1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

Außergewöhnliches Klangerlebnis

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Beim Benefizkonzert haben die Sänger und Musiker gemeinsam die musikalische Himmelsleiter erklommen. © rwg

Ein bravouröses Benefizkonzert erlebten die Besucher  in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt. Organist und Kirchenmusiker Andreas Wiesmann hatte ein Programm zusammengestellt, das man durchaus als gewaltig bezeichnen kann.

SchongauBravo! Bravo! Bravo! So sollte, so muss man beginnen das zu beschreiben, was am Sonntagabend in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt zu hören war. Es ist Tradition in Schongau, zum Ausklang des Kirchenjahres ein Benefizkonzert zu veranstalten. So auch heuer wieder am Christkönigs-Sonntag zugunsten der Epitaphien an der Stadtpfarrkirche, wie der 1. Vorsitzende der „Förderer der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt“, Helmut Hunger, zu Beginn der Veranstaltung mitteilte.

Dass dabei immer hervorragende Musik geboten wird, wissen die Menschen. Die Stadtpfarrkirche war voll besetzt. Organist und Kirchenmusiker Andreas Wiesmann hatte ein Programm zusammengestellt, das man durchaus als gewaltig bezeichnen kann. Gewaltig waren die drei präsentierten Werke, gewaltig aber auch die Anforderungen an Chor, Orchester und Solisten. Aber Konzentration gepaart mit hörbarer Musikfreude der Mitwirkenden machten das Konzert zu einem bereichernden Genuss.

Aufgerüttelt und hellwach wurde man gleich zu Beginn durch die tosenden Klänge des Blechbläserensembles unter der Leitung von Marcus Graf, zusammen mit Schlagwerk und Orgel. Im Ersten Weltkrieg komponierte der Franzose Charles-Marie Widor „Salvum fac populum tuum“, ein militärisch anmutendes kurzes Stück, das durch die Kombination der Instrumente mit ihren durchgängigen fortissimo Tönen interpretiert wurde. Eine Premiere war die „Sonata in F für zwei Orgeln“ von Gaetano Piazza. Denn hier kamen zum ersten Mal beide Orgeln der Stadtpfarrkirche zusammen zum Einsatz.

Andreas Wiesmann an der Hauptorgel lockte mit dem Leitmotiv die Chororgel mit Anna Scholz am Register aus ihrem Versteck am Altar. Und wie ein Echo kam die Antwort der kleinen Orgel. Es war ein interessantes, ein außergewöhnliches Klangerlebnis, zwei Königinnen der Musikinstrumente in dieser Form zu hören.

Und dann wurde die „Messe solennelle en l‘honneur de Sainte-Cécile“ von Charles Gounod aufgeführt. Wer der Meinung ist, dass diese „Cäcilienmesse“ auf Grund ihrer melodiösen, leichtklingenden Art ein einfaches Werk ist, der liegt falsch. Die Messe besticht durch abrupte Tempowechsel, die äußerste Konzentration erfordern. Im Credo ist das besonders deutlich hörbar. Mit was für einer bemerkenswerten Leichtigkeit und Ausdruckskraft interpretierten hier der Schongauer Kirchenchor und Mitglieder des Pfaffenwinkelchors, das Kirchenorchester zusammen mit Mitgliedern des Stadtorchesters Schongau und die drei Solisten Sabine Braun (Sopran), Wilfrid Michl (Tenor) und Franz Nagl (Bass) das vertonte Glaubensbekenntnis.

Andreas Wiesmann ließ zu keinem Zeitpunkt ein Stolpern zu und verband alle komplexen Teile des Credos zu einem abgerundeten Ganzen. „Et resurexit“ als Aufschrei, bevor man dann ganz sanft mit zarten Geigenklängen wie auf einer musikalischen Himmelsleiter auffahren darf in den Himmel. Wunderschön!

Jeder Tenor fürchtet seinen Solopart „pleni sunt coeli“ im Sanctus, denn es geht hoch hinauf dabei. Eine großartige Leistung zeigte hier Wilfried Michl. Kraftvoll und zugleich mühelos kamen seine Spitzentöne. Sabine Braun klang engelsgleich im Benedictus, und vorher schon, als sie im Gloria den Chor überstrahlte. Und auch Franz Nagl überzeugte wieder einmal mit seinem schönen Bass, schaurig tief beim „Crucifixus“ im Credo.

Eine Besonderheit der Messe sind die drei vertonten Fürbitten am Schluss, die Gounod für Kaiser Napoleon komponierte. Mit einem furioso Fortissimo kam dann damit der gewaltige Schluss – und dann Stille. Die Glocken der Stadtpfarrkirche beruhigten die Zuhörer noch, bevor der Jubel ausbrach.

Regina Wahl-Geiger

Auch interessant

Kommentare