Auf Höhe der Aussegnungshalle (im Bild das Dach) soll ein 50 Meter breiter Stahl-Balkon außerhalb der Stadtmauer gebaut werden.
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Auf Höhe der Aussegnungshalle (im Bild das Dach) soll ein 50 Meter breiter Stahl-Balkon außerhalb der Stadtmauer gebaut werden. Diese Planungen werden nach der Genehmigung aber erst einmal auf Eis gelegt.

Der Wehrgang in der Schongauer Stadtmauer soll erlebbar gemacht werden

Außenbalkon wird geplant, aber geschoben

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Den Wehrgang in der Stadtmauer auf einem großen Stück erlebbar zu machen, ist ein Projekt unter vielen, das die Stadt plant, aber derzeit nicht verwirklichen kann. Gebaut werden soll ein 50 Meter langer Außenbalkon, wobei gar nicht alle Stadträte glücklich sind über diesen Entwurf. Einig war man sich, den Zugang zum Hof des Heiliggeist-Spitals neu zu gestalten.

  • Der Wehrgang der Stadt Schongau soll erlebbar gemacht werden.
  • Weil es finanziell eng ist: Der Entwurf soll noch genehmigt werden, ausgeschrieben wird er aber nicht.
  • Nicht alle Stadträte sind mit dem Entwurf glücklich, sie fürchten Schäden an der Stadtmauer

Schongau – Die Entwurfsplanung für die Erschließung des Wehrgangs der historischen Schongauer Stadtmauer vom frisch renovierten Münzgebäude bis zum Serenadenhof nördlich der St.-Anna-Kirche stellte in der jüngsten Sitzung des Stadtrats Benedikt Sunder-Plassmann vom gleichnamigen Architekturbüro vor.

Zwei Schlüsselstellen gebe es an dem Vorhaben, so Sunder-Plassmann. Am Münzgebäude ist der Wehrgang nach der Sanierung wieder voll in den Blickpunkt gerückt, an der Friedhofsmauer bei der Aussegnungshalle endet dieser jedoch. Dort soll der Besucher von der Südseite der Stadtmauer auf die Nordseite wechseln, und zwar auf einen Balkon. Auf einer Länge von 50 Metern wechsele man damit auch die Perspektive, man gelange auf die „Angreiferseite“, sehe die Stadtmauer aus der Sicht des Feindes und blickt in den alten Wehrgraben.

Bereich ist ziemlich versteckt

Sichtbar gemacht werden soll nach dem Entwurf auch der Pulverturm am Westeingang des Friedhofs, dieser solle mittels einer Schichtung aus Eichenhölzern wieder an Höhe gewinnen. Der Wehrgang endet dort, wo man auch heute schon über eine Stiege hinaufkommt, nämlich im Garten des Heiliggeist-Spitals an der Mauer der Stiftskirche.

Dieser Bereich ist allerdings derart versteckt, dass auch Stadträte immer wieder von Besuchern gefragt werden, wie man denn dorthin kommt, eine unscheinbare, unansehnlich gewordene Türe. „Man kann nicht hineinsehen, nicht ahnen, dass da ein prächtiger Garten dahinterliegt“, so der Architekt.

Unansehnlich und ohne Blick in den Garten des Heiliggeist-Spitals: Die Eingangssituation wird neu gestaltet.

Er schlug vor, für die Türe in Form und Gestaltung das danebenliegende Portal der St.-Anna-Kirche nachzuahmen. Um ganzjährig für Einblicke zu sorgen, sollen mittig Fensterbögen eingelassen werden. Auch das innere Tor soll erneuert werden. Sunder-Plassmann: „Es wäre eine Bereicherung, die Stadt so zu erleben.“

Bürgermeister Falk Sluyterman hatte – schon bevor er das Wort an den Architekten gab –, darauf verwiesen, dass das Projekt Corona-bedingt wohl keine Chance auf Umsetzung habe. Der Kostenrahmen liegt für die gesamte Maßnahme bei rund 380 000 Euro inklusive Mehrwertsteuer und einer zehnprozentigen Kostensteigerung. Die größten Posten machen dabei die Baumeisterarbeiten mit Gerüst und Abbrucharbeiten aus (70 000 Euro), die neue Gestaltung des Pulverturms (21 000 Euro) sowie Schlosser- und Schreinerarbeiten (rund 110 000 Euro).

Pläne für Führungen liegen bereit

Kornelia Funke (CSU) betonte, dass man seitens der Stadtführer schon lange auf dieses Projekt warte und bereits Pläne habe, wie man den Wehrgang mit in die Führungen einbauen könne. Sie setzte sich dafür ein, dass es zumindest für den neuen Eingang zum Spitalgarten ein Ja geben müsse. Ilona Böse (SPD) schlug vor, die beiden Maßnahmen einfach zu trennen.

Alexander Majaru (SPD) hatte Bedenken wegen der Statik der Stadtmauer. Der Balkon aus Stahl soll eher filigran gestaltet werden, erläuterte Sunder-Plassmann. Geplant sind viele dünne Stützen an der Stadtmauer, um zu viel Druck an einzelnen Stellen zu vermeiden. Auch Michael Eberle meinte, „kein Freund des Metallbalkons“ zu sein.

Bei fünf Gegenstimmen dafür entschieden

Er gab zu bedenken, dass man den Balkon nur brauche, um den Bereich Leichenschauhaus am Friedhof zu umgehen, das vielleicht ohnehin irgendwann saniert werden müsse. Er schlug vor, dann eine Lösung innerhalb der Stadtmauer zu finden.

„Das wäre der richtige Weg“, lobte Bettina Buresch (Grüne) den Gedanken Eberles. Ein Wehrgang verlaufe nicht außen, sondern innerhalb einer Stadtmauer und sie wolle sich nicht in die Rolle des Feindes begeben. Sie sei regelrecht froh darüber, dass der Außenwehrgang derzeit finanziell nicht umgesetzt werden könne.

Buresch erinnerte daran, dass beim Wettbewerb Stadtmauerumfeld jegliche Eingriffe in die Stadtmauer als Sakrileg gegolten hätten. Stephan Hild (UWV) sah eher den finanziellen Aspekt: Wir können nicht die Mittelschule schieben und einen Wehrgang bauen.“

Mit fünf Gegenstimmen war das Gremium dann dafür, den Entwurf Sunder-Plassmanns inklusive Baugenehmigung zu verfolgen, die Ausführungsplanung oder gar Ausschreibung erfolgt erst, wenn man sich es leisten kann. Gegen zwei Stimmen wird die Erneuerung der Eingangssituation zum Spitalgarten sofort angegangen. Diese Maßnahme schätzte der Architekt auf rund 20 000 Euro. Die Stadt will klären, ob auch die Teilmaßnahme finanziell gefördert wird.

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