Eine Milchkuh wartet auf ihr Futter.
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Die Milchpreise könnten steigen, wenn höhere Tierwohlstandards umgesetzt werden würden (Symbolbild).

Demonstration gegen Preis-Blockade

Milchbauern errichten Mauer bei Hochland: Doch die Milcherzeugergemeinschaften sehen den Protest am falschen Ort

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Thomas Bertl kann nur den Kopf schütteln: Ausgerechnet die Molkerei Hochland hat sich der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter (BDM) ausgesucht, um für politische Rahmenbedingungen zu demonstrieren, die einen höheren Milchpreis möglich machen sollen. Der Vorstand des Schongauer Butterwerkes sieht den Protest am falschen Ort.

Schongau/Heimenkirch – Thomas Bertl, der als Vorstand des Schongauer Butterwerkes für rund 620 Milcherzeuger aus der Region spricht, versteht zwar, dass die Milchbauern sauer sind. Schließlich stünden Existenzen von Milchviehbetrieben akut auf dem Spiel, weil die Futtermittelkosten seit Monaten extrem steigen und die Milchpreise nach wie vor nicht kostendeckend seien. Überhaupt kein Verständnis haben Bertl und seine Vorstandskollegen von sieben weiteren süddeutschen Milcherzeugergemeinschaften, dass die Wut darüber jetzt Hochland trifft. Die Molkerei würde sich seit Jahren nicht nur durch einen „weit überdurchschnittlichen Milchauszahlungspreis auszeichnen, sondern die Milcherzeuger auch am wirtschaftlichen Erfolg der Molkerei teilhaben lassen, indem vertraglich vereinbarte Milchpreise überzahlt würden“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

BDM-Kreischef verteidigt Aktion in Heimenkirch

BDM-Kreischef Bernhard Heger verteidigt dagegen die Aktion, die am morgigen Freitag vor der Hochland-Zentrale in Heimenkirch geplant ist. Der BDM will dort eine 1,70 Meter hohe Mauer aus Ziegeln errichten. Sie soll symbolisieren, dass die Molkereien beim Milchpreis „mauern“.

Ein bis zwei Cent mehr „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Heger ist gespannt, wie viele der 600 BDM-Mitglieder aus dem Landkreis sich auf den Weg ins 120 Kilometer entfernte Heimenkirch machen werden. Er weiß um die Vorbehalte, schließlich zahlt Hochland mit 36 Cent pro Liter Milch einen höheren Preis als viele andere. Aber auch von „ein bis zwei Cent mehr“ könnten die höheren Betriebskosten nicht ausgeglichen werden, macht der BDM-Kreischef klar. Sie seien um 25 bis 30 Prozent gestiegen, der leicht höhere Preis, den Hochland bezahle, sei nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“.

Und überhaupt: „Wir lassen uns nicht sagen, wo wir demonstrieren und wo nicht“, gibt sich Heger kämpferisch. Dass vom BDM für die Auftaktveranstaltung am Freitag Hochland ausgewählt worden ist, liegt seinen Angaben nach auch an der Person von Peter Stahl. Der Hochland-Vorstandsvorsitzende ist Chef des deutschen Milchindustrie-Spitzenverbands MIV. Und in dieser Position würde Stahl provozieren, wenn er sage, dass es keine Möglichkeit gebe, den Milchpreis zu erhöhen, moniert Heger.

Butterwerkschef sieht vielversprechende Konzepte gefährdet

Dass sich der Protest an Stahl richten soll, auch das kann Thomas Bertl verstehen. Dann aber sei Hochland die falsche Adresse. „Der MIV sitzt in Berlin“, macht der Buttwerkschef klar. Die Proteste am Freitag würden nun ein Unternehmen treffen, „das nicht nur Vorreiter im Milchpreis ist, sondern überdies auch soziale Verantwortung beweist“. Bertl befürchtet, dass durch eine negative Darstellung von Hochland nun „vielversprechende Konzepte für einen hochpreisigen Absatz von Molkereiprodukten“ in Gefahr geraten könnten. Deshalb fordert er Milcherzeuger von anderen Molkereien auf, morgen vor ihren eigenen Molkereien zu demonstrieren, da diese „einen weitaus schlechteren Milchpreis bezahlen“.

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Es war nicht anderes zu erwarten: Seit die B17 gesperrt worden ist, geht es nur noch im Schneckentempo durch Peiting und Schongau. Besserung ist erstmal nicht in Sicht.

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