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Hoffen auf rege Beteiligung bei den Betriebsratswahlen: (v.l. ) Thomas Schweiger (Hanes), Sabine Wagner (Hochland), Christian Wegele (UPM), Hermann und Markus Reich (KAB Altenstadt) sowie Betriebsseelsorger Andreas Kohl.

Betriebsräte vor der Wahl

Kompromisse wichtiger als Konflikte

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Die Kirchen rufen die Arbeitnehmer in Deutschland dazu auf, sich an den Betriebsratswahlen zu beteiligen, die in diesen Tagen beginnen. Denn auch Arbeit brauche Grenzen, heißt es. Auf Einladung der KAB stellten jüngst in Schongau einige Betriebsräte ihre Arbeit vor.

Schongau – „Woanders sterben Leute für so ein Recht“, sagt Sabine Wagner zur den Betriebsratswahlen, die in den Unternehmen in der Zeit vom 1. März bis zum 31. Mai über die Bühne gehen. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Firma Hochland in Schongau war in dieser Woche zusammen mit anderen Arbeitnehmervertretern ins Pfarrheim von Verklärung Christi gekommen, um von ihrer Arbeit zu berichten. Eingeladen hatte dazu die Betriebsseelsorge der Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB).

Wagner hat sich voll und ganz der Arbeit im Betriebsrat verschrieben, seit 2009 ist die früher in der Verwaltung tätige Mitarbeiterin für ihn freigestellt. Die 47-Jährige kann also den ganzen Tag für ihre Kollegen da sein und, wenn notwendig, bei den Chefs für sie kämpfen. „Ich habe grundsätzlich ein Faible dafür, dass es gerecht zugeht“, erklärt Wagner, warum sie sich 1998 erstmals für die Betriebsratswahl hatte aufstellen lassen und seitdem für Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung in der Firma einsteht.

Gleiches gilt für Christian Wegele, Betriebsratsvorsitzender bei dem Schongauer Papierhersteller UPM: „Mir liegen die Menschen und das Werk sehr am Herzen, dafür opfere ich mich auf“, betont der UPM-Betriebsratsvorsitzende. Der dritte im Bunde, der ins Pfarrheim gekommen war, heißt Thomas Weiger, der beim Textilhersteller Hanes in Schongau beschäftigt ist und dem Betriebsrat vorsitzt. Er erfreue sich daran, seinen Kollegen helfen zu können, sagt er.

Die Aufgabe erfüllt auch seine Kollegin vom Käsehersteller Hochland mit Glück: „Immer, wenn es gelingt, Menschen, die schon abgeschrieben sind, wieder beschäftigen zu können, ist das ein Highlight“, berichtet Sabine Wagner zum Beispiel von erfolgreichen Widereingliederungen. Sie kämpft für Lohngerechtigkeit und gegen Sparprogramme, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein hohes Gut für sie und die Kollegen von UPM und Hanes. Dem Arbeitgeber begegne sie bei den Gesprächen „mit Respekt und Achtung“, sagt Wagner. Mit Konfrontation erreiche man wenig, „Kompromisse sind wichtiger als Konflikte.“

In den kommenden Monaten stehen Wegele, Schweiger und Wagner wieder zur Wahl. Und sie hoffen auf eine ähnlich gute Beteiligung wie vor vier Jahren. Bei Hochland gingen damals 74,9 Prozent der 499 Beschäftigten an die Wahlurnen, bei UPM waren es 89 Prozent der 540 Mitarbeiter und bei Hanes sogar satte 98 Prozent der 144 Beschäftigten. Eine hohe Wahlbeteiligung sei ein wichtiges Signal für die Arbeitgeber, betonen die drei Betriebsräte. „Da kannst du ganz anderes auftreten.“

Auf eine hohe Wahlbeteiligung hoffen auch die Kirchen. „Die Mitbestimmung ist unverzichtbar“, betont Betriebsseelsorger Andreas Kohl, der die Gesprächsrunde im Pfarrheim moderierte und einen Aufruf der Evangelischen Kirche und der Deutschen Bischofskonferenz verlas. Aufgrund der Veränderung in der Arbeitswelt bedürfe es öffentlicher Debatten, wie die Arbeit in Zukunft human gestaltet werden könne, heißt es in dem von Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm unterzeichneten Schreiben unter anderem. Der Druck auf die Beschäftigten habe weiter zugenommen, Leistungsverdichtung und Mehrarbeit seien zu ständigen Begleitern geworden, monieren die Kirchen und warnen: „Leistungsdruck und andauernde Überforderung tragen zu einer Zunahme psychischer Erkrankungen bei.“

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