Zwei Feuerwehrmänner üben vor einem Feuerwehrauto die Zusammensetzung wasserführender Armaturen.
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Sogar in der Praxis wird geübt: Hier versucht sich Tim Lohrbächer (l.) an der Zusammensetzung wasserführender Armaturen, Kommandant Werner Berchtold schaut zu.

Corona sorgt für Stau

Die Ausbildung der Feuerwehranwärter stockt gewaltig

Die Corona-Pandemie erschwert die Ausbildung von Feuerwehranwärtern erheblich. Praktische Übungen können aktuell kaum stattfinden. Dass die Qualität der Ausbildung dennoch nicht leidet, liegt am großen Einsatz der einzelnen Wehren für ihren Nachwuchs.

  • Die Ausbildung bei den Feuerwehren stockt auch im Landkreis Weilheim-Schongau
  • Wegen Corona mussten die Übungen stark eingeschränkt werden
  • Fortbildungen fanden fast ausschließlich digital statt

Landkreis – Tim Lohrbächer (25) nimmt am aktuell laufenden Grundlehrgang der Feuerwehr Schongau teil. Üblicherweise findet der zusammen mit anderen Feuerwehren aus dem KBM-Bezirk West statt. Durch die Coronapandemie ist jedoch nichts wie sonst. Lohrbächer kennt seine Feuerwehrkameraden noch nicht persönlich, denn die Grundausbildung läuft bisher ausschließlich online. Für den Wahl-Schongauer ist das besonders schade, weil er erst vergangenes Jahr hergezogen ist und noch nicht so viele soziale Kontakte knüpfen konnte.

Die Lehrgangsleiter machen das Beste daraus

„Ich hatte große Sorge, ob der Kurs überhaupt zustande kommt. Mein kleiner Bruder lebt in Hessen, dort finden aktuell keine Ausbildungen bei der Feuerwehr statt. Deshalb bin ich umso dankbarer, dass die Grundausbildung hier läuft – wenn auch erst mal via Bildschirm.“ Die Feuerwehr Schongau habe mit Hochdruck nach Lösungen gesucht, um den Interessierten diese Möglichkeit anbieten zu können. Der Onlinekurs sei sehr gut, so Lohrbächer. „Die Vorbereitung ist top, die Lehrgangsleiter geben sich große Mühe und haben das Beste aus dieser Situation gemacht.“

Nur unter strenger Einhaltung der Hygienevorschriften darf weiter trainiert werden

Werner Berchtold, Kommandant in Schongau, berichtet, dass vergangenes Jahr ein Großteil der Lehrgänge ausfallen musste. Kreisbandrat Rüdiger Sobotta bestätigte die derzeitige Lage: „Wir mussten unseren Ausbildungs- und Übungsbetrieb aufgrund der aktuellen Situation stark einschränken. Jedoch tun wir alles, um die notwendige gute Qualität aufrecht zu erhalten.“ Die im Landkreis laufenden Übungen sind auf ein Minimum reduziert, es ist den Wehren aber unter strenger Einhaltung der Coronabestimmungen weiterhin erlaubt zu trainieren. Mangelnde Routine kann sonst im Ernstfall zu Fehlern führen – mit unter Umständen verheerenden Konsequenzen.

Videokonferenzen können Praxis nicht ersetzen

Videokonferenzen können den praktischen Übungsbetrieb ergänzen, ihn jedoch nicht ersetzen. Die Teilnehmerzahl in Schongau wurde deswegen drastisch reduziert: Es nehmen nur acht Feuerwehranwärter am Lehrgang teil. Bei der Beteiligung anderer Feuerwehren des Bezirks wären es sonst bis zu 35 Personen gewesen. In Kürze sollen nun die praktischen Übungen starten, die sich eben nur bei geringer Teilnehmerzahl durchführen lassen, denn anderenfalls kann der nötige Mindestabstand nicht eingehalten werden.

Im Frühjahr soll das Ausbildungsangebot stark ausgeweitet werden

Bis sich der Rückstau des letzten Jahres aufgelöst, wird es noch dauern. „Das ist problematisch“, sagt Berchthold. „Wenn Neue die Grundausbildung nicht absolvieren und auch nicht an Einsätzen und Fortbildungen teilnehmen können, schwindet die Motivation.“ Wichtiger Nachwuchs gehe so verloren. Auch deshalb wird im Moment intensiv an der Schulungsplanung für das Frühjahr und den Sommer gearbeitet. Bei sinkenden Coronazahlen sollen so viele Lehrgänge wie möglich angeboten werden – natürlich weiterhin unter den dann geltenden Schutzauflagen.

So schaut die Feuerwehr-Ausbildung derzeit meistens aus: Tim Lohrbächer daheim am PC mit Unterrichtsmappen.

In diesem Jahr wird laut Kreisbrandrat Sobotta bei der Koordinierung der Lehrgänge aber keinerlei Rücksicht auf Ferien oder Feiertage genommen, denn Ziel sei es schließlich, der großen Nachfrage gerecht zu werden. Dabei betreffe der Rückstau nicht nur die Grundausbildung, sondern auch Weiterbildungen zum Atemschutzträger oder Maschinisten.

Dass sich die Mitglieder der Feuerwehren sehr eingeschränkt fühlen, versteht die Führungsriege gut. Vor allem das kameradschaftliche Beisammensein fehle. „Aber ich bin sehr dankbar und froh darüber, dass die Kommandanten und Freiwilligen den Vorgaben so geduldig folgen“, sagt Sobotta. Die Kameraden seien sehr diszipliniert, zu keinem Zeitpunkt sei die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren eingeschränkt gewesen. „Es gab im Landkreis in den Wehren nur einzelne Infizierte oder einige wenige, die sich in Quarantäne begeben mussten.“

Das Masken-Tragen gehört zum Alltag

Ein persönliches Anliegen hat der Kreisbrandrat: „Wenn die Gesamtbevölkerung sich ein Beispiel an den Kameraden der Feuerwehr nehmen und die Hygienemaßnahmen disziplinierter umsetzen würde, dann wären wir nicht mehr in dieser Situation.“ Berchtold pflichtet dem bei und findet nur lobende Worte für seine Kameraden: „Die Feuerwehr hat von jeher eine Vorbildfunktion. Dass man eine Maske trägt, gehört bei uns zum Alltag dazu. Und hinsichtlich der Hygieneauflagen gab es bisher und gibt es auch jetzt keinerlei Diskussionen. Die Kameraden zeigen eine hohe Bereitschaft und sind sehr kooperativ.“

Lohrbächer freut sich auf die Zeit nach Corona, wenn er nicht mehr an Abstände und mögliche Infektionsrisiken denken muss. Dann kann auch das Miteinander wieder stärker im Fokus stehen. „In der Feuerwehr kommt es schließlich auf Teamwork an.“

JENNIFER BATTAGLIA

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