Polizeikontrolle eskaliert: Mann liefert sich Verfolgungsjagd mit Beamten

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Bargeld-Obergrenze: 5000 Euro

„Massiver Eingriff in das Freiheitsrecht“

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Hohenfurch/Peiting/Schongau - Die Bundesregierung möchte eine Obergrenze in Sachen Bargeldzahlung einführen. Maximal 5000 Euro. Gebrauchtwagenhändler ist dieses Vorhaben ein Dorn im Auge. Andere Gewerbetreibende sehen dem ganzen entspannter entgegen, fühlen sich aber persönlich angegriffen. 

Andreas Braunegger ist Gebrauchtwagenverkäufer in Hohenfurch. 60 Autos stehen derzeit auf seinem Fuhrpark. „Mit dem Geschäft sind wir zufrieden“, sagt er. Deutlich weniger erfreulich reagiert er jedoch auf die Nachricht einer Obergrenze bei Bargeldzahlungen. „Weil sehr viele Kunden von uns mit Bargeld bezahlen.“ Rund 50 Prozent.

Speziell die ausländischen Kunden aus osteuropäischen Ländern wie Ungarn oder Rumänien würden viel Wert auf gebündelte Scheine legen. Allein deshalb, „weil sie in Deutschland kein Konto besitzen“. Braunegger spricht von 10 000 bis 15 000 Euro – also zwei bis drei Mal so viel wie von der Bundesregierung künftig erlaubt.

Ziel des Limits ist die Bekämpfung von Geldwäschereien in großem Stil. Terror und so. Markus Strommer, Inhaber der MöbelCentrale, stinkt das vor allem aus bürgerlicher Sicht. „Wenn jemand 100 000 Euro den Lech hinunterspülen will, soll er das tun, wenn jemand eine Küche kaufen oder der Kirche spenden will, soll er das tun.“ Selbstverständlich auch mit Bargeld. „Es kann nicht sein, dass jeder Bürger ab einer Bargeldsumme von 5000 Euro unter Generalverdacht gestellt wird.“ Für Strommer sei das ein massiver Eingriff in das Freiheitsrecht. Doch zurück zum geschäftlichen: Aus wirtschaftlicher Sicht macht sich Strommer nämlich gar keine Sorgen. „Auch wenn wir dafür eine Kreditkartenzahlung einrichten und die dafür anfallende Abhebegebühr übernehmen müssen.“

Viele Kunden bezahlen schon bargeldlos

Florian Holl von der gleichnamigen Baufirma in Peiting sieht das Ganze mit noch weniger Sorge. „99 Prozent meiner Kunden bezahlen schon seit vielen Jahren bargeldlos.“ Selbst bei kleineren Sachen wie Fassaden- oder Badsanierungen (2000 und 10 000 Euro) spielen Scheine in Holl's Gewerbe keine Rolle mehr. Das hänge auch mit einem steuerlichen Vorteil zusammen. „Bei Sanierungen im Privatbereich kann die Mehrwertsteuer geltend gemacht werden“, sagt Holl. Allerdings nur, wenn die Leistung bargeldlos beglichen wird. So streicht Holl nur noch über den Lagerverkauf ein paar Scheinchen ein. „Zum Beispiel für einen Sack Zement“, der allerdings bei weitem keine 5000 Euro kostet.

Ähnlich sieht’s bei Küchen Hirschvogel in Peiting aus. Auch dort bezahlen die Kunden nahezu ausschließlich per Überweisung. Das hat gleich zwei Vorteile: Erstens muss kein Mitarbeiter zur Bank geschickt werden. Und die Sorge, mit 10 000 Euro in der Tasche überfallen zu werden, ist auch vom Tisch.

So richtig betroffen wären also nur die Autodantler. Die aber wissen schon jetzt, wie der ein oder andere Kunde diese 5000-Euro-Obergrenze umgehen wird – nämlich mit einem äußerst simplen Trick. „In dem eine Person im Namen von dreien kommt“, sagt Braunegger. Das wären in Summe dann auch 15 000 Euro – und zwar in bar!

Rubriklistenbild: © dpa

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