder wie viele Kinder seine Ehefrau aus einer früheren Ehe hat.

Einen gemeinsamen Hausstand scheint das Ehepaar zu keiner Zeit gehabt zu haben, wie sich dann bei der Beweisaufnahme herausstellte. Der Kosovare erklärte das vage mit einer Wohnung, die der Vermieter renovieren wollte und man umgezogen sei in eine andere Wohnung.

„Wenn Sie den Mund aufmachen, lügen Sie“, sagte die Richterin verärgert. Der Angeklagte war mit seinem Verteidiger gekommen. Er hatte gegen den Strafbefehl sogar Einspruch erhoben. Mitarbeiter des Landratsamts hatte die Polizei benachrichtigt, nachdem sie misstrauisch geworden waren. Denn der Kosovare hatte 2015 schon einmal einen Antrag auf Asyl gestellt, der aber abgelehnt wurde. Als der Angeklagte dann 2017 mit seiner nun angetrauten Ehefrau erneut beim Landratsamt erschien, die Frau weder Kosovarisch noch ausreichend Deutsch sprach und der Kosovare kein Bulgarisch verstand, lag der Vorwurf einer Scheinehe nahe.

Polizeibeamter widerspricht der „Ehefrau“

Die Bulgarin, die eine Dolmetscherin benötigte, wirkte im Zeugenstand etwas verwirrt. Laut vorliegendem Attest soll sie einen Monat vor der geplanten Hochzeit auf einer Treppe schwer gestürzt sein und seitdem unter anderem Beeinträchtigungen mit ihrem Gedächtnis haben. Aber auch sie sagte aus, dass sie zeitweise mit ihrem Ehemann zusammen gewohnt habe und ein gemeinsamer Hausstand bestehen würde.

Dem widersprach ein Polizeibeamter. Dieser hatte zweimal die angebliche Wohnung des Ehepaars, die nur aus einem einzigen kleinen Zimmer bestand, durchsucht. Dort befanden sich aber weder Kleidung noch Toilettenartikel des Kosovaren. „Wir haben bis auf ein Paar Herrenhalbschuhe gar nichts gefunden“, so der Beamte.

Angeklagter bleibt bei seiner Version

Der Staatsanwalt regte zweimal in Absprache mit der Richterin an, den Einspruch nur auf die Höhe der Rechtsmittel zu beschränken. „Das wird deutlich billiger“, meinte er. Auch der Verteidiger versuchte, seinen Mandanten dahingehend zu überzeugen. Aber der Angeklagte blieb bei seiner Aussage. „Es war eine Liebesheirat“, beteuerte er. Nur vage Angaben machte der Kosovare zu seiner finanziellen Lage. Er wird angeblich von seinem auch in Schongau lebenden Bruder unterstützt. Irgendwelche Unterstützungen vom Staat würde er nicht bekommen. Eine für die Richterin weitere unglaubwürdige Geschichte.

Sie machte es dann kurz und sprach den Angeklagten schuldig. „Ihre Angaben waren zu keinem Zeitpunkt richtig“, sagte sie und verhängte eine Geldstrafe von 2400 Euro.

von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © Symbolfoto/dpa

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