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Rund 400 Quadratmeter Silofolie wurden laut Helmut Lerf an exponierten Bereichen verlegt, gesichert mit Sandsäcken von der Feuerwehr und drei Paletten Pflastersteine.

Debatte um Bikepark-Zeiten  

„Die Natur kannst Du nicht bändigen“

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Der Schongauer Bikepark litt heuer unter den Wetterkapriolen. Ausgerechnet im Sommer musste er nach Dauerregen geschlossen werden. Darauf müssen sich die Radfans auch 2018 einstellen. Denn der Park ist witterungsabhängig, heißt es im Rathaus. Eines bereitet Sorgen: Die unsachgemäße Nutzung der teuren Anlage.

Schongau– Als der Bikepark an der Schärflshalde im September 2016 eröffnet wurde, strahlten Stadtvertreter und Nutzer um die Wette. Immerhin 197 333 Euro investierte die Kommune, 50 Prozent Leader-Zuschuss flossen. Dafür bekam Schongau eine Attraktion, die „hervorragend angenommen wird“, wie Alfons Wittmann, Sportreferent im Rathaus, sagt. Das Einzugsgebiet ist groß: Augsburg, Marktoberdorf, Landsberg, Füssen, selbst München listete Wittmann auf.

Bei aller Zufriedenheit gibt es einen Wermutstropfen. Die Stadt musste den Bikepark immer wieder schließen. Dies sorgte gerade in den sozialen Medien für Unmut (SN berichtete). Doch Grund waren nicht bauliche Mängel. Wittmann: „Der Park ist gut gebaut worden.“ Grund sei die Fürsorgepflicht gewesen. „Wir haben es für die Sicherheit gemacht.“ Hatte es stark und länger geregnet, ging nichts mehr – weil die Strecken nicht betoniert, sondern mit Erdreich gestaltet sind, was dann ausgewaschen wird. „Dann sperren wir den Park“, erklärt Wittmann. „Das haben wir nicht aus Lust und Laune gemacht.“

Ein Problem sieht der Sportreferent mit den unregelmäßigen Öffnungszeiten nicht. „Das sind Erfahrungswerte, die andere Bikeparks auch machen.“ Allerdings wünscht er sich mit Blick auf manch kritischen Kommentar auf Facebook mehr Verständnis für die städtische Linie. „Die Akzeptanz der Leute muss größer werden bezüglich der Öffnungs- und Schließzeiten.“

Trotz Drainagen schwemmt der Regen im Schongauer Bikepark immer wieder die Strecke aus

Baulich soll nicht nachgerüstet werden, sagt der Rathausmann. Dafür gebe es keine Notwendigkeit. Immerhin besserten die Helfer nach den sommerlichen Unwettern nach. Die Erde auf den neuralgischen Streckenabschnitten wurde mit Lehm verstärkt und der Untergrund stabilisiert. Wittmann hebt den ehrenamtlichen Einsatz von Helmut Lerf hervor. Der Inhaber eines Schongauer Berg- und Radsportgeschäfts engagiert sich mit seinem Team für den Bikepark. Was gut ist, denn das Patenprojekt scheint eingeschlafen zu sein. Wie berichtet, hatten sich im Herbst vergangenen Jahres sechs Interessierte gefunden, um die Anlage zu betreuen. „Die Paten haben sich mehr und mehr zurückgezogen“, erklärt Wittmann. Dafür lobt er die „stabile Zusammenarbeit“ mit Radfan Lerf.

Dieser schwärmt vom Bikepark. „Das Projekt ist super, die Nutzer sind schwer begeistert.“ Schließungen seien natürlich ärgerlich, würden aber zugunsten aller erfolgen. Allerdings räumt Lerf „ein paar Problemfälle“ im Betrieb ein. Natürlich das unstete Wetter, „die Natur kannst Du nicht bändigen“. Aber vor allem beklagt er eine unsachgemäße Nutzung der Strecken. Kaum ist der Regen vorbei, wird die öffentliche Anlage umgehend wieder genutzt, obwohl es untersagt ist, weiß der Fachmann. Dabei bräuchte der Boden eine Zeit, um ordentlich zu trocknen. „Der Bikepark darf nur bei trockenen Bodenverhältnissen befahren werden!“, mahnt die Stadt extra auf ihrer Internetseite. Lerf hat noch anderes Fehlverhalten bemerkt: Mütter, die ihre Kinder mit Laufrädern über steile Kicker schieben, im Sand schaufelnder Nachwuchs, und, dass Sandhaufen für Reparaturen als Spielplätze zweckentfremdet werden. So mancher würde das Areal gar für den abendlichen Spaziergang mit dem Hund nutzen. Abfall, zerbrochene Glasflaschen... Lerf hat schon einiges feststellen müssen. Der Zaun würde, wenn die Tore geschlossen sind, ungebetene Besucher nicht abschrecken. „Danke an die Unbelehrbaren, die damit die Schließung zu verantworten haben“, wurde auf der Bikepark-Facebookseite die Schließung im Oktober kommentiert.

Die Biker freuten sich über die Wiedereröffnung Ende August.

Also rückt Lerf mit seinen Helfern immer wieder an, um Ordnung zu schaffen. Man werde zwar vom Bauhof „unheimlich toll unterstützt“, aber das meiste bleibt an seinem Team hängen. Jetzt ist erst mal Feierabend: Ende Oktober und Anfang November machten die Aktiven die Anlage winterfest. Im Frühjahr gibt es nach der Winterpause ein Treffen vor Ort, sagt Sportreferent Alfons Wittmann. Dann wird geschaut, welche Arbeiten nötig sind. An Sinn und Zweck des Bikeparks zweifelt Helmut Lerf nicht: „Das ist eine Werbung für Schongau.“

Helfer gesucht: Wer beim Bikepark mitarbeiten möchte, kann sich bei Helmut Lerf (erreichbar unter der Telefonnummer 08861/2664 oder via E-Mail unter info@sport-lerf.de) melden.

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