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Bayerisches Pilotprojekt: In Schongau soll eine besondere Photovoltaik-Anlage entstehen

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Von: Elke Robert

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Bisher gibt es erst eine Versuchsanlage, in Schongau könnte nun ein Pilotprojekt starten: Die Photovoltaik-Module werden senkrecht aufgestellt, zwischen den Reihen ist genügend Platz für landwirtschaftliche Maschinen.
Bisher gibt es erst eine Versuchsanlage, in Schongau könnte nun ein Pilotprojekt starten: Die Photovoltaik-Module werden senkrecht aufgestellt, zwischen den Reihen ist genügend Platz für landwirtschaftliche Maschinen. © next2sun

In Schongau bahnt sich eine zukunftsweisende Kooperation zwischen Industrie und Landwirtschaft an: Gemeinsam mit Hirschvogel plant der Biohof Jocher im Schongauer Westen eine ganz besondere Photovoltaik-Anlage. Auch das Amt für Landwirtschaft ist bei dem bayerischen Pilotprojekt mit an Bord.

Schongau – In Schongau bahnt sich ein Projekt an, das Vorzeigecharakter haben könnte: In Kooperation mit der Hirschvogel Automotive Group soll auf den landwirtschaftlichen Flächen von Theresia und Florian Jocher im Schongauer Westen eine Agri-Photovoltaik-Anlage entstehen. Bei Hirschvogel will man aktiv am Klimaschutz arbeiten und künftig ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, so Sebastian Gschwill. Der Energie- und Nachhaltigkeitsmanager der Hirschvogel Automotive Group präsentierte die Idee gemeinsam mit dem Schongauer Bio-Landwirt im Stadtrat.

„Der Bedarf in der Industrie nach grünem Strom wird immer größer, daher arbeiten wir an einer Grünstromstrategie, um den Standort zu sichern“, so Gschwill. Angesprochen seitens Hirschvogel, sei über den Winter die Idee gereift, Landwirtschaft und Stromerzeugung zu koppeln. „Es könnte ein zweites Standbein sein, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Energie zu erzeugen“, so Jocher.

Spezielle Solarmodule werden senkrecht aufgestellt

Große Photovoltaik-Anlagen brauchen viel Platz, konkurrieren mit der heimischen Landwirtschaft und verändern außerdem die Landschaft, legte Jocher die Nachteile auf den Tisch. Gebaut werden soll nun aber keine reguläre, in Richtung Süden ausgerichtete PV-Anlage. Angedacht ist der Einsatz spezieller bifazialer Solarmodule. Diese werden senkrecht aufgestellt und können die Sonneneinstrahlung sowohl von Osten als auch von Westen verwerten. „Der Charme: Die Stromproduktion erfolgt vor allem am Vormittag und am Nachmittag, was die Stromnetze stark entlastet“, so Gschwill. Ganz nebenbei könne man gegenüber konventionellen Anlagen etwa 20 Prozent mehr erlösen.

Diese aufgeständerte Solaranlage sei wunderbar mit der Landwirtschaft zu kombinieren, so Jocher. Weniger als ein Prozent der Fläche werde verbaut, man brauche nicht einmal Fundamente. „Sie ist leicht aufzubauen und ebenso schnell wieder abgebaut.“ Der Einfluss auf die Vegetationsentwicklung sei gering. „Und man kann die Flächen wie gewohnt landwirtschaftlich bewirtschaften.“ Die Modulreihen liegen acht bis zehn Meter auseinander, das reiche für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge. Auch als Weidefläche stehen die Felder weiter zur Verfügung, die Module könnten den Tieren sogar Schatten spenden, schätzt Jocher.

Mit der Anlage sollen 800 Tonnen CO2 eingespart werden

Angedacht ist der Bau der Agri-Photovoltaikanlage auf einer fünf Hektar großen Fläche westlich der Römerstraße in Richtung Hirschvogel. Durch die geographische Besonderheit dieser Fläche – die Fläche liegt in einem 3,20 Meter tiefen Becken – füge sich das super in die Umgebung ein, schwärmte Jocher, von der Stadt aus schaue man sozusagen über die PV-Anlage hinweg. Gschwill rechnete vor, dass man auf dieser Fläche in Kombination mit einer Zwei-MWpeak-Anlage rund 800 Tonnen Co2 pro Jahr einsparen könnte. Der regionale Grünstrom solle die Grundlast der Industrie absichern.

Das Vorhaben wird begleitet vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten. Konrad Gruber, Energieexperte am Fachzentrum für Diversifizierung am AELF, saß auch mit im Zuschauerraum. „Es könnte ein Pilotprojekt für ganz Bayern werden“, resümierte Florian Jocher. Bisher gebe es erst eine Versuchsanlage.

Im Stadtrat kommt das Vorhaben gut an

„Es wäre schön, wenn wir dieses Pilotprojekt in Schongau umsetzen könnten“, hatte Bürgermeister Falk Sluyterman die Idee schon eingangs gelobt. Alexander Majaru (SPD) war ebenfalls begeistert, wollte aber wissen, ob Hirschvogel auch die Fassaden der Firmengebäude mit PV-Anlagen ausstatten wolle. Gschwill antwortete, dass derzeit weltweit alle Dachflächen neu betrachtet würden, für Fassadenanlagen hingegen sei noch nicht die richtige Zeit. Bettina Buresch (Grüne) regte an, PV-Anlagen auch auf den firmeneigenen Flächen umzusetzen, die Parkflächen zu überdachen. „Das ist eine große ungenutzte Fläche als reine Abstellfläche für Pkw.“ Dies sei für den Standort Denklingen in Betrachtung, so Gschwill, auch bei den Stahllagerflächen sei das angedacht, „aber da muss sich preislich noch etwas tun“.

„Das ist etwas für Landwirtschaft, Industrie und den Klimaschutz“, fasste es Kornelia Funke (CSU) zusammen. Und Friedrich Zeller (SPD) hatte sogar die Vision einer Bürger-Photovoltaik-Anlage, die Stadt könne eigene Flächen mit solchen aufgeständerten Modulen ausstatten.

„Wir stecken erst in den Kinderschuhen der Planung, aber es war sehr wichtig, dass uns der Stadtrat signalisiert hat, dass er hinter so einem Projekt steht“, freute sich Florian Jocher im Nachgang. Eine Firma, mit der man das realisieren könnte, habe man bereits im Auge.

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