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Celine Eberle und Elisabeth Wetzlar nutzen des Pflegebad, um zusätzliche praktische Erfahrungen zu sammeln.

Berufsschule Schongau

Bayerns einzigartiges Haus im Haus

Schongau - Ein „Haus im Haus“, um praxisorientiert zu unterrichten: Dieses Konzept der Berufsschule Schongau ist bayernweit einzigartig. Bei der Einweihung des barrierefreien Pflegebades im Obergeschoss wurde anschaulich demonstriert, wie künftig der lebensnahe Unterricht abgehalten wird.

„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt, schnellere Pferde.“ Mit diesem Zitat des Automobilherstellers Henry Ford eröffnete der Leiter der Beruflichen Schulen Schongaus, Thomas Schütz, seine Rede anlässlich der Einweihung des Pflegebades im „Haus im Haus“. „Nun ist das, was wir hier machen, zwar noch keine Revolution, wie Ford sie losgetreten hat, aber wir beschreiten definitiv neue Wege“, so der Schulleiter. Neue Wege, die im Freistaat sonst noch niemand beschritten hat.

Nach der Verlagerung der gesamten Kfz-Abteilung Ende des Sommers 2009 nach Weilheim stand die Kfz-Werkstatt der Schongauer Berufsschule leer. Hierauf entschieden sich Schulleitung und Lehrkräfte der Elektroabteilung nach reiflicher Überlegung, in diesen freigewordenen Räumlichkeiten ein besonderes Projekt in Angriff zu nehmen: das „Haus im Haus“.

Der Gedanke dahinter ist, Praxisnähe in den Unterricht zu holen, aber auch in besonderem Maße die Begeisterung der Schüler für ihren jeweiligen Beruf zu befeuern, erklärt Josef Lory, Abteilungsleiter Elektrotechnik der Schongauer Berufsschule.

Im März 2010 begann der Bau des zweistöckigen und 15 x 7,50 Meter großen Hauses in Holzständerbauweise. Seitdem investierten die Lehrer der Elektroabteilung unzählige Stunden Freizeit in das außergewöhnliche Vorhaben – immer unterstützt durch zahlreiche Sponsoren. „Die Liste ist mittlerweile sehr lang geworden“, erläutert Lory, der darüber sichtlich froh ist. Besonders hebt er das Engagement der Firma Schöffmann aus Weilheim hervor, die die Elektroverteilung des Hauses im Gegenwert von rund 2500 Euro beisteuerte.

Das vorschriftsmäßige Umsetzen  aus dem Rollstuhl in den Treppenlift  ist gut einstudiert. Nun geht es nach oben.

Der erste komplett fertiggestellte Raum des bayernweit einzigartigen Lehr- und Übungshauses befindet sich im Obergeschoss und beherbergt das sogenannte Pflegebad. Ausgestattet mit vielen elektrischen Hilfsgeräten wie z.B. einem höhenverstellbaren Waschbecken ist das Pflegebad ideal, um den Schülern die besonderen Anforderungen an elektrische Betriebsmittel in Feuchträumen aufzuzeigen. Auch die behindertengerechte Ausführung der Elektroinstallation mit intelligenter Steuerungstechnik für Licht, Fußbodenwärmung und die Klimaanlage bietet viele Möglichkeiten für eine gewinnbringende Einbindung in den Unterricht der Abteilung Elektrotechnik. Denn: „An einem fertigen Haus können tausende Arbeiten anfallen“, weiß Josef Lory und nennt gleich die Messungen zur Fehlerfindung an dem im Badezimmer verbauten Durchlauferhitzer als Exempel.

Aber nicht nur die Elektriker profitieren von dem einzigartigen Konzept: Auch die Lehrerinnen und Schülerinnen der Berufsfachschule für Sozialpflege nutzen speziell das barrierefreie Pflegebad für einen lebensnahen Unterricht. Hier steht besonders die Sicherheit und Hygiene im Vordergrund. Unter anderem wird der Umgang mit Hilfsmitteln (zum Beispiel Duschsitz/Duschstuhl) beim Duschen einer pflegebedürftigen Person eingeübt.

„Eine weitere Nutzungsmöglichkeit bietet der von der Augsburger Firma LechLifte mit 1000 Euro gesponserte Treppenlift“, unterstreicht Josef Lory. Wie wird eine Person richtig aus dem Rollstuhl in den Treppenlift umgesetzt? Das kann ebenso erprobt werden, wie der Umgang mit den Sicherheitseinrichtungen des Liftes, mit denen sich die Auszubildenden vertraut machen müssen.

Wie hilfreich das Üben unter solch realen Bedingungen ist, demonstrieren die Schülerinnen Celine Eberle und Elisabeth Wetzlar abschließend. Elizabeth mimt dabei eine 82-jährige Frau, die sich vor zwei Jahren den Oberschenkelhalsknochen gebrochen hat. Mit Gewichten an Armen, Beinen und Rumpf, einer Skibrille und Ohrenschützern ausgestattet, ist sie ganz auf die Hilfe von Celine angewiesen. Diese bringt Elisabeth mit dem Treppenlift zunächst nach oben in das Pflegebad. Dort simulierten die beiden dann hernach den Ablauf eines Duschganges.

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