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Frau und Kinder misshandelt

Vor Gericht: Prügelnder Vater hält Ohrfeige für normal: „Wie soll man sonst erziehen?“

58 Fälle standen in der Anklageschrift: Ein 58-Jähriger soll nicht nur wiederholt seine Ehefrau, sondern auch seine Stieftochter und sein leibliches Kind misshandelt haben. Vor Gericht stritt er zunächst alles ab.

Schongau Die Jugendrichterin am Weilheimer Amtsgerichts, Claudia von Hirschfeld, brachte viel Geduld auf. Der aufgebrachte 58-jährige Angeklagte aus Schongau sah sich selbst als Opfer und bemitleidete sich permanent. Er redete lang und ausgiebig über die verfahrene häusliche Situation und hielt sich nicht für den Aggressor.

Seine Stieftochter (14) bezeichnete er als frech, die ihm vorgeworfene Ohrfeige seiner leiblichen Tochter (5) wurde von ihm verharmlost und er beschwerte sich über seine Frau, die ihn immer wieder zur Hilfe rufen würde, da sie nicht mit der älteren Tochter klar komme. „Ständig ist da Streit“, sagte der Mann. Außerdem fand er es vollkommen normal, eine Ohrfeige zu geben, wenn das Kind frech ist. „Wie soll man sonst erziehen“?, fragte er die Richterin.

Das Paar ist eigentlich schon lange getrennt

Seit zehn Jahren lebt das Ehepaar getrennt, kommt aber nicht voneinander los. Über einen Zeitraum von fünf Jahren soll er seine mazedonische Frau mindestens zehn Mal im Jahr geschlagen und an den Haaren gezogen haben. Konkret vorgeworfen wurde ihm eine Körperverletzung vom März letzten Jahres, und verantworten musste er sich vor dem Jugendschutzgericht, da das Mädchen noch minderjährig ist. So soll der Mann seine Stieftochter nach einem Streit zwischen Mutter und Tochter zur Tür hinausbefördert und sie geschubst haben. Das Mädchen geriet in dem engen Treppenhaus ins Straucheln und stürzte. Dabei zog es sich eine leichte Verletzung am Bein zu. Die Mutter stellte danach bei der Polizei Strafanzeige.

Die damals ermittelnde Polizistin sagte vor Gericht: „Uns ist die Familie schon lange bekannt.“ Ganze 18 Seiten umfasst die Liste der Polizeieinsätze zur Wohnung der Familie in den letzten Jahren. Die Frau sei schwach und hilflos, habe sich selbst aufgegeben, so die Polizistin. Aber ihre ältere Tochter habe sie auch nicht vor dem Mann geschützt, daher sei das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter miserabel. „Das Mädchen hat massive psychische Probleme“, sagte die Polizistin.

Ein Geständnis erspart Mutter und Kindern eine Aussage

Schon einmal erhielt der Mazedonier einen Strafbefehl wegen Körperverletzung. Im Februar 2013 hatte er seine Stieftochter durch eine Ohrfeige im Gesicht verletzt. Ein Kinderarzt hatte in seinem Arztbericht schriftlich darauf hingewiesen, dass das Kind vor dem Stiefvater zu schützen sei. Der Mazedonier akzeptierte damals den Tatvorwurf und bezahlte die verhängte Geldstrafe. Aber die ihm nun zur Last gelegten Taten wollte er nicht einräumen.

„Ein Geständnis wäre für alle Beteiligten gut“, sagte die Richterin. Dann blieben der Stieftochter und der Ehefrau eine Aussage vor Gericht erspart, ein Ziel, das die Richterin unbedingt erreichen wollte. Nach Beratung mit seinem Anwalt knickte der Angeklagte ein und gab die Taten zu. Überzeugend einsichtig wirkte er jedoch nicht. Richterin Claudia von Hirschfeld fand dementsprechend harte Worte. „Sie sind kein ruhiger, besonnener Mann. Sie müssen an sich arbeiten“, machte sie deutlich.

Sie verurteilte den fünffach vorbestraften Angeklagten wegen Körperverletzung in Tatmehrheit zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die sie für drei Jahre auf Bewährung aussetzte. 100 Sozialstunden und ein Antigewaltraining muss der Mann ableisten. Und wichtig für von Hirschfeld war ihre Anordnung, zwingend an zunächst drei Erziehungsberatungsgesprächen teilzunehmen, deren Weiterführung die Beratungsstelle danach organisieren wird. „Züchtigung ist kein Erziehungsmittel“, sagte die Richterin abschließend. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Regina Wahl-Geiger

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