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Mancherorts werden die Visiere schon genutzt. 

Bieten „Face Shields“ genügend Schutz vor Corona?

Bund der Selbstständigen fordert: „Keine Masken für Verkäufer“

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Das lange Tragen von Masken ist für viele Verkäufer unzumutbar, sagt Harald Dinter vom Bund der Selbstständigen. Eine bessere Alternative, so die Forderung, wären Schutzschilder aus Plexiglas. Das Gesundheitsamt sieht den Vorschlag allerdings kritisch.

Landkreis – Einkaufen, das geht nur noch mit Maske. Grundsätzlich will der Bund der Selbstständigen (BDS) die Auflage auch gar nicht kritisieren, weil in diesem Zuge der Einzelhandel wieder öffnen durfte. Dennoch sieht der Vorsitzende des Schongauer Ortsvereins in der Regelung auch ein schwerwiegendes Problem: Und zwar, dass sie für alle gleichmaßen gilt. „Wir müssen bei der Maskenpflicht dringend zwischen Kunden und Verkaufspersonal unterscheiden“ fordert Harald Dinter.

„Während Kunden die Masken für die Dauer des Einkaufes tragen, müssen Mitarbeiter diese über viele Stunden am Stück durchgehend aufhaben.“ Unzumutbar sei das, sagt Dinter. Das Atmen unter der Maske fällt schwerer. Um eine Ausbreitung zu verhindern, gebe es im Einzelhandel bessere Möglichkeiten: „Besonders Gesichtsvisiere sollten als ausreichende Schutzmaßnahme gelten“, so der BDS.

Innenministerium sieht „Face-Shields“ kritisch

Tun sie im Moment aber nicht. „Visiere, sogenannte Face-Shields oder (Plexi-)Glasscheiben, stellen keinen gleichwertigen Ersatz für eine Maske dar. Diese können aber ergänzend zur Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden“, heißt es vom bayerischen Innenministerium.

Jana Krivanek von der Boutique „Schonschön“ in Weilheim findet das schade. Sie würde gerne auf ein Visier umsteigen. „Der Tragekomfort ist deutlich angenehmer.“ Die Maske findet sie eher lästig, vor allem wenn viel los ist und sie zwischendurch nicht abgenommen werden kann. Ihren Mitarbeitern würde sie es freistellen, ob sie lieber Maske oder Visier tragen möchten, sollten diese zugelassen werden.

BDS: „Mimik ist gerade bei Beratungen ein wichtiger Faktor“

Der BDS gibt einen weiteren Aspekt zu bedenken, warum die Gesichtsschilder für Verkaufspersonal erlaubt werden sollten: „Mimik ist gerade bei Beratungen ein wichtiger Faktor“, so Dinter. Sie habe beim Verstehen des Gesagten enorme Bedeutung.

Auch wenn die Mimik ohne Zweifel wichtig ist, teilt Hannelore Leinauer-Brennauer vom gleichnamigen Blumengeschäft in Peiting nicht die Meinung des BDS. „Die Kunden merken doch trotzdem, ob man fröhlich und aufgeschlossen ist oder nicht. Wie am Telefon ja auch. Und wenn jeder eine Maske tragen muss, wird die fehlende Mimik schon verziehen.“ Mit den Masken kommen sie und die Mitarbeiter gut zurecht. „Die Hauptsache ist, dass der Laden aufbleiben kann“, so Leinauer-Brennauer.

Buchhändlerin: Lieber Maske als Lock-down

So sieht das auch Karin Rolles von der gleichnamigen Buchhandlung in Penzberg. Hauptsache es kommt nicht erneut zum Lock-down. Ob Visier oder Maske sei daher im Moment nicht ihr wichtigstes Anliegen. Das Tragen der Maske von 9 bis 18.30 Uhr sei eine Herausforderung, aber mittlerweile gewöhnen sie und ihre Mitarbeiter sich daran. Jeder hat ein Modell gefunden, mit dem er zurecht kommt, sagt Rolles. Für manche sind es die selbstgenähten Community-Masken, andere bevorzugen OP-Masken, wie Rolles selbst. Von den Visieren ist sie hingegen noch nicht überzeugt.

Der Kassenbereich ist mit Plexiglasscheiben gesichert. „Hier könnte man überlegen, ob ein Verzicht auf eine Maske möglich ist und sie erst angelegt wird, wenn man mit dem Kunden zum Regal geht“, so Rolles. Aber es geht auch so.

Gesundheitsamt:  Tröpfchen können sich nach wie vor leicht verteilen

Nicht nachvollziehen kann Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamts Weilheim-Schongau, die Forderungen des BDS. Das Tragen der Masken sei in jedem Fall sinnvoll und könne nicht durch Gesichtsschilder ersetzt werden. „Weil sie an den Seiten und nach unten offen sind, bieten sie keinen ausreichenden Schutz“, erklärt Günther. Ihr Vorteil im Komfort, die gute Belüftung, ist gleichzeitig ihr Nachteil: Tröpfchen können sich nach wie vor leicht verteilen. Die notwendige Reduktion der Verteilung der Viren durch die Atemluft sei somit nicht gegeben.

Günther: Was Pflegern zuzumuten ist, muss auch für Verkäufer gelten

Auch, dass Verkäufer den ganzen Tag lang Masken tragen müssen, sieht Günther nicht als Problem. „Das Personal in Krankenhäusern und der Pflege trägt ebenfalls dauerhaft Masken. Wenn das ihnen zuzumuten ist, muss das auch für Verkäufer gelten.“

Informationen im Live-Ticker:  Landratsamt macht keine genauen Angaben zu den Corona-Fällen im Landkreis.

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