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Besonderes Jubiläum: Vor 100 Jahren öffnete die erste Bücherei in Schongau

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Im Ballenhaus befand sich 1919 im ersten Stock die erste Schongauer Bücherei.

Heuer jährt es sich zum einhundertsten Mal, dass in der Stadt Schongau eine öffentliche Bücherei betrieben wird. Am 5. Oktober 1919 öffnete die „Volksbibliothek Schongau“ in einem Zimmer im ersten Stock des Ballenhauses ihre Pforten.

SchongauBibliotheksgründer Jakob Pfeiffer war während seines gesamten Wirkens in Schongau in den Jahren von 1916 bis 1940 sehr um die Verbesserung der Lebensumstände finanziell schwächerer Schichten bemüht. Durch seine geistliche, politische und soziale Tätigkeit war er eine der prägenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Zeit. Eine seiner ersten sozialen Maßnahmen war die Einrichtung einer öffentlichen Bücherei, um allen Schichten preisgünstig den Zugang zu guter Literatur zu ermöglichen.

Pfeiffer konnte dabei auf die Bestände der schon bestehenden Vereinsbibliothek des Arbeitervereins und dessen finanzielle Unterstützung zurückgreifen. Der Verein hatte seit 1904 eine Vereinsbibliothek besessen, die in seinem Vereinslokal, dem Gasthof zum Mohren, untergebracht war und einmal im Monat geöffnet hatte. Darüber hinaus sammelte Pfeiffer bei den Schongauern Geld und Bücher für sein Bibliotheksprojekt.

Der Schongauer Stadtrat beschloss im August 1919, dass der Bibliothek ein bis dahin als Lehrmittelraum genutztes Zimmer im Ballenhaus – dort waren zu dieser Zeit Räume der Knabenschule untergebracht – zur Verfügung gestellt wurde. Nach nur dreimonatiger Vorbereitungszeit konnte die Volksbibliothek dann am Sonntag, 5. Oktober 1919, ihren Betrieb aufnehmen. Sie war jeden Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr geöffnet, die Leihgebühr betrug pro Buch für eine Leihfrist von 14 Tagen lediglich 10 Pfennig.

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Das war die Anzeige in den Schongauer Nachrichten zur Bücherei-Eröffnung in Schongau.

Im Jahr 1920 umfasste der Buchbestand bereits die stattliche Zahl von insgesamt 2000 Bänden, davon entfielen 700 Bände auf die Jugendbibliothek. So eine umfangreiche Jugendbibliothek war für die damalige Zeit sehr fortschrittlich. Die übrigen Bestände gliederten sich in Unterhaltungsliteratur mit Romanen, Novellen, Erzählungen, Humoristischem und Reisebeschreibungen. Außerdem gab es religiöse, philosophische, geschichtliche, geografische, naturwissenschaftliche und technische Literatur.

Ein gedrucktes Verzeichnis der Unterhaltungsliteratur, geordnet nach Autoren in alphabetischer Reihenfolge, erschien 1920. Die Aufstellung begann mit Abraham a Sancta Claras sämtlichen Werken in sechs Bänden und endete mit Zöhrers Chronik von Wien. Mit den meisten Werken war die Schriftstellerin Lina von Berlepsch vertreten. 60 verschiedene Bücher aus ihrer Feder waren vorhanden. Berlepsch übersetzte und bearbeitete vor allem Werke amerikanischer Autoren in freier Form.

Im Jahr 1941 gründete die Stadt Schongau ihre eigene Stadtbücherei, heute die Bücherei am Münztor. Daneben existiert in Schongau seit dem Jahr 1967 die Öffentliche Pfarrbücherei Verklärung Christi.

VON HARALD SCHARRER

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